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Menschen schwenken in einem langen Zug die französische, deutsche und italienische Fahne. Am Boden liegen Königskronen, der Himmel ist voller himmlischer Gestalten, die den Menschen Bestand leisten.

Die Darstellung nimmt Bezug auf die revolutionären Ereignisse des Jahres 1848 in Europa. Menschen verschiedener Nationen bewegen sich in einem langen Zug, vorbei an einem Freiheitsbaum, in Richtung einer Allegorie der Freiheit, welche die Fackel der Aufklärung in der Hand hält. Das Werk vermittelt die idealisierte Vorstellung von einer alle Völker umfassenden Freiheit und Brüderlichkeit. – „République universelle démocratique et sociale: Le Pacte“. Kolorierte Lithografie (Reproduktion), Frédéric Sorrieu (1807 – 1887), Frankreich, 1848, Papier (Otto-von-Bismarck-Stiftung Friedrichsruh, Inventar-Nr.: ZSg 2767).

Das zweite Kapitel der Sonderausstellung trägt den Titel „Rivalen“ und geht näher auf das Verhältnis zwischen Franzosen und Deutschen ein – gefragt wird auch, ob der Begriff „Erbfeindschaft“ überhaupt jemals zutreffend war. Sichtbar wird vielmehr die politische Konkurrenz zwischen dem Norddeutschen Bund und dem Zweiten Französischen Kaiserreich Napoleons III. Diese Konkurrenz prägte die Gründungsgeschichte des deutschen Nationalstaats.

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Historische Fotografien, das Reichswappen, das bei der Kaiserproklamation in Versailles „Augenzeuge“ war, beeindruckende Gemälde, aber auch Nippes erinnern in unserer Sonderausstellung an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und die deutsche Reichsgründung im Januar 1871. Die Räume im Bismarck-Museum und im Historischen Bahnhof Friedrichsruh, in denen wir die Ausstellung bis zum 14. November 2021 zeigen, können ab sofort auch virtuell besucht werden. Weiterlesen

Blick auf das Schloss Versailles, von der Stadt aus gesehen. Kolorierter Kupferstich, Pierre Menant, gedruckt bei Gilles De Mortain (Demortain), Frankreich, 1714, Papier (Otto-von-Bismarck-Stiftung Friedrichsruh, Inventar-Nr.: ZSg 2728)

Gemälde, historische Fotografien, Filmsequenzen und Urkunden gehören zu den Objekten, mit denen in der Sonderausstellung „1870/71. Reichsgründung in Versailles“ die Endphase des Reichsgründungsprozesses seit 1867 und seine politischen Nachwirkungen veranschaulicht werden. Wir stellen die sechs Kapitel, die bis zum 14. November im Bismarck-Museuem und im Historischen Bahnhof Friedrichsruh gezeigt werden,  in den kommenden Wochen in einer kleinen Reihe vor.

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Blick in den ersten Raum der Sonderausstellung im Bismarck-Museum.

Die Otto-von-Bismarck-Stiftung hat am gestrigen Sonntag vor einem sehr großen virtuellen Publikum ihre Sonderausstellung „1870/71. Reichsgründung in Versailles“ eröffnet. Diese ist bis zum 14. November 2021 in einigen Räumen des Bismarck-Museums und im Veranstaltungsraum im ersten Stock des Historischen Bahnhofs zu sehen.

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Unser Kalender zeigt im August die „Kaiserproklamation in Versailles, 18. Januar 1871″, Druck nach einem Gemälde von Anton von Werner (Schlossfassung), um 1900, private Leihgabe.

Mit den Novemberverträgen von 1870 traten Bayern, Württemberg, Baden und der südliche Teil des Großherzogtums Hessen dem Norddeutschen Bund bei, der kurzzeitig den Namen „Deutscher Bund“ tragen sollte. Dies hatte zur Folge, dass die Verfassung des Norddeutschen Bundes an die politische Entwicklung angepasst werden musste. Am 10. Dezember 1870 stimmte auch der Bundesrat als Vertretung der deutschen Bundesstaaten der neuen Verfassung zu, änderte aber die Staatsbezeichnung in „Deutsches Reich“ und die Bezeichnung des Staatsoberhauptes in „Deutscher Kaiser“. Da die Novemberverträge am 1. Januar 1871 in Kraft traten, gilt dieses Datum als formelles Gründungsdatum des Deutschen Reiches. Am 18. Januar 1871, dem 170. Jahrestag der Errichtung des preußischen Königtums, versammelten sich neben einer Reihe von Bundesfürsten eine Vielzahl von Heerführern sowie einige Vertreter des Reichstags im Spiegelsaal des Schlosses zu Versailles, um der Akklamation des Königs von Preußen zum deutschen Kaiser als dem repräsentativen und symbolischen Schlusspunkt der Reichsgründung beizuwohnen.
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Unser Kalender zeigt im Juli „Die Deputation des Reichstags übergibt die Adresse im Schlosse zu Versailles am 18. Dezember“, Holzstich (Faksimile) nach einer Skizze von Fritz Schulz (1871), Archiv der Otto-von-Bismarck-Stiftung, Inventar-Nr.: ZSg 2494.

Am 18. Dezember 1870 empfing König Wilhelm I. im Schloss Versailles eine Abordnung des Reichstags des Norddeutschen Bundes unter Leitung des Reichstagspräsidenten Eduard Simson. Die Delegation bat im Namen des Parlaments den preußischen Monarchen, die deutsche Kaiserwürde anzunehmen. Diese Szene wird von dem Maler Friedrich „Fritz“ Schulz (um 1823 – 1875) wiedergegeben. Schulz war als Kriegszeichner Augenzeuge der Ereignisse in den „Einigungskriegen“ von 1864, 1866 und 1870/71. Neben Simson, ein Redemanuskript in den Händen haltend, und Wilhelm I. sind auf dem Holzstich die Parlamentsmitglieder, einige deutsche Fürsten sowie Helmuth von Moltke, Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen und Otto von Bismarck zu erkennen.

Simson war schon 1849 Mitglied der Deputation der deutschen Nationalversammlung gewesen, die König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen die Kaiserkrone angeboten hatte. Anders als sein Bruder, der damals die ihm angetragene Krone zurückgewiesen hatte, war Wilhelm I. bereit, trotz persönlicher Vorbehalte den Kaisertitel anzunehmen.

Sowohl der Reichstag als auch die Volksvertretungen der dem Norddeutschen Bund im Rahmen der Novemberverträge von 1870 beigetretenen süddeutschen Staaten waren am Reichsgründungsprozess aktiv beteiligt. So bedurften die Novemberverträge der Zustimmung der genannten Parlamente, zudem musste die Verfassung des Norddeutschen Bundes aufgrund dieser Entwicklung geändert werden, was der Reichstag des Norddeutschen Bundes am 10. Dezember 1870 mit großer Mehrheit billigte. Die parlamentarische Zustimmung zu den Novemberverträgen (lediglich der bayerische Landtag votierte mit zeitlicher Verzögerung für das Vertragswerk) war ein entscheidendes Moment für Wilhelm I., den Kaisertitel anzunehmen. Da im weiteren Verlauf die „Verfassung des Deutschen Bundes“ vom 1. Januar 1871 noch einmal angepasst werden musste, wurde am 16. April die „Verfassung des Deutschen Reiches“ verkündet, die mehrheitlich vom Reichstag des neugegründeten Deutschen Reiches angenommen wurde.

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