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Zu sehen ist ein Felsbrocken, der nur wenig angeleuchtet ist.

Zu sehen ist hier nicht der Asteroid „Bismarck“, sondern „Bennu“. Dieser Himmelskörper ist in die Schlagzeilen geraten, weil er im nächsten und übernächsten Jahrhundert der Erde nahekommt. Die NASA erforscht ihn seit einigen Jahren mit der Raumsonde OSIRIS-Rex. Foto: NASA/ Goddard/ University of Arizona.

Bismarck ist als Namensgeber weltweit im öffentlichen Raum präsent. Ob als Denkmalsfigur, als Namenszug auf Straßenschildern oder auf Mineralwasserflaschen: An vielen Stellen finden sich noch Überreste des einstigen Ehrregimes für den bis ins Maßlose verehrten Politiker. Die höchste Konzentration der gelegentlich fremd gewordenen Benennungen findet sich erwartungsgemäß in Deutschland, wobei das Gebiet der alten Bundesrepublik führt. Die DDR hatte den „Sozialistenfresser“ mit einer damnatio memoriae belegt; Rück- oder Neubenennungen blieben nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten die Ausnahme.

Eine Ausnahme war 1991 in Thüringen zu verzeichnen. Der Astronom Freimut Börngen (geb. 1930), der im Laufe seines langen Berufslebens an der Thüringer Landessternwarte mehr als 500 Asteroiden entdeckte, benannte einen am 13. September 1991 erstmals durch ihn verzeichneten Himmelskörper aus der Dora-Asteroidenfamilie nach Bismarck. Börngens Schwerpunkte bei der Benennung lagen zu DDR-Zeiten auf Wissenschaftlern aus Astronomie, Medizin, Physik sowie auf Komponisten und Schriftstellern. Nach 1990 verewigte er ein breiteres Spektrum historischer Persönlichkeiten und, mit besonderem Interesse, geografische Orte in dem von ihm geschätzten Alpenraum, was ihm eine österreichische Auszeichnung einbrachte. Dass er vor 30 Jahren an Bismarck dachte, der 99 Jahre zuvor von Studenten in Jena rauschend und berauscht empfangen worden war, ist uns als Auszeichnung diese kleine Erinnerung wert.


Auf bismarckierung.de sammeln wir Erinnerungsorte rund um den Globus – das Weltall können wir damit leider nicht erfassen.

ein niedriges Haus, das mit Reet gedeckt ist, steht an einem Waldweg. Auf dem Weg blickt ein Hund zum Fotografen.

Unser Wandkalender zeigt in diesem Jahr das historische Friedrichsruh. Im September ist auf einer Fotografie von Richard Linde aus dem Jahr 1896 ein Waldwärterhaus zu sehen (Archiv der Otto-von-Bismarck-Stiftung). Über dieses Haus sind keine weiteren Aufzeichnungen aufzufinden.

Der Sachsenwald wurde seit Menschengedenken wirtschaftlich genutzt – zur Weide von Pferden und Kühen, bei der Eichenmast zur Fütterung von Schweinen, als Fleischlieferant sowie Quelle für Baumaterial und Brennstoff. Und auch nachdem im Mittelalter der Wald zum Forst einer Grundherrschaft wurde, fanden viele weiterhin ihr Auskommen – nicht nur die Bauern der Walddörfer, sondern auch Tagelöhner, Waldarbeiter und Köhler, die in bescheidenen Häusern lebten.

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Blick in die Ausstellung auf „Die Proklamierung des deutschen Kaiserreichs (18. Januar 1871)“, Anton von Werner (1843 – 1915), Deutschland, 1885, Öl auf Leinwand (Bismarck-Museum Friedrichsruh, Inventar-Nr.: A 049, Foto: Otto-von-Bismarck-Stiftung / Fotograf: Jürgen Hollweg)

Das „Herzstück“ der Sonderausstellung findet sich in der vierten Sektion: das Gemälde „Die Proklamierung des deutschen Kaiserreichs (18. Januar 1871)“. Der Maler Anton von Werner, der Augenzeuge des historischen Augenblicks war, fertigte im Laufe der Jahrzehnte vier Fassungen seiner Darstellung an, nur diese dritte – ein Geschenk der kaiserlichen Familie an Otto von Bismarck – ist erhalten geblieben. Das großformatige Bild hat seinen festen Platz im Bismarck-Museum Friedrichsruh und diente als Ausgangspunkt der gesamten Konzeption der Sonderausstellung „1870/71. Reichsgründung in Versailles“.

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Keine Dokumentation der Gegenwart, sondern Inszenierung der Vergangenheit – auf diese Formel ließe sich der reiche Bildfundus aus der Zeit des Deutsch-Französischen Krieges bringen, den der Kunsthistoriker Paul Mellenthin (Universität Basel) in verschiedenen französischen Archiven recherchiert und ausgewertet hat. In seinem Vortrag im Rahmen des Begleitprogramms der Sonderausstellung „1870/71. Reichsgründung in Versailles“ stellte er seine bisherigen Forschungsergebnisse vor.

Mellenthin setzte zunächst die Augenzeugenschaft, die die Historienmalerei anbot, mit derjenigen der Fotografie in Beziehung und zeigte die wechselseitigen Beeinflussungen auf. Beide Darstellungsweisen waren sich in diesem Krieg und während des unmittelbar auf die französische Niederlage folgenden Aufstands der Pariser Kommune ähnlicher, als es auf den ersten Blick zu vermuten wäre: Dem  Betrachter eines Schlachtengemäldes ist bewusst, dass dieses später im Atelier entstanden ist. Weniger offensichtlich aber ist, dass auch die Fotografie aufgrund ihrer damaligen begrenzten technischen Möglichkeiten keine unmittelbare Augenzeugenschaft bieten konnte. Die französischen Fotografen, deren Arbeit Mellenthin präsentierte, inszenierten vielmehr den im Krieg entstandenen Zustand, ein Beispiel dafür sind Aufnahmen aus den zerstörten Städten Paris und Straßburg.

Mit der Entstehungs- und Verbreitungsgeschichte ausgewählter Fotografien zeigt Mellenthin aus der französischen Perspektive auf, wie Erinnerung nicht nur visuell konstruiert, sondern auch politisch genutzt wurde.


Fotografie „Belagerung von Strassburg 1870. Bastion 12. Innere Ansicht mit Kaserne Finkmatt nebst Stadttheil“ (© Stiftung Schloss Glücksburg, Leihgabe für die Sonderausstellung „1870/71. Reichsgründung in Versailles“).

„Die Proklamierung des deutschen Kaiserreichs (18. Januar 1871)“, Anton von Werner (1843 – 1915), Deutschland, 1885, Öl auf Leinwand (Bismarck-Museum Friedrichsruh, Inventar-Nr.: A 049)

Einen spannenden Blick auf die deutsche Reichsgründung und den Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 bot Prof. Dr. Michael Epkenhans bei seinem gestrigen Vortrag im Landesarchiv Schleswig-Holstein. Die sehr gut besuchte Kooperationsveranstaltung des Landesarchivs und der Otto-von-Bismarck-Stiftung bot tiefgründige Einsichten über die Ursachen, Gründe und Folgen der „Kriegsgeburt“ des Deutschen Reiches.

Epkenhans – bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im März 2021 u.a. Leitender Wissenschaftler im Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam, außerdem von 1996 bis 2009 Geschäftsführer der Otto-von-Bismarck-Stiftung – zeichnete zunächst kurz die wichtigsten historischen Phasen der deutschen Nationalstaatsbewegung im 19. Jahrhundert nach und ordnete diese in den europäischen Kontext ein. Nach Ende des Deutschen Kriegs 1866 sei eine politische Situation entstanden, die den Ausbruch eines Krieges für Preußen wie für Frankreich habe denkbar erscheinen lassen: Österreich sei aus Deutschland „herausgedrängt“ worden und Frankreich habe befürchtet, durch eine deutsche Einigung „beschädigt“ zu werden. Epkenhans betonte aber, dass der Krieg keineswegs unausweichlich gewesen sei, die französische Regierung unter Kaiser Napoléon III. hätte sich nach dem schon beigelegten Streit über die spanische Thronfolge auch gegen eine Kriegserklärung entscheiden können.

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Drei Männer in Uniformen stehen auf einer Flächen, aus der Wurzeln ragen, in der näheren Umgebung stehen ärmliche Häuser.

Infanterielager vor Charly. Fotografie von Philipp Remelé (1844 – 1883), Deutschland, 1870, Abzug auf Papier. Die Aufnahme zeigt deutsche Soldaten im Feldlager bei Charly in der Nähe von Metz. Es stammt aus der Fotoserie „Scenen aus dem Kriegslager bei Metz 1870“ (Leihgabe Stadtarchiv Stendal, Signatur: BG 042-211)

Einen aufschlussreichen Blick auf den Verlauf des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 aus militärischer Perspektive bot Prof. Dr. Michael Epkenhans bei seinem gestrigen Vortrag im Historischen Bahnhof Friedrichsruh. Die sehr gut besuchte Veranstaltung fand im Rahmen des Begleitprogramms der Sonderausstellung „1870/71. Reichsgründung in Versailles“ statt und bot vertiefende Einsichten, die im Anschluss zu einer lebhaften Diskussion führten.

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Die heldenhafte Verteidigung der Zuaven in Villersexel im Jahre 1871 (Ausschnitt). Paul Louis Narcisse Grolleron (1848 – 1901), Frankreich, nach 1871, Öl auf Leinwand (Otto-von-Bismarck-Stiftung Friedrichsruh, Inventar-Nr.: O 2021/018). Das Gemälde zeigt die Verteidigung des Ortes Villersexel (Ostfrankreich) durch französische Soldaten, darunter auch Zuaven, am 9. Januar 1871. Das Gefecht gehört zu den wenigen siegreichen Kämpfen der Franzosen. Die Kriegsniederlage Frankreichs war mit diesem Erfolg jedoch nicht aufzuhalten. Grolleron war als Maler und Illustrator auf den Deutsch-Französischen Krieg spezialisiert.

Die dritte Sektion der Ausstellung zeigt den Verlauf des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 in seinen vier zentralen Phasen: Julikrise und Kriegsausbruch 1870, Krieg gegen das Kaiserreich, Krieg gegen die Republik und Waffenstillstand. Porträts wichtiger Akteure, Schlachtengemälde sowie Fotografien von Kanonenstellungen, Soldatenunterkünften, zerstörten Ortschaften und Gräbern vermitteln einen direkten Eindruck von den militärischen Handlungen und ihren Folgen. Diese Sektion kommt dennoch ohne Waffen aus, mit einer Ausnahme: Gezeigt wird in der Mitte des Raumes eine Mitrailleuse. Dieser französische Vorläufer einer Schnellfeuerwaffe wurde in diesem Krieg erbeutet und war ein Geschenk an Otto von Bismarck.

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Ein gestopftes Unterhemd, eine berühmte Karikatur und eine historische Fotosammlung aus Kalifornien gehören zu den Objekten, die wir für unsere Videoreihe „Bismarck und seine Zeit“ in das Scheinwerferlicht rücken.

In neun Folgen zeigen wir, dass sich mit den Gemälden, Geschenken und persönlichen Utensilien Bismarcks, die wir in unserer Dauerausstellung und im Museum präsentieren oder in unserem Archiv aufbewahren, nicht nur Geschichten unmittelbar aus dem Leben des langjährigen preußischen Ministerpräsidenten und ersten Reichskanzlers schildern lassen. Sie sind auch eng verbunden mit wichtigen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen, die Deutschland im 19. Jahrhundert prägten.

Die Produktion der Videoreihe wird ermöglicht durch eine finanzielle Förderung der Beauftragten des Bundes für Kultur und Medien im Rahmen des Programms „Neustart Kultur“. Zu finden sind die Folgen, die in den kommenden Wochen veröffentlicht werden, auf dieser Website in dem Menü „Digitales“ oder direkt auf unserem YouTube-Kanal.

In der ersten Folge erzählen wir „Die Geschichte eines Mythos“:

Auf der Schwarz-weiß-Fotografie ist ein Fachwerkhaus zu sehen. Im Eingang stehen zwei Männer, an einem offenen Fenster sitzen zwei Frauen.

Unser Wandkalender zeigt in diesem Jahr das historische Friedrichsruh. Im August ist auf einer Fotografie das Landhaus Friedrichsruh zu sehen, aufgenommen um 1900 (Wilhelm Hoffmann AG, Dresden, Archiv der Otto-von-Bismarck-Stiftung).

„Todfeinde“ sollten diejenigen sein, die ihm ein Museum bauten, wetterte Otto von Bismarck 1889. Er konnte nicht ahnen, dass der Neubau, den er ein Jahr zuvor in Friedrichsruh in Auftrag gegeben hatte, eines Tages genau das sein würde: sein Museum.

Nachdem der erste Reichskanzler 1871 Teile des Sachsenwaldes als Geschenk erhalten und sich für Friedrichsruh als Wohnort entschieden hatte, kaufte er die beiden örtlichen Erbzinsgüter: das westlich gelegene mit der alten Tuchfabrik, zu der sechs Gebäude gehörten (im Bereich des heutigen Schmetterlingsgartens), sowie das Gut Friedrichsruh samt dem Hotel-Restaurant „Frascati“ und zwei weiteren Wirtshäusern. Eines davon war das Landhaus, eine eher einfache Gaststätte, die direkt gegenüber dem etwas mondäneren „Frascati“ und dem dazugehörigen Pferdestall gelegen war.

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Bismarck sitzt seitlich am Tisch und stützt den rechten Arm auf; in der Hand hält er Papiere, die er liest.

Christian Wilhelm Allers: Bismarck bei der Lektüre, Druck, 28. März 1892 (Bismarck-Museum Friedrichsruh / Fotograf: Jürgen Hollweg)

Presseartikel, Schreiben an Monarchen, eine rege Korrespondenz mit adligen wie bürgerlichen Bekannten und Bewunderern sowie die Abfassung der „Gedanken und Erinnerungen“ – aus den letzten acht Lebensjahren Otto von Bismarcks liegt eine Fülle von Schriften vor. Sie geben über zweierlei Auskunft: Wie der Reichskanzler a. D. trotz zunehmender Isolation und nachlassender Arbeitskraft vorging, um weiterhin auf die Tagespolitik Einfluss zu nehmen und um sich – möglichst über seinen Tod hinaus – die erinnerungsstrategische Deutungshoheit über sein Lebenswerk zu sichern.

Nach seiner Entlassung aus allen Ämtern beflügelte es Bismarcks Popularität, dass er jedem Wunsch nach einer persönlichen Zuschrift nachkam. In Friedrichsruh trafen bald körbeweise Broschüren, Petitionen, Gedichte aus dem In- und Ausland, Kompositionen, Traktate, Fotografien und neueste Arbeiten von Wissenschaftlern ein. Der Jurist Paul Laband schickte ihm seine mehrbändige Abhandlung zum deutschen Staatsrecht, Ernst Bötticher, ein Kontrahent Heinrich Schliemanns, berichtete von seinen Ausgrabungen in Troja, der Historiker Heinrich von Treitschke und später seine Witwe Emma sandten Treitschkes neueste Publikationen. Bismarck gab zu erkennen, dass er alles las und zu schätzen wusste, auch den Gruß eines Radfahrerclubs.

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