Kalenderblatt: Der Spiegelsaal

Der Spiegelsaal im Schloss Versailles. Kolorierter Stahlstich von Charles Mottram (1807 – 1876), nach Frederick Mackenzie (1787 – 1854), Großbritannien, 1839, Papier (© Otto-von-Bismarck-Stiftung)

Der 73 Meter lange und knapp 11 Meter breite Spiegelsaal (Galerie des Glaces) im Mittelbau des Schlosses (Corps de Logis) gehört zu den größten und berühmtesten Räumen des Schlosses von Versailles. Er wurde zwischen 1678 und 1686 von Jules Hardouin-Mansart anstelle einer dem Schlosspark zugewandten Terrasse errichtet. Der Saal liegt zwischen dem Salon des Friedens und dem des Krieges und verband die Gemächer des Königs mit denen der Königin. Die drei Säle bilden eine Einheit, ihre künstlerische Ausgestaltung diente der Verherrlichung der militärischen Siege und politischen Erfolge Ludwigs XIV.

17 Fenster öffnen sich zum Park hin. Ihnen gegenüber sind 17 gleichgroße Spiegel mit rund 340 einzelnen Spiegelflächen angebracht, jeweils abgetrennt durch Pilaster aus Marmor. 30 Gemälde, davon neun große, zieren die gewölbte Decke. Der Saal diente hauptsächlich als Durchgang zwischen den königlichen Gemächern, aber auch der Repräsentation sowie gelegentlich für Empfänge und große Festlichkeiten des Hofes. Während des Deutsch-Französischen Krieges als Lazarett genutzt, wurde am 18. Januar 1871 an diesem Ort der preußische König zum Deutschen Kaiser proklamiert; am 28. Juni 1919 erfolgte im Spiegelsaal die Unterzeichnung des Versailler Friedensvertrages.


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