Beiträge

Die weißen Busse für den Transport der Häftlinge wurden vom schwedischen Roten Kreuz organisiert. Diese Aufnahme von Hans Lorenzen zeigt sie vor der Abfahrt in Friedrichsruh.

Getragen war dieser Vortrag von der großen Empathie, mit der sich Ulrike Jensen seit vielen Jahren ihrer Forschung zur Rettungsaktion „Weiße Busse“ widmet: Die Historikerin, die in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme für die politische Bildungsarbeit mit Jugendlichen zuständig ist, schilderte auf Einladung der Otto-von-Bismarck-Stiftung das Geschehen vor allem aus der Perspektive der damaligen Häftlinge. Schauplätze der Aktion im Frühjahr 1945 waren Friedrichsruh und das damalige KZ Neuengamme.

Der Vortrag war ursprünglich für den Mai dieses Jahres geplant und musste nach Ausbruch der Corona-Pandemie verschoben werden. Er gehört in die Reihe der Veranstaltungen, mit denen in Aumühle und Wohltorf an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren erinnert und zugleich das bisherige Gedenken kritisch reflektiert wird.

Weiterlesen

Doris Schlegel, Chris Schlegel und Winfried Werner arbeiten an einem Bismarck-Film, der im Schulunterricht gezeigt werden soll. Am gestrigen Montag drehten sie in Friedrichsruh.

Für einen kurzen Moment scheint es beinahe, als ob ein sehr nachdenklicher Otto von Bismarck noch einmal an seinem Schreibtisch Platz nimmt. Tatsächlich ist es Winfried Werner, der sich für einen Tag in den „Alten aus dem Sachsenwald“ verwandelt und diese Rolle mit würdevoller Haltung ausfüllt. Um ihn herum werden eine Kamera aufgebaut und die Beleuchtung angepasst: Im Arbeitszimmer des ersten Reichskanzlers, das im Bismarck-Museum mit Originalmöbeln eingerichtet ist, beginnen die Dreharbeiten zu einem neuen Bildungsfilm über Otto von Bismarck, der bundesweit seinen Weg in die Schulen finden soll.

Produziert wird dieser Film vom Team der Knowledge Productions in Kooperation mit MedienLB – Medien für Lehrpläne und Bildungsstandards GmbH. Beide Unternehmen sind auf die Herstellung didaktisch aufbereiteter Filme für die verschiedenen Unterrichtsfächer spezialisiert. „Im vergangenen Jahr haben wir beispielsweise Filme über die Hanse und über die Kelten gedreht“, erzählt Doris Schlegel, die die Dreharbeiten in Friedrichsruh organisiert und inhaltlich vorbereitet hat. Die Unterrichtsfilme sind meist um die zwanzig Minuten lang; Außenaufnahmen mit einem Erzähler, Spielszenen und Interviews wechseln sich ab. Nach ihrer Fertigstellung werden sie den Landesmedienanstalten angeboten, die sie dann den Schulen anbieten. Geeignet sind sie ab den Klassenstufen 7 und 8.

Weiterlesen

„Durch das Wissen um die schwierigen Wege zu Freiheit und Demokratie kann die Sensibilität entwickelt werden, Gefährdungen des demokratischen Grundkonsenses zu erkennen.“ Dieses Wissen zu vermitteln, zählt zu den wichtigen Zielen der Arbeitsgemeinschaft Orte der Demokratiegeschichte, der auch die Otto-von-Bismarck-Stiftung angehört.

Die Arbeitsgemeinschaft Orte der Demokratiegeschichte wurde im Juni 2017 in Berlin von 34 Organisationen und Institutionen aus ganz Deutschland im Beisein von Prof. Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, gegründet; ihre Mitgliederzahl ist mittlerweile auf fast 50 angestiegen. Ein SprecherInnenrat, der alle zwei Jahre neu gewählt wird, organisiert und vertritt die AG nach innen und außen. Weiterlesen

Mit historischem Lokalkolorit ist die Otto-von-Bismarck-Stiftung in die Veranstaltungen der zweiten Jahreshälfte gestartet. Zum Auftakt blickte Dr. Ulf Morgenstern, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Hause, 100 Jahre zurück und zeigte bei seinem sehr gut besuchten Vortrag auf, wie hier in Friedrichsruh 1918/19 über Revolution und Republik gedacht wurde.

Nach ihrer Heirat mit Herbert von Bismarck identifiziert sich Marguerite völlig mit den politischen Anliegen ihres Schwiegervaters. Foto: Ihre Büste im Bismarck-Museum Friedrichsruh.

„Wir sind auf alle Fälle ruiniert“, schrieb Marguerite, die verwitwete Schwiegertochter Otto von Bismarcks, am 6. November 1918 an ihre Mutter. Wie fest sie auf diesem Standpunkt mit Blick auf das Ende des Kaiserreichs stand, zeigt ihre umfangreiche Korrespondenz jener Jahre, die Morgenstern erstmals ausgewertet hat. Die Hausherrin, die nach dem Tod ihres Manns 1904 als Kopf der Familie für knapp zwei Jahrzehnte die Verwalterin und Gestalterin des Bismarck-Erbes war, fürchtete in diesen Wochen des Umbruchs, durch „Sozialisierung“ Grundbesitz und Vermögen zu verlieren, und stand der Demokratie denkbar fern. „Ihr Urteil über die Weimarer Republik wurzelte in der Gedankenwelt ihres Schwiegervaters zur Mitte des 19. Jahrhunderts“, so die Einschätzung des Referenten. Dabei blieb es nicht allein bei brieflichen Klagen: Im Juni 1919 begrüßte Marguerite von Bismarck eine Symbolfigur der kaiserlichen Kolonialpolitik, ihren entfernten Verwandten Paul von Lettow-Vorbeck1, in Friedrichsruh. Er war mit einem Freiwilligenkorps von Reichswehrminister Gustav Noske nach Hamburg beordert worden, um einen Hungeraufstand niederzuschlagen, über den Marguerite von Bismarck in ihr Friedrichsruher Tagebuch schrieb: „In Hamburg sollen grosse Unruhen sein wegen Lebensmittelfälschungen, eine Fabrik hat Ratten verarbeitet.“ Ihren Briefkopf ergänzte sie in jenen Tagen sofort um „Großes Hauptquartier“.

Insgesamt falle auf, so Morgenstern, dass unter dem Eindruck der drohenden Enteignung und des Verlusts des gesellschaftlichen Status in den intimen Familienbriefen in Bezug auf die revolutionäre Linke ohne Rücksicht auf adlige Etikette erstaunlich schroff gesprochen wurde. Die Briefe sind unmittelbare Dokumente der Zukunftsängste jener monarchischen und politisch rechts stehenden Kreise, die nur schwer in die Weimarer Republik fanden.

Weiterlesen

Der renommierte Journalist und Buchautor Michael Jürgs, der noch im Juni mit dem Theodor-Wolff-Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde, ist am 4. Juli 2019 in Hamburg verstorben. Für sein Buch „Wer wir waren, wer wir sind. Wie Deutsche ihre Geschichte erleben“, das 2015 im C. Bertelsmann Verlag erschienen ist, hatte er auch Friedrichsruh aufgesucht und mit Prof. Dr. Ulrich Lappenküper, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied der Otto-von-Bismarck-Stiftung, über den ersten deutschen Reichskanzler gesprochen. Wir veröffentlichen sein Porträt des Politikers und zugleich des Ortes mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

Vor der Expedition zu einem einstigen Mythos deutscher Nation musste ich zuerst einmal das Archiv auf meiner Festplatte Gehirn durchforsten. Ich hatte mir Wegzehrung angelesen und im Kopf verstaut. Über Otto von Bismarck neue Erkenntnisse zu verbreiten wäre zwar zum Scheitern verurteilt. Aber Spuren des mal unsterblich Scheinenden müssten sich noch finden lassen draußen im Sachsenwald. Dort gab er den Geist auf. Dort liegt er begraben.

Von Michael Jürgs porträtiert als ein „preußischer Bullerkopf“, der auch „zarte Liebesbriefe“ schrieb: Otto von Bismarck, hier mit seiner Schwiegertochter Marguerite, aufgenommen mutmaßlich 1895 in Friedrichsruh. (© Otto-von-Bismarck-Stiftung)

Sein Leben, das politische und das private, seine Entscheidungen für Krieg oder für Frieden sind in gefühlt tausendundeins Büchern, Magazinen, Dissertationen, Artikeln, Filmen analysiert, beleuchtet, geschildert worden. Sogar die zarten Liebesbriefe, die er an seine Frau Johanna – aber während der Ehe auch an andere Frauen – schrieb, veröffentlicht bereits zwei Jahre nach seinem Tod, gehören zu diesem Allgemeingut. Den Olivenzweig, den ihm eine Angebetete zum Abschied überreichte, bewahrte er bis zum Ende in seiner Tabaksdose auf. Soviel Empfindsamkeit hätten ihm nicht mal seine alle Schwächen übersehenden Verehrer zugetraut. Sie liebten ihn blind für seine andere Seite als preußischen Bullerkopf.

Unter all jenen bekannten großen Deutschen, die bei näherer Betrachtung sämtlich nicht gar so groß erscheinen, wie sie in den Schulbüchern dargestellt werden, war er für die Generation der Groß- und Urgroßväter ein Mythos. Ein Held. Eine Kultfigur. Das Wort „Kult“ im Zusammenhang mit Bismarck würden heutzutage Menschen mit einigermaßen intakten Gehirnzellenschon deshalb nicht mehr verwenden, weil inzwischen sogar irgendwelche Masseure von meist geringem Verstand darunter subsumiert werden. Bei aller berechtigter Kritik am Eisernen Kanzler wäre es gleichfalls posthumer Rufmord, würde man ihn mit Udo Walz, Klaus Wowereit oder Mario Barth in einen Kulttopf werfen.

Wahrlich, ein in preußischer Wolle gefärbter Reaktionär, das war er beileibe. Die beim Hambacher Fest bürgerliche Freiheiten fordernden Demokraten von 1832 oder gar die Revolutionäre von 1848 waren ihm ein rechtes Gräuel: „Nicht auf Preußens Liberalismus sieht Deutschland, sondern auf seine Macht. Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden, sondern durch Eisen und Blut.“ Nach den drei siegreichen Einigungskriegen wurde der Gründer des Deutschen Reiches von der Mehrheit des Volkes vergöttert als ein Reichsschmied, der die Machtverhältnisse im Herzen Europas zugunsten Deutschlands verändert hatte und anschließend als ehrlicher Makler zwischen den Völkern den Frieden wahren konnte.

Weiterlesen

Zu seinem 70. Geburtstag im Jahre 1885 erreichte Otto von Bismarck ein aufsehenerregendes Geschenk: Die chinesische Kaiserin Cixi ließ ihm einen mit Schnitzereien reich verzierten Elefantenzahn zukommen, der auf einer Halterung aus Ebenholz ruht. Dieses besondere Werk ist heute eines der kunsthistorisch bedeutendsten Exponate des Bismarck-Museums.

Zu seinem 70. Geburtstag im Jahre 1885 erreichte Otto von Bismarck ein aufsehenerregendes Geschenk: Die chinesische Kaiserin Cixi ließ ihm einen mit Schnitzereien reich verzierten Elefantenzahn zukommen, der auf einer Halterung aus Ebenholz ruht. Dieses besondere Werk ist heute eines der kunsthistorisch bedeutendsten Exponate des Bismarck-Museums.

Die Vorbereitungen des Besuchs von Vize-Staatspräsident Wang Qishan im Mai 2019 haben der Otto-von-Bismarck-Stiftung die Gelegenheit geboten, genauere Erkundigungen über diesen Elefantenstoßzahn einzuholen. Auf Vermittlung des chinesischen Generalkonsulats in Hamburg erhielt sie die Kurzexpertise eines Historikers, der im Museum der Verbotenen Stadt in Beijing tätig ist.

Weiterlesen

Am 5. Januar lud die Otto-von-Bismarck-Stiftung zu ihrem zu ihrem ersten großen Termin im neuen Jahr. Rund 130 Gäste machten sich auf den Weg in den Sachsenwald und  besuchten den Neujahrsempfang. Wie in jedem Jahr zogen Vorstand, Geschäftsführung und Förderverein Bilanz und präsentierten die Vorhaben für die nächsten zwölf Monate. Musikalisch wurde Veranstaltung umrahmt von einem Streichkonzert des Sachsenwaldgymnasiums Reinbek; auch das eine schöne Tradition. Dass der eigentliche Redner des Abends, Weihbischof em. Dr. Hans-Jochen Jaschke krankheitsbedingt seinen Vortrag absagen musste, war der einzige Wermutstropfen des Abends. Der Stimmung bei den anregenden und wie immer ausgedehnten Gesprächen in der Dauerausstellung tat es jedoch keinen Abbruch. In diesem Sinne wünschen wir allen Freunden des Hauses ein gesundes neues Jahr!

Veranstaltungen

Öffentliche Führung:

Im Bismarck-Museum, das im „Landhaus Friedrichsruh“ beheimatet ist, werden historische Erinnerungsstücke und persönliche Gebrauchsgegenstände Otto von Bismarcks, Darstellungen bedeutsamer Ereignisse und Personen sowie wichtige Schriftstücke gezeigt. Entlang dieser Ausstellungsstücke lässt sich erzählen, welche historische Bedeutung dem ersten Reichskanzler zugeschrieben wurde. Diese Erinnerungskultur wird im Rahmen der Führung vorgestellt und kritisch hinterfragt.

Abbildung: Postkarte aus dem Jahr 1903, die an die Schlacht bei Mars-la-Tour am 16. August 1870 erinnert. (Sammlung der © Otto-von-Bismarck-Stiftung)


Die Teilnehmerzahl ist auf acht Personen begrenzt. Wir bitten daher um Ihre verbindliche Anmeldung unter der Telefonnummer 0 41 04 / 97 71-0 oder per E-Mail an info@bismarck-stiftung.de, bei einem freien Platz erhalten Sie eine Zusage. Bitte beachten Sie in unseren Räumen die aktuellen Hygiene- und Abstandsregeln und tragen Sie einen Mund-Nasen-Schutz. Vielen Dank!
Falls Sie an einem anderen Termin mit einer privaten Gruppe durch die Ausstellungsräume geführt werden möchten, sprechen Sie uns gerne an.

Führung durch das Bismarck-Museum:

Historische Erinnerungsstücke und die vielen Geschenke, die Otto von Bismarck erhielt, vermitteln im Bismarck-Museum Friedrichsruh ein Bild davon, welchen Eindruck der erste Reichskanzler in der persönlichen und kollektiven Erinnerung der Deutschen hinterlassen hat. Diese Erinnerungskultur wird im Rahmen dieser Führung vorgestellt und kritisch hinterfragt.

Mindestteilnehmerzahl: 4 Personen

Abbildung: Historische Postkarte aus dem Archiv der Otto-von-Bismarck-Stiftung „Zur Erinnerung an unseren Bismarck“

Themenführung durch die Dauerausstellung der Otto-von-Bismarck-Stiftung und das Bismarck-Museum:

Sein Name ist untrennbar mit der deutschen Reichsgründung verbunden: Otto von Bismarck gelang es 1871, nach drei „Einigungskriegen“ und vielen geschickten politischen Schachzügen, den Traum der Deutschen, in einer Nation zusammenzuleben, zu verwirklichen. In dieser Themenführung wird an das historische Ereignis, das sich mit der Kaiserproklamation in Versailles öffentlichkeitswirksam manifestierte, mit allen Licht- wie Schattenseiten erinnert.

Begleiteter Rundgang mit Nikolaj Müller-Wusterwitz durch Friedrichsruh und seine historischen Orte. Mit kleiner Pause. Die Gebühr beträgt 10 Euro. Treffpunkt ist das Bismarck-Museum.

Weitere Termine