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Otto von Bismarck liebte Spaziergänge und war oft mit seinen Hunden unterwegs. Nicht selten wurde er von Verehrerinnen und Verehrern für einen Plausch abgepasst, manchmal lag auch ein Fotograf auf der Lauer. Am Internationalen Museumstag (Sonntag, 17. Mai) folgt der Rundgang „Friedrichsruh entdecken“ aber nicht nur seinen Wegen. Besucht werden Orte, die von der lokalen Geschichte erzählen – von der Frühindustrialisierung und den Anfängen des Tourismus bis in die Gegenwart. Heute ist Friedrichsruh ein Ort der Erinnerung an den ersten Reichskanzler und die deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert.

Der dreistündige Rundgang unter der Leitung von Nikolaj Müller-Wusterwitz startet um 15 Uhr im Bismarck-Museum, eingeplant ist eine Pause im Café Vanessa (Eintritt in den Schmetterlingsgarten für diese Pause frei). Die Teilnahme ist kostenlos.


Abb.: „Begrüßung“, Fotografie aus der Reihe „Bismarckbilder aus dem Sachsenwalde“, Verlag der Literarischen Gesellschaft, Leipzig 1892

Unsere Sonderausstellung wechselt von Friedrichsruh nach Schönhausen: „Volkes Stimme! Parlamentarismus und demokratische Kultur im Deutschen Kaiserreich“ erzählt die Geschichte der repräsentativen Demokratie in Deutschland vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Dieser Entwicklungsprozess war von Reformen und Revolutionen geprägt. Das Parlament des Deutschen Kaiserreichs, der Reichstag, nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein: Es war das erste Sprachrohr für „Volkes Stimme“, das von den Regierungen aller Bundesstaaten und der Bevölkerung anerkannt wurde. Obwohl das Kaiserreich von obrigkeitsstaatlichen Strukturen geprägt blieb, nutzte und vergrößerte der Reichstag seine Spielräume.

Das Programm der Ausstellungseröffnung
Begrüßung durch PD Dr. Ulf Morgenstern, Geschäftsführer und Mitglied im Vorstand der Otto-von-Bismarck-Stiftung
Einführung durch den Kurator Dr. Maik Ohnezeit
„Parlamentarismus heute“ – Podiumsdiskussion mit Johannes Kahrs MdB a.D., Vorsitzender des Kuratoriums, und Norbert Brackmann MdB a.D., Vorstandsvorsitzender der Otto-von-Bismarck-Stiftung
Offizielle Vorstellung der neuen Standortleiterin Prof. Dr. Sabine Mangold-Will
Empfang

Die Sonderausstellung ist bis zum 4. Oktober im historischen Speicher zu sehen. Es gelten die Öffnungszeiten des Bismarck-Museums Schönhausen. Der Eintritt ist frei.

Eine Erkundung mit Nikolaj Müller-Wusterwitz.

Frühindustrialisierung, Forstwirtschaft, Tourismus, Immobilienprojekt – der Sachsenwald hat bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ganz unterschiedliche wirtschaftliche Zyklen erlebt. Bei diesem Rundgang werden die Orte erkundet, die mit dieser Geschichte verbunden sind. Besondere Aufmerksamkeit wird dem einstigen Waldbesitzer Otto von Bismarck gelten.

Der Rundgang beginnt am Historischen Bahnhof Friedrichsruh, führt durch den Sachsenwald nach Aumühle und zurück. Dauer: ca. 2,5 Stunden, festes Schuhwerk wird empfohlen. Die Teilnahme ist kostenlos.

Wir nehmen mit dieser Erkundung und zwei weiteren Veranstaltungen am Kultursommer am Kanal teil:

Sonntag, 21. Juni – Sonntag, 2. August
Genius loci – Forstorte im Sachsenwald
Eine Ausstellung mit Fotografien von Harald Lemke

Donnerstag, 2. Juli, 19:30 Uhr
Queen Victoria
Eine Lesung mit Elisa Jakob
Historischer Bahnhof Friedrichsruh


Abb.: Aumühle (bei Friedrichsruh), Lithografie von Wilhelm Heuer (1813 – 1890), © Otto-von-Bismarck-Stiftung

Auch einige persönliche Gegenstände Otto von Bismarcks sind in der Dauerausstellung im Historischen Bahnhof Friedrichsruh zu sehen. Dazu zählt eine Pillenschachtel der Berliner „Apotheke zum König Salomon“, die auf den 28. April 1897 datiert ist.

Bei dieser öffentlichen Führung werden „bittere Pillen“ der Politik Bismarcks aufgezeigt, wie die Unterdrückung der Sozialdemokratie, des politischen Katholizismus und der ethnischen Minderheiten. Hervorgehoben werden allerdings auch seine Erfolge, zu denen die Nationalstaatsgründung und die Einführung der Sozialversicherung zählen. Dabei veranschaulicht die Dauerausstellung, dass die Leistungen und Fehlleistungen des langjährigen preußischen Ministerpräsidenten und ersten Reichskanzlers nur im Kontext der vielfältigen Entwicklungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Deutschland des 19. Jahrhunderts zu verstehen sind.

In dieser Dauerausstellung zu entdecken sind unter anderem Bismarcks Pass für die Reise nach St. Petersburg im Jahr 1859, die goldene Feder, mit der er 1871 den Friedensvertrag mit Frankreich unterzeichnete, Zeugnisse der deutschen Kolonialpolitik und Nippes, der den Bismarck-Mythos veranschaulicht.

Der Eintritt ist frei.

Eine geflügelte Putte mit Pickelhaube, eine andere mit leerem Sektglas und ein finster blickender Kaiser Barbarossa gehören zu den vielen Details, die sich auf dem Ehrenbürgerbrief Berlins für Otto von Bismarck entdecken lassen. Diese Urkunde war 1871 als Auftragsarbeit an Adolph Menzel (1815 – 1905) vergeben worden, der die Gouache auf Pergament voller Anspielungen und nicht ohne Ironie ausführte.

Menzel war seit 1856 Professor der Königlichen Akademie der Künste in Berlin und hatte wiederholt Aufträge des preußischen Königshauses angenommen. Seine Aufmerksamkeit galt allerdings auch politischen und sozialen Themen. 1848 malte er das Gemälde „Aufbahrung der Märzgefallenen“, das als eines der ersten Werke politisch engagierter Malerei in Deutschland gilt. Ebenso wie die Revolution blieb es unvollendet. 1875 schuf er „Das Eisenwalzwerk“, für die Studien hatte er die Königshütte in Oberschlesien besucht.

Dr. Claudia Czok (Geheimes Staatsarchiv Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berlin) wird ihren Vortrag Menzel, Bismarck und den aufschlussreichen und keineswegs zufälligen Details des Ehrenbürgerbriefs widmen. Dieser befindet sich im Besitz der Otto-von-Bismarck-Stiftung und wird als vergrößerte Reproduktion zu sehen sein.

Der Eintritt ist frei.