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Das besondere Exponat

Teller aus Steingut, hergestellt 1914 in Deutschland (Inventar-Nr.: O 1997-0040)

Mit den Kriegserklärungen an das Russische Reich (1. August 1914) und an Frankreich (3. August 1914) wurde auch das Deutsche Reich Teilnehmer an einem militärischen Kräftemessen, das noch mehr als vier Jahre dauern und an dessen Ende der Untergang von vier stolzen Imperien und eines ganzen Zeitalters stehen sollte.

Noch heute sind die Folgen des Ersten Weltkrieges spürbar, jedoch ist vor allem in Deutschland die kollektive Erinnerung daran durch die traumatischen Ereignisse NS-Herrschaft, Holocaust und Zweiter Weltkrieg weitgehend verdrängt worden.

Nach Kriegsbeginn begannen die Porzellanmanufakturen in Deutschland mit der massenhaften Herstellung von patriotischem Geschirr. Solches war auch schon in Friedenszeiten produziert worden, häufig als Erinnerungsstücke an Monarchen oder militärische Einheiten. Zu den genutzten patriotischen Motiven gehörten Porträts Kaiser Wilhelms II. sowie der Herrscher der mit dem Deutschen Reich verbündeten Staaten, aber auch Darstellungen von Staatsmännern wie Otto von Bismarck und von siegreichen Feldherren wie Paul von Hindenburg. Ebenso wurden Szenen mit Soldaten und anderes dargestellt. Insbesondere das von Wilhelm II. mit Kriegsbeginn gestiftete Eiserne Kreuz fand als Dekor vielfach Verwendung auf Tellern und Tassen.

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Großkreuz des Sankt Stephans-Ordens mit Brillanten (Bruststern, Kleinod und Schulterband) aus Silber, Gold, Email, Brillanten, Smaragde und Textil; Maße: Bruststern (93 x 89 x 25 mm), Kleinod (86 x 48 x 13 mm), Schulterband (105 x 850 mm). – Inventar-Nr.: A O 010 a – c / Foto: András Dabasi (Hungarian National Museum)

Zu den zahlreichen in- wie ausländischen Auszeichnungen Otto von Bismarcks gehört auch das Großkreuz mit Brillanten des St. Stephans-Ordens (vollständige Bezeichnung: Königlich Ungarischer Hoher Ritterorden vom Heiligen Stephan, dem Apostolischen König).

Der am 5. Mai 1764 von Kaiserin Maria Theresia gestiftete Orden war die höchste zivile Auszeichnung des Königreichs Ungarn. Der Stiftungstag war gleichzeitig der Tag der Krönung ihres Sohnes Josephs (II.) zum Römischen König. Die Statuten des Ordens sind auf den Tag nach der Krönung Josephs (II.) datiert. Großmeister des Ordens war der ungarische Monarch, Ordensprälat war der Erzbischof von Gran und Ordenskanzler der Kanzler des Königreichs Ungarn.

Verliehen wurde die Auszeichnung an hundert Ordensritter in drei Klassen: Großkreuz (20), Kommandeur (30), Ritter (50). Der 20. August (St. Stephanstag) war der Festtag des Ordens. Mit dessen Verleihung waren ggfs. besondere Privilegien verbunden. Der Orden konnte nur an Adelige verliehen werden. Der ungarische Reichsverweser Miklós Horthy erneuerte den Orden im Jahr 1938, er wurde jedoch nur drei Mal verliehen.

Die Auszeichnung besteht aus dem Bruststern, dem Kleinod sowie dem Schulterband. Der mit Brillanten geschmückte und insgesamt achtundvierzig Strahlen versehene Bruststern besteht in der Mitte aus einem rot emaillierten Medaillon. Auf diesem findet sich das aus Edelsteinen geformte ungarische Wappen. Es handelt sich dabei um das ungarische Doppelkreuz (Patriarchenkreuz), in einer Krone stehend, auf einem grünen Dreiberg (Hügel mit drei Wölbungen). Flankiert wird das Wappen durch die aus Edelsteinen bestehenden Initialen „M“ und „T“ (für Maria Theresia). Das Medaillon ist mit einem Kranz aus weißen Edelsteinen sowie einem doppelten Eichenlaubkranz aus Smaragden umgeben.

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Mitrailleuse aus Bronze, Gusseisen und Holz, hergestellt 1865 in Lyon, Frankreich; Standort: Bismarck-Museum, Friedrichsruh (Inventar-Nr.: A 069)

Text: Angela Krätz

Die Mitrailleuse „Le General Malus“ aus dem Jahr 1865 ist das wohl schwerste Ausstellungsobjekt im Bismarck-Museum. Das gusseiserne Schnellfeuergeschütz war ein Geschenk Wilhelms I. an seinen Kanzler Bismarck, welches er ihm Ende 1872 überreichte. Die Waffe gelangte als Beute aus dem Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) nach Deutschland.

Die Mitrailleuse, in der deutschen Sprache auch „Kugelspritze“ genannt, ist auf eine ursprünglich belgische Entwicklung zurückzuführen und der Gattung der Orgelgeschütze zuzuordnen. Die vielläufige Kanone ist in ihrer äußeren Form, von seitlicher Ansicht, kaum von einem normalen Geschütz zu unterscheiden. Das Objekt besteht aus einem bronzenen Geschützrohr, das auf einer Holzkonstruktion mit zwei großen Rädern befestigt ist (Lafette). Innerhalb des Rohres befindet sich ein gusseiserner Block, der in fünf Lagen jeweils fünf Bohrungen aufweist. Jede dieser Bohrungen ist in ihrer Art mit dem Kugellauf eines normalen Infanteriegewehrs vergleichbar. Der besondere waffentechnische Fortschritt der Mitrailleuse bestand folglich in der Tatsache, dass sie die Kraft von 25 einzelnen Gewehrschüssen in sich vereinte. Durch seitliches Kurbeln konnten die Läufe in kürzester Zeit nacheinander abgefeuert werden. Somit gilt die Mitrailleuse als Vorläufer des modernen Maschinengewehrs. Die Entwicklung wurde 1867 von Kaiser Napoleon III. in der französischen Armee eingeführt.[1]

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