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Das besondere Exponat

Text: Christian Wächter

Knapp 9.000 Kilometer trennen Deutschland von der wunderschönen kleinen Insel Miyako-jima, im Ostchinesischen Meer –  deutlich näher zu Taiwan gelegen als an das eigene japanische Mutterland. Wer das Glück hat, einmal das subtropisch-tropische Eiland der Präfektur Okinawa zu besuchen, wird sich nicht nur an den puderzuckerweißen Stränden, den bunten Korallenriffen oder der exotisch anmutenden Vegetation erfreuen. Man wird auch nicht schlecht staunen, wenn man im Hafen der Ortschaft Hirara plötzlich vor einer Gedenkstele Kaiser Wilhelms I. steht, oder bei Ueno eine mittelalterliche Burg sowie Fachwerkhäuser inmitten des Themenparks „Deutsches Kulturdorf Ueno“ erblickt – genau an der Gerhard-Schröder-Straße.

Womit haben wir es hier also genau zu tun? Und warum lassen sich ausgerechnet auf dieser kleinen pazifischen Insel Bezüge zu Deutschland finden, die vom Kaiserreich bis in die Berliner Republik reichen?

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Foto: Bronzeminiatur, 2. Hälfte 19. Jahrhundert, Hersteller unbekannt

Die Miniaturstatuette ist ein Geschenk Kaiser Wilhelms I. an Otto von Bismarck. Ursprünglich ist die Säule als ein Denkmal anlässlich des preußischen Sieges im deutsch-dänischen Krieg 1864 geplant. Der aufwendige Bauvorgang ab 1869 ist der Grund, warum die Säule auch Zeugnis für den Sieg gegen Österreich 1866 und Frankreich 1870/71 werden soll.

Wilhelm I. hat selbst großen Anteil am Denkmalsentwurf. Er bestimmt auch den Standort. Die Berliner Siegessäule steht seit ihrer Enthüllung am 2. September 1873 für 65 Jahre auf dem Königsplatz, einem ehemaligen Exerzierplatz der Berliner Regimenter. Dieser Platz gewinnt zunehmend an politischer Bedeutung im Kaiserreich: Nach und nach wird er Ort des Reichstags (1894), des monumentalen Bismarckdenkmals (1902), der Statuen Generalfeldmarschall Helmut von Moltkes und Kriegsminister Albrecht von Roons (1904). Schließlich kommt die Siegesallee hinzu mit den 32 Statuen wichtiger Regenten Brandenburg-Preußens.

Der Königsplatz verändert sein Gesicht in der Zeit des Nationalsozialismus. Im Zuge der Umbaupläne Berlins lässt Albert Speer die Siegessäule an ihren heutigen Platz auf dem großen Stern in den Tiergarten bringen, ebenso die Denkmäler Roons, Moltkes und Bismarcks. Damit die Siegessäule dort ebenso zur Geltung kam, werden der Sockel erhöht und die drei Geschosse der Säule, wie sie die Miniatur zeigt, um ein viertes, kanonenloses ergänzt.

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Text: Christian Wächter. Der spätere Reichskanzler fiel den akademischen Autoritäten Göttingens nicht gerade als ein mustergültiger Studiosus auf. Sein Benehmen führte rasch zur Bekanntschaft mit dem Karzer, dem universitätseigenen Gefängnis. Doch nicht nur ein Blick auf den eher unsteten Lebensstil zu seiner Studentenzeit lohnt sich, auch der später das gesamte […]