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Das besondere Exponat

Text: Thilko Carstens

Geht man durch das Bismarck-Museum in Friedrichsruh, fällt im zweiten Raum der Blick auf eine Soldatenstatuette, die Bismarck von den Offizieren seines ehemaligen Bataillons zum 80. Geburtstag geschenkt bekam. Wenig ist bisher über seine Soldatenzeit bekannt.

Fast alle Biographen schweigen sich über seine Militärzeit aus oder erwähnen sie nur sehr kurz. Der Grund dafür liegt an dem Mangel an Quellen über diese Zeit. Doch was weiß man über den Soldaten Otto von Bismarck?

Im Jahr 1838 brach Otto von Bismarck, von seinen Eltern für eine Beamtenlaufbahn vorgesehen, sein Referendariat ab und trat in das Garde-Jäger-Bataillon in Potsdam ein. Dies tat er jedoch nicht freiwillig, denn er musste noch den obligatorischen Wehrdienst ableisten. Hierzu hatte er sich als sogenannter „Einjährig-Freiwilliger“ gemeldet. Diese Möglichkeit gab es in Preußen seit 1813. Wehrpflichtige mit einem höheren Schulabschluss konnten statt des zwei- bis dreijährigen einen verkürzten Wehrdienst leisten. Nach dem Ableisten dieses Jahres wurden die „Einjährig-Freiwilligen“ meistens Reserveoffiziere. Da sie sich in ihrer Dienstzeit jedoch selbst einkleiden und versorgen mussten, konnten es sich nur Söhne wohlhabender Familien leisten. Der Dienst musste zwischen dem 17. und 25. Lebensjahr absolviert werden.[1]

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Karikatur „Bismarck Redivivus“, aus „The Denver Republican“ vom 10.05.1891, Autor: unbekannt (Kürzel: B. C.), Papier; Maße: Blatt 143: Höhe 23,7 cm, Breite 18,5 cm; Zustand: leichte Gebrauchsspuren; sonst gut erhalten; Otto-von-Bismarck-Stiftung, Friedrichsruh, A 47, Bl. 143

Die politische Laufbahn Otto von Bismarcks schien mit seinem unfreiwilligen Entlassungsgesuch und der Annahme desselben durch Wilhelm II. am 20. März 1890[1] eigentlich beendet. 28 Jahre lang hatte der „Reichsgründer“ seine Machtposition an der Spitze – erst Preußens und später des Deutsches Kaiserreiches – behaupten können, musste sich dem jungen Kaiser im Kampf um diese jedoch geschlagen geben.[2]

Bismarck zog sich endgültig nach Friedrichsruh zurück, kommentierte und kritisierte – vor allem – über die ihm eine Plattform bietende Zeitung „Hamburger Nachrichten“ die Politik der Reichsregierung und blieb auch durch anderweitige Tätigkeiten, wie beispielsweise dem Halten von diversen Reden, im Blickfeld der Öffentlichkeit.[3] Die Popularität des ehemaligen Reichskanzlers war ungebrochen und wuchs sogar noch weiter, was seine früheren Widersacher – besonders Wilhelm II. – beunruhigte. Zu dieser Nervosität trug auch die Wahl Otto von Bismarcks zum Reichstagsabgeordneten Ende April 1891 bei. Obwohl er es zur Bedingung machte, bei einem möglichen Wahlsieg nicht im Reichstag erscheinen zu müssen, war die Furcht vor genau diesem Fall in der Regierung enorm[4].

Dass Bismarck trotz seiner Entlassung nicht nur im deutschen Kaiserreich präsent war, sondern auch international weiterhin ein Thema blieb, zeigt die Karikatur „Bismarck Redivivus“ der amerikanischen Zeitung „The Denver Republican“. Ein Leser des Blattes hatte die Karikatur ausgeschnitten und an den „Reichsgründer“ geschickt, um ihm die angeblich in seinem Umfeld vorherrschende Meinung über Kaiser und Kanzler zu verdeutlichen. Da jedoch nur die Karikatur ohne den dazugehörigen Artikel vorliegt, kann über das Motiv der Veröffentlichung am 10. Mai 1891 nur spekuliert werden. Die Entscheidung zur Wahl Bismarcks in den Reichstag fiel am 30. April 1891[5] und kann daher als wahrscheinlicher Grund gelten.

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Gedicht „Fürst Bismarck“ (Inventarnummer? 61 + 62), undatiert, Autor: Richard von Volkmann (-Leander); Material: Papier; Umfang: 4 Seiten (2 Blatt); Maße: Blatt 61: Höhe 29,8 cm, Breite 23,3 cm; Blatt 62: Identisch; Zustand: Gebrauchsspuren, Ränder leicht beschädigt; sonst gut; Ort: Otto-von-Bismarck-Stiftung Friedrichsruh, A 46, Bl. 61 + 62

Auf den ersten Blick sind die Verse scheinbar nur durch den kunstvoll gedruckten Rahmen und die prachtvolle Gestaltung der Initiale von den anderen Dichtungen zu unterscheiden. Denn Gedichte zu Ehren Otto von Bismarcks gibt es unzählige.

So widmete beispielsweise der „Kladderadatsch“ dem „besten Deutschen“ schon 1894 einen Band mit einer Sammlung aller bis zu diesem Zeitpunkt in der Zeitschrift erschienenen Gedichte über Bismarck.[1]

In dem hier vorliegenden lyrischen Werk – Fürst Bismarck. – schildert uns der Autor in 18 Strophen eindrücklich die erst durch Bismarck ermöglichte Reichseinigung anhand der „Germania“, der Personifikation Deutschlands. Diese wird von dem „Gottgesandten“ Otto von Bismarck zu neuer Stärke geführt, woraufhin sie schließlich dem „Helden“ Wilhelm die Kaiserkrone überreichen kann. Doch auch diese Darstellung ist kein Alleinstellungsmerkmal und in ähnlicher Form in anderen Gedichten zu finden. Unterschrieben ist das Gedicht mit dem Namen „Richard von Volkmann-Leander“. Wer aber war dieser Mann?

Aus dem Begleitschreiben des Gedichts, verfasst von seiner Frau Anna von Volkmann (geb. v. Schlechtendal) am 5. März 1891, geht hervor, dass der Name ihres Mannes dem Fürsten Otto von Bismarck möglicherweise nicht unbekannt geblieben sei. Allerdings nicht in Verbindung mit Poesie, sondern mit Chirurgie. Nach einem Blick in den Artikel über Richard von Volkmann in der „Deutschen Biographie“[2] wird klar, dass er einer der renommiertesten Chirurgen des 19. Jahrhunderts gewesen ist. So war er ab März 1867 als ordentlicher Professor an der chirurgischen Universitätsklinik in Halle tätig und wurde zu diesem Zeitpunkt auch dessen Direktor. Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen und der Einsatz, beziehungsweise die Verbreitung der „listerschen Methode“[3] trugen maßgeblichen Anteil an seinem Weltruf als für die Medizin – speziell für die Orthopädie – wegweisenden Chirurgen.[4]

Die zweite Begabung des Richard von Volkmann-Leander war die Dichtkunst, welcher er schon als Student nachging. Die Veröffentlichung „Lieder aus der Burschenzeit“ ist zum Beispiel ein Resultat aus dieser Frühphase seines Schaffens.[5]

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