„Gartenfest für Vertreter der Ausländischen Presse beim Reichskanzler Dr. [Gustav] Stresemann. Der Reichskanzler inmitten ausländischer Journalisten.“ September 1923 (Bundesarchiv, Bild 102-00169 / CC-BY-SA 3.0)
Vor 100 Jahren, am 13. August 1923, wurde Gustav Stresemann (1878 – 1929) zum Reichskanzler und Außenminister der Weimarer Republik ernannt: ein Rückblick auf die Stresemann-Rezeption in der Bundesrepublik Deutschland seit 1949
Sie waren fast gleichaltrig, konnten sich auf drei Sprachen miteinander verständigen – Deutsch, Englisch und Französisch – und zählten zu den Persönlichkeiten, die Europa im 19. Jahrhundert prägten: die britische Königin Victoria (1819 – 1901) und Otto von Bismarck (1815 – 1898). Im Bismarck-Museum Friedrichsruh ist das großformatige Porträt der Monarchin zu sehen, das sie 1889 dem deutschen Reichskanzler schenkte.
Das Geschenk traf nach einer bewegten Phase der deutsch-britischen Beziehungen ein. Obwohl Großbritannien sich im 19. Jahrhundert in Friedenszeiten traditionell nicht vertraglich an einen Partner gebunden habe, wie in der Dissertation über „Deutsch-Britische Optionen“ von Jörg Femers nachzulesen ist, habe Bismarck der britischen Regierung in einer „informatorischen Voranfrage“ am 11. Januar 1889 ein zeitlich befristetes Bündnisabkommen vorgeschlagen. Vorgesehen gewesen sei ein gegenseitiger militärischer Beistand im Fall eines französischen Angriffs. Das Abkommen sollte im britischen Parlament ratifiziert, dem Reichstag aber nur bekanntgegeben werden. Premierminister Lord Robert Arthur Salisbury (1830 – 1903) habe auf dieses Angebot nicht geantwortet, weil es für Großbritannien nicht attraktiv gewesen sei, erläutert Femers, da sich Deutschland damit nicht von Russland distanziert hätte. – Mit dem Zarenreich konkurrierte Großbritannien seit dem Krimkrieg von 1853 – 1856 in der Balkanregion und in Zentralasien um Einflusssphären. Zugleich nahm es im Bündnissystem des Deutschen Reichs einen zentralen Platz ein. Das Interesse an Russland war also höchst gegensätzlich.
In Hamburg und Berlin steht Otto von Bismarck im Mittelpunkt dreier Ausstellungen, die sich ihm und ihm gewidmeten Denkmälern künstlerisch nähern – „Bismarck-Streit“ in der Zitadelle Spandau, „Bismarck neu denken“ im Museum für Hamburgische Geschichte und „When Platitudes Become Form“ in der Berlinischen Galerie. Konzipiert wurden sie als visuelle Beiträge zu den aktuellen Debatten in Öffentlichkeit und Wissenschaft über die Kolonialpolitik des Deutschen Kaiserreichs und insbesondere über die Verantwortung, die dem ersten Reichskanzler dabei zukommt.
Die Eintrittskarten für das Bismarck-Mausoleum sind im Museum erhältlich – und so startete die Sonderführung dort mit einer ersten inhaltlichen Orientierung über Leben und Sterben Bismarcks in Friedrichsruh.
Für viele ist es zu einem ebenso interessanten wie entspannten Tag im Sachsenwald geworden: Zahlreiche Gäste besuchten alle drei Veranstaltungen, die die Otto-von-Bismarck-Stiftung zum 125. Todestag des ersten Reichskanzlers anbot. Die Pausen wurden im Wald verbracht, mit einem Picknick oder in einem der Restaurants in der Nähe.
„Kanzlerliebe: Einer nach dem Anderen! Von den artigen Kindern kommt Jedes an die Reihe“ (1882) und „Krieg und Frieden“ (1879), in: Bismarck-Album des Kladderadatsch 1849 – 1898, Berlin 1910 (29. Auflage)
„Gefühle sind nicht erst heute der Treibstoff, um politische Interessen zu befördern und Massen für eigene Zwecke zu instrumentalisieren. Die wahre Staatskunst besteht indes darin, gefühlspolitische Botschaften zum Mittel vernunftgeleiteter Politik zu machen. Auch in dieser Hinsicht könnte Wladimir Putin einiges von Otto von Bismarck lernen.“ So beginnt die Historikerin und Direktorin des Forschungsbereiches „Geschichte der Gefühle“ am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, Ute Frevert, einen jüngst in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlichten Artikel. Wie stichhaltig sind diese Betrachtungen über Bismarcks Gefühlspolitik?
Otto von Bismarck und sein Arzt Ernst Schweninger im Hof der Oberen Saline, undatierte Fotografie von Jacques Pilartz.
Nervöse Unruhe, Nervenschmerzen im Gesicht und massives Übergewicht ließen Otto von Bismarck jedes Jahr nach Erholung suchen. Reiste er nicht nach Hause – auf sein Gut in Varzin oder nach Friedrichsruh –, besuchte er einen Kurort. Am 4. Juli 1874 traf er zum ersten Mal in Kissingen ein (damals noch ohne „Bad“). Er wurde dort zum häufigen und (meist) gerne gesehenen Kurgast, dem im Laufe der folgenden Jahre vielerlei Ehrungen zuteilwurden. „Otto von Bismarck und der Ehrenbürgerbrief des ‚Weltbades“ Kissingen“ stehen nun im Mittelpunkt des zehnten Bandes der Bad Kissinger Museums-Informationen, der pünktlich zum 25. Jubiläum des Bismarck-Museums in der Oberen Saline erschienen ist.
Das Bismarck-Denkmal im Alten Elbpark in Hamburg wurde in den vergangenen Monaten sandgestrahlt und in seiner Standfestigkeit gesichert. Finanziert wurde die Sanierung von Bund und Stadt. (Foto: Natalie Wohlleben)
Die Begeisterung in Teilen der Öffentlichkeit für den ersten Reichskanzler und seine geschickte Selbstinszenierung ließen den Bismarck-Mythos entstehen. Der Podcaster Tobias Jakobi spricht in der Reihe „Geschichte Europas“ mit Dr. Ulf Morgenstern, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Otto-von-Bismarck-Stiftung, über dieses politische Phänomen und seine Nachwirkungen. Anlass ist der 125. Todestag Otto von Bismarcks am 30. Juli 2023.
Gegen die Ungleichbehandlung der Frauen formierte sich im Deutschen Kaiserreich politischer Widerstand. Die Historikerin Dr. Anne-Laure Briatte stellt in ihrem Vortrag den Kampf gegen die rechtliche Diskriminierung sowie die fehlenden Bildungsmöglichkeiten für Mädchen und Frauen in den Mittelpunkt. Ihnen wurde bis über die Jahrhundertwende hinaus meist der Zugang zu höherer Schulbildung, Berufsausbildung und Studium verwehrt, sodass sie – sofern sie sich nicht durch ein Erbe oder eine Heirat wirtschaftlich absichern konnten – in großer Mehrheit als Ungelernte schlecht bezahlt arbeiten mussten.
Der Vortrag „Der imperiale Irrweg in der russischen Geschichte“ von Prof. Dr. Martin Schulze Wessel im Historischen Bahnhof Friedrichsruh wurde mit großem Interesse aufgenommen.
Bei sommerlicher Hitze lockte am vergangenen Sonntag nicht nur der etwas kühlere Sachsenwald nach Friedrichsruh. Wir hatten am Nachmittag zu einem Sommerempfang mit Vortrag in und vor den Historischen Bahnhof eingeladen und freuten uns, knapp 90 Gäste begrüßen zu können.
In der Presse spiegelte sich die zeitgenössische Kritik am deutschen und europäischen Eigennutz der Berliner Afrika-Konferenz. „Unser Stolz. Wie stehen wir nun in der Welt da?“, Karikatur zur „Congo-Konferenz“, 1884, in: Kladderadatsch, Bismarck-Album, S. 162 (l.), „A chacun sa part, si l’on est bien sage“ (Jedem sein Teil, wenn er brav ist), in: L’illustration, Januar 1885.
Die Berliner Afrika-Konferenz 1884/85 sei ein „Mosaikstein“ auf dem langen Weg gewesen, den die europäischen Mächte beim Aufbau ihrer Kolonialreiche verfolgt hätten. Allerdings sei fraglich, wie einflussreich diese Konferenz auf die konkrete Politik der Teilnehmerländer tatsächlich gewesen sei. Ihre große Bedeutung aber liege in ihrem Symbolcharakter: Sie stehe für die willkürliche Aufteilung Afrikas. Mit diesem knappen Überblick fasste der Historiker Stig Förster in der Abschlussrunde der Tagung „Die Berliner Afrika-Konferenz 1884/85: Impulse zu einem umstrittenen globalen Ereignis“ den diskutierten Forschungsstand knapp zusammen.
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