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Exponate aus dem Bismarck-Museum Schönhausen sind in den kommenden Wochen in der Zitadelle Spandau zu sehen. (Foto: privat)

„Bismarck-Streit: Kultfigur und Denkmalsturz in einer interaktiven Ausstellung“ heißt die Sonderschau des Stadtgeschichtliche Museums in der Zitadelle Spandau. Bis zum 1. April 2024 sind dort – neben künstlerischen Arbeiten von Márcio Carvalho und georgia Krawiec sowie den Künstlergruppen „Monumental Shadows“ und „Projektion Bismarck“ – auch zahlreiche Exponate aus dem Schönhauser Bismarck-Museum zu sehen.

Die abwechslungsreiche Ausstellung zeigt die Auseinandersetzung mit dem ersten deutschen Reichskanzler früher und heute und lädt zu eigenen kreativen Interventionen ein. Während sich der zeitgenössische Kult um ihn in den Schönhauser Objekten spiegelt, zeugen die Arbeiten der genannten Künstlerinnen und Künstler von der gegenwärtigen Kontroverse um Otto von Bismarck.

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Liberale und demokratische Politiker und Intellektuelle, die eine Revolution vorbereiteten, Bauern, die sich von der Last des Feudalismus befreien wollten – für einen kurzen historischen Augenblick schien es 1848 möglich, mit vereinten oppositionellen Kräften die Macht der Fürsten und Könige in den deutschen Ländern konstitutionell einzuhegen und einen freiheitlichen, nationalen Verfassungsstaat zu gründen. Prof. Dr. Christian Jansen (Universität Trier) zeigt in seinem Vortrag, an welchen Widersprüchen die Revolutionen 1848/49 trotz erster Erfolge dann doch scheiterten. Deutlich wird aber auch, welche langfristigen Folgen vor allem die Debatten in der ersten gesamtdeutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche und die – nie in Kraft getretene – Verfassung für die weitere politische Entwicklung in Deutschland haben sollten. Zu den zentralen Stichworten gehören der aufkommende Nationalismus, das unheilvolle Streben nach einer machtvollen Größe eines Deutschen Reichs einschließlich der Erwerbung von Kolonien, aber auch die Emanzipation der Juden und das allgemeine Männerwahlrecht.

Das Vortragsvideo ist auf dem YouTube-Kanal „Otto-von-Bismarck-Stiftung Friedrichsruh“ zu sehen.

The Elephant in the Room (Otto von Bismarck), Installation von Julius von Bismarck, 2023 ( Foto: Natalie Wohlleben)

Die Pickelhaube sitzt fest auf dem Kopf, aber der Torso hat sich zweigeteilt und das Pferd scheint sich angesichts dieser Dekonstruktion überrascht umzublicken. Der Künstler Julius von Bismarck kommentiert in der Berlinischen Galerie, dem Museum für moderne Kunst in Berlin-Kreuzberg, mit Leichtigkeit und Witz die aktuellen Debatten über die Zukunft der Denkmäler seines Urururgroßonkels Otto von Bismarck: Das zusammengesunkene Reiterstandbild, dem Bremer Denkmal aus Holz nachempfunden, richtet sich wieder auf, scheint intakt – und fällt wieder in sich zusammen.

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