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Die Arbeiten am Bismarck-Denkmal in Hamburg haben begonnen, der Sockel ist bereits eingerüstet.

Mit der Reinigung hat die Sanierung begonnen. Seit einigen Jahren wird die Instandsetzung eines der größten Denkmäler in Deutschland vorbereitet, nun geht es los. Seit 1906 steht eine Rolandfigur Bismarcks mit Blick auf die Elbe zwischen Michel und Heiliggeistfeld in Hamburg. Trotz solider Bauweise ist das Denkmal inzwischen so sehr in die Jahre gekommen, dass es grundlegend saniert werden muss. Dazu haben sich die Stadt Hamburg und der Bund entschlossen, auch wenn das zu rettende Objekt nicht unumstritten ist.

Die martialische Erscheinung, die unguten, wenn auch gelegentlich etwas ungenauen historischen Assoziationen, der längst verblasste Imperialismus des späten Kaiserreichs, all das hat zu einer gewissen Entfremdung zwischen einem Teil der Hamburger und der von ihren Vorfahren gestifteten Riesenfigur geführt. Über Jahrzehnte hat man sie von Bäumen und Sträuchern einwachsen lassen und lebte ganz gut mit ihrer „Renaturierung“. Für andere Hamburger gehört das Denkmal aber bis heute zur historischen Identität der Stadt – unabhängig von heutigen Distanzierungen gegenüber dem Bismarck-Kult und dem Streben nach Weltgeltung in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg.

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Unser Kalender zeigt für den April den Druck „Die Kapitulation von Sedan. Die Verhandlungen in Donchery vom 1. zum 2. September 1870“, nach einer Farbskizze Anton von Werners (um 1895), Archiv der Otto-von-Bismarck-Stiftung, Inventar-Nr.: ZSg 689.

Nach dem Sieg der deutschen Truppen in der größten Schlacht dieses Krieges bei Gravelotte am 18. August 1870 zogen sich starke französische Verbände in die Festung Metz zurück. Zwei französische Armeen scheiterten nahe der Grenze zu Belgien mit dem Versuch, die Eingeschlossenen zu entsetzen. Der 3. und der 4. Armee gelang es in der Folge, rund 130.000 auf Metz vorrückende französische Soldaten bei Sedan einzukesseln. Die Schlacht von Sedan am 1./2. September 1870 endete mit einer vollständigen Niederlage der Franzosen.

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Am 29. März 1890 veröffentlichte die Londoner Satirezeitschrift „Punch“ die wohl international bekannteste Bismarck-Karikatur: „Dropping the pilot“. John Tenniel (1820 – 1914) popularisierte damit eine Bildsprache, die bis heute lebendig ist. Die sprichwörtlich gewordene deutsche Übersetzung „Der Lotse geht von Bord“ trifft allerdings weder die Aussage des Zeichners noch das historische Geschehen auf den Punkt. Es ist zu vermuten, dass die „preußische Zensur damals bei der Übersetzung leise die Feder mitgeführt haben“1 könnte.

Kaiser Wilhelm II. ist als scheinbar passiver Beobachter zu sehen, der an der Reling lehnt und entspannt den Abgang Otto von Bismarck beobachtet. John Tenniel dürfte den scheidenden Kanzler dabei aber tatsächlich weniger als Lotsen gesehen haben denn als Steuermann (wie „pilot“ auch übersetzt werden kann), der das „Staatsschiff“ verlassen muss2 – „dropping“ kann allgemein durchaus mit „fallenlassen“ übersetzt werden, in der Fachsprache der Seefahrt lässt man damit jemanden von Bord gehen.

Der erste deutsche Reichskanzler hatte am 18. März 1890 sein Rücktrittsgesuch schließlich nur unwillig eingereicht. Zweimal war er dazu von Kaiser Wilhelm II. aufgefordert worden, und zwar aus vielfältigen Gründen: Zum einen lehnte er den repressiven Kurs des Reichskanzlers gegenüber der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung ab. Zum anderen empfand er dessen Versuch, sämtliche Kommunikation der Minister mit ihm zu kontrollieren, als inakzeptabel. Bismarck, der nach den Ergebnissen der Reichstagswahl im Februar 1890 zudem keine Mehrheiten mehr für die Unterstützung seiner Politik finden konnte, musste sich schließlich geschlagen geben. Sein Rücktritt stand dennoch nicht für eine politische Richtungsentscheidung, wie Lothar Gall in seiner Bismarck-Biografie schreibt: Bei dessen „Sturz ging es von Seiten derer, die ihn stürzten, in Wahrheit um keine Zukunft, um keine vorwärtsweisende Alternative, sondern fast ausschließlich um das, woran sich auch der alternde Kanzler so sehr klammerte: um die Macht als solche und nicht zuletzt um ihren äußeren Schein und ihre Insignien.“3

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