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Unser Wandkalender zeigt in diesem Jahr das historische Friedrichsruh. Im Mai ist der kolorierte Druck „Friedrichsruh im Sachsenwald um 1850“ nach einer Lithographie von Wilhelm Heuer zu sehen.

Der renommierte Hamburger Lithograph Wilhelm Heuer (1813 – 1890) schuf Mitte des 19. Jahrhunderts diese Ansicht eines sehr belebten und modernen Friedrichsruhs – von rechts fährt gerade die Eisenbahn ins Bild. Im Mittelpunkt steht das Hotel-Restaurant „Frascati“. Zu jenem Zeitpunkt wies es bereits eine bemerkenswerte Geschichte auf. Sie begann einige Jahre zuvor im nahegelegenen, heute zu Hamburg gehörenden Bergedorf.

Diese zweite Friedrichsruher Lithografie von Wilhelm Heuer zeigt den Blick von Norden auf die gestaute Schwarze Au und den Ort, im Hintergrund sind die Eisenbahn und der Schneckenberg zu sehen. Letzterer war als Aussichtspunkt angelegt.

1842 nahm die Hamburg-Bergedorfer Eisenbahn ihren Betrieb auf und avancierte schnell zum Publikumsliebling. An der Endhaltestelle etablierten sich drei Ausflugslokale mit – wie es damals Mode war – italienisch klingenden Namen. Ihnen war allerdings nur ein kurzer Erfolg beschieden, denn entgegen der ursprünglichen Planung wurde die Fortsetzung der Bahnverbindung nach Berlin auf einer Trasse gebaut, die weiter nördlich verlief. Der Bergedorfer Bahnhof verlor seine Bedeutung. Der Hamburger Gastronom Heinrich-August Specht (1813 – 1900) zögerte nicht lange und versetzte von dort das Holzhaus, das das Lokal „Frascati“ beherbergte, nach Friedrichsruh und eröffnete pünktlich zum 1. Januar 1847 – zeitgleich nahm die Berlin-Hamburger Eisenbahn-Gesellschaft den Zugverkehr auf. Der kleine Ort im Sachsenwald, der zuvor schon ein Ausflugsziel gewesen war, lag nun verkehrsgünstig mit einem eigenen Bahnhof ausgestattet an der neuen Bahnlinie.

Er gab dem Ort seinem Namen: Graf Friedrich zur Lippe-Biesterfeld (1706 – 1781). Das Porträt von Johann Anton Tischbein (1720 – 1784) ist im Bismarck-Museum zu sehen (Leihgabe der Stiftung Historische Museen Hamburg – Museum für Hamburgische Geschichte)

Das Friedrichsruher „Frascati“ wurde ein florierendes Ausflugsziel, das allerdings schon bald abbrannte. Gastronom Specht aber wusste sich zu helfen und gründete eine Aktiengesellschaft. Mit dem durch den Aktienverkauf eingenommenen Geld baute er das „Frascati“ solide in Stein als Hotel-Restaurant wieder auf. Nach der Reichsgründung 1871 zog er dann einen besonderen Gast an: Otto von Bismarck, der den Sachsenwald von Kaiser Wilhelm I. als Geschenk erhalten hatte und nach einem angemessenen Wohnsitz suchte (zur weiteren Geschichte des „Frascati“ siehe unser Kalenderblatt: Das Wohnhaus Otto von Bismarcks in Friedrichsruh, 1884).

Neben dem „Frascati“ und der Eisenbahn bildete Heuer auch das alte Jagdhaus ab, das bald abgebrochen werden sollte. Es gehörte einst Graf Friedrich zur Lippe-Biesterfeld (1706 – 1781). Der verwitwete Graf war von den hannoverschen Welfen als Statthalter im Herzogtum Lauenburg eingesetzt worden und hatte sich mitten im Sachsenwald dort niedergelassen, wo das Flüsschen Schwarze Au überquert werden konnte. Dazu hatte er im August 1763 zunächst das alte Forsthaus gemietet und drei Jahre später gekauft und ausbauen lassen. Seinen neuen Wohnsitz, den er fernab jeglicher Hektik sehr schätzte, bezeichnete er in Briefen als „Friedrichs-Ruhe“. Dieser Name sollte dem Ort erhalten bleiben.

Das Leben von Graf Friedrich zur Lippe-Biesterfeld in Friedrichsruh wird geschildert in dem Band von Otto Prueß: Aumühle. Geschichtliches über Aumühle, Friedrichsruh und den Sachsenwald, Schwarzenbek 2002.

Vielen Dank an Nikolaj Müller-Wusterwitz für die Hinweise zur Geschichte des Hotel-Restaurants „Frascati“. Die Geschichte Friedrichsruhs lässt sich zweimal jährlich ausführlich bei einem Rundgang mit ihm entdecken. Wir kündigen die Termine in unserem Veranstaltungskalender an.

Zuvor erschienen: Kalenderblatt: Alter Pferdestall