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Unser Wandkalender zeigt in diesem Jahr das historische Friedrichsruh. Im April ist der alte Pferdestall zu sehen, der zum Anwesen Otto von Bismarcks gehörte. Die Fotografie wurde um 1900 von der Wilhelm Hoffmann AG, Dresden, aufgenommen.

Schlachtross, Ackergaul oder Transportmittel – über Jahrhunderte hatte sich das Pferd für den Menschen vor allem nützlich zu machen. Auch im Sachsenwald wurde es zur Arbeit eingesetzt. Aber es verhalf Erholungssuchenden auch zur Anreise nach Friedrichsruh. Dort lockten schon im 18. Jahrhundert ein Wirtshaus und ein Badehaus, um sich im Wasser der Schwarzen Au die Beine zu vertreten. Zum Hotel-Restaurant „Frascati“, das dort 1847 eröffnete, gehörte daher bald ein Stall, um Pferde und Kutschen der Gäste unterzubringen.

Otto von Bismarck, Fotografie aus dem Jahr 1890, aufgenommen in Friedrichsruh von Strumper & Co., Hamburg.

1871 kaufte Bismarck das „Frascati“ einschließlich des Stalls. Für seine Fahrten nach Berlin nutzte er zwar die Eisenbahn, die für ihn an seiner Gartenpforte hielt. Aber für seine Mobilität rund um Friedrichsruh gehörten seine Pferde zum Alltag. Das Kalenderfoto zeigt den Stall im baulich unveränderten Zustand um das Jahr 1900. Die Aufnahme gehört zu einer Bilderserie, die die Wilhelm Hoffmann AG aufgenommen hat.

1904/05 ließ Bismarcks Sohn Herbert das ehemalige „Frascati“ zum „Fürstensitz“ umgestalten. Der Pferdestall wurde abgerissen und etwas weiter nördlich der neue Marstall gebaut – so die Bezeichnung für den Pferdestall eines Fürsten. Eingeplant wurde nicht nur Platz für Pferde, Wagen und Schlitten, geschaffen wurden auch Wohnungen für den Stallmeister und weitere Bedienstete. Herbert von Bismarck sollte die Fertigstellung allerdings nicht mehr erleben, denn er verstarb bereits im September 1904.

Laut Beschriftung eine „Original-Momentaufnahme, Verlag D. Literar. Gesellschaft (Kunstabth.) Leipzig 1892“, erschienen als Teil der Sammlung „Bismarckbilder aus dem Sachsenwald“.

Mit der Motorisierung verlor der Marstall mehr und mehr seine ursprüngliche Bedeutung. Von 1933 bis 1945 beherbergte er in einigen Räumen das erste Bismarck-Museum in Friedrichsruh, das allerdings kriegsbedingt 1943 für Besucher schließen musste. Die Objekte wurden dort weiterhin aufbewahrt und sind seit 1950 im heutigen Bismarck-Museum auf der anderen Straßenseite zu sehen. Im Marstall wurde nach dem Zweiten Weltkrieg auch das Flüchtlingshilfswerk von Ann-Mari von Bismarck untergebracht. Es folgte wieder eine Wohnnutzung, außerdem zogen Archiv und Bibliothek ein. In diesen Räumen nahm 1996 die neu gegründete Otto-von-Bismarck-Stiftung ihre Arbeit auf. Das Gebäude befindet sich weiterhin im Privatbesitz der Familie von Bismarck und wurde 1990 unter Denkmalschutz gestellt.


Vielen Dank an Nikolaj Müller-Wusterwitz für die Hinweise zur Historie von Pferdestall und Marstall. Die Geschichte Friedrichsruhs lässt sich zweimal jährlich ausführlich bei einem Rundgang mit ihm entdecken. Wir kündigen die Termine in unserem Veranstaltungskalender an.

Zuvor erschienen: Kalenderblatt: Fürstliches Sägewerk