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Unser Wandkalender zeigt in diesem Jahr das historische Friedrichsruh. Im März ist eine Fotografie des Fürstlichen Sägewerks zu sehen, aufgenommen um 1900 von der Wilhelm Hoffmann AG, Dresden (Archiv der Otto-von-Bismarck-Stiftung). Das Sägewerk lag direkt an der Bahnlinie Hamburg-Berlin, die damals in Friedrichsruh mehrgleisig ausgebaut war. 1992 brannte es vollständig ab.

War er reich genug, um ein Fürst sein zu können? Otto von Bismarck erhielt am 21. März 1871 ein eigenhändiges Schreiben des preußischen Königs und deutschen Kaisers Wilhelm I., in dem dieser ihn in den Fürstenstand erhob. Aber seine Freude fiel nur verhalten aus, wurde doch von den Angehörigen eines Standes auch eine standesgemäße Lebensführung erwartet: „Das Gefühl, daß man als Graf wohlhabend sein kann, ohne unangenehm aufzufallen, als Fürst aber, wenn man letzteres vermeiden will, reich sein muß, hat mich seitdem nie wieder verlassen“, schrieb Bismarck in seinen „Gedanken und Erinnerungen. Seine Sorge wurde aber gemindert durch ein Geschenk, das er zusammen mit der Ernennung erhielt: den Sachsenwald mit 25.000 Morgen Wald und 2.000 Morgen Land, meist Wiesen.

Bismarck begann schon bald nach der Schenkung, eine profitable Bewirtschaftung in die Wege zu leiten, wie der Historiker Fritz Stern in seinem Buch „Gold und Eisen“ erzählt. Dabei konnte er auf seine bisherigen Erfahrungen in der Land- und Forstwirtschaft aufbauen – gesammelt erst auf seinem Gut Kniephof, dann nach der Übernahme des Familienstammsitzes in Schönhausen sowie auf Gut Varzin, das er 1866 mit einer vorherigen Donation des preußischen Königs erworben hatte. Er war also schon ein vergleichsweise vermögender Mann, als er durch den Erhalt des Sachsenwaldes zu einem der größten Gutsbesitzer Deutschlands wurde. Er wusste aber auch um die Schwierigkeiten, mit Landbesitz Gewinn zu erwirtschaften.

Holzfäller im Sachsenwald (Sammlung der Otto-von-Bismarck-Stiftung).

Zunächst galt es, tatkräftige Unterstützung einzustellen. Mit dem Oberförster Peter Lange (1877 – 1897) holte Bismarck einen erfahrenden Revierverwalter aus Brandenburg in den Sachsenwald. Lange baute die forstwirtschaftlichen Wirtschaftswege aus und ließ im Jahr 1880 in Friedrichsruh ein Dampfsägewerk sowie andere Nebenbetriebe errichten, wie in dem Band „Aumühle“ von Otto Prueß nachzulesen ist. Die künftigen Einnahmen durch den Holzverkauf im Blick, wurden in dem Mischwald überwiegend Nadelhölzer in Monokultur nachgeforstet, was allerdings keine neue Entscheidung war: Bereits Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg hatte ab 1689 die planmäßige Aufforstung des Sachsenwaldes mit Nadelhölzern angeordnet, die unter der dänischen Herrschaft von 1816 bis 1864 ausgeweitet wurde.

Bismarcks Entscheidung, den Sachsenwald intensiver als bisher holzwirtschaftlich zu nutzen, fiel in eine Zeit, in der eine sehr hohe Holznachfrage herrschte: Im Bergbau wurden massenhaft Eichen zur Absicherung der Gruben verwendet. Bismarck informierte sich selbst über die Märkte und fand Abnehmer sogar im englischen Sheffield, vor allem aber in Gelsenkirchen. Für die dortige Zeche Hibernia, die ihren Namen einer irischen Investorengruppe verdankte, kaufte der Holzhändler Friedrich Vohwinkel beachtliche Mengen ein. Er war als pünktlicher Zahler in Friedrichsruh gerne gesehen. Ein Beispiel: Im Jahr 1884 erwarb er für die stattliche Summe von 76.252 Mark Eichen-Grubenholz.

Wie Fritz Stern durch eine Auswertung der erhaltenen Einkommensaufstellungen und Steuerbescheide feststellen konnte, wurde Bismarck weniger durch seine Bezüge für seine Ämter oder Anlagen in Aktien, sondern vor allem durch den Holzverkauf reich. Im März 1890 habe er selbst der Steuerkommission mitgeteilt, dass sein geschätztes Einkommen zwischen 204.000 und 240.000 Mark liege, woraus sich eine jährliche Steuer von 6.120 Mark ergeben habe. In ganz Preußen habe es nur etwa 1.500 Personen gegeben, schreibt Fritz Stern zum Vergleich, die ein geschätztes Einkommen von mehr als 100.000 Mark gehabt hätten.

So sehr Bismarck als Guts- und Waldeigentümer ein Unternehmer war, der seine Zahlen kannte, liebte er doch trotzdem die Natur und vor allem seine Bäume. Er eignete sich Fachkenntnisse über die Baumzucht und -pflege an, ging in Friedrichsruh nahezu täglich mit seinen Hunden im Wald spazieren oder ritt aus und hatte dabei seine Bäume im Blick. War ihr Zustand beklagenswert, fand sich dies neben familiären Angelegenheiten oder politischen Entwicklungen in seiner Korrespondenz wieder, so im August 1889 in einem Brief an seine Frau: „Der Wald ist reizend in den Eichen; die Buchen, nicht am Hause, aber tiefer im Walde, zum Theil von Raupen kahl gefressen, im Laube überhaupt gering.“

Das Zitat ist entnommen aus: Gesammelte Werke, Band 8: 1888-1890, S. 534

Dieser Beitrag basiert auf:

Otto Prueß: Aumühle. Geschichtliches über Aumühle, Friedrichsruh und den Sachsenwald, Schwarzenbek 2002

Fritz Stern: Gold und Eisen. Bismarck und sein Bankier Bleichröder, aus dem Englischen von Otto Weith, Frankfurt/M. 1977

Stormarn-Lexikon


Die Geschichte Friedrichsruhs lässt sich zweimal jährlich ausführlich bei unserem Rundgang mit dem Kulturwissenschaftler Nikolaj Müller-Wusterwitz entdecken. Wir kündigen die Termine in unserem Veranstaltungskalender an.

Zuvor erschienen:

Kalenderblatt: Die Kupfermühle im Sachsenwald