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Unser Wandkalender zeigt in diesem Jahr das historische Friedrichsruh. Im Februar ist eine Aufnahme von Gebäuden der Kupfermühle im Sachsenwald zu sehen (Strumper & Co., Hamburg, 1884).

Mühlen begründeten einst den Wirtschaftsstandort Friedrichsruh. Im Jahr 1598 wurde im westlichen Ortsteil eine Papiermühle gebaut, die nötige Energie lieferte die aufgestaute Schwarzen Au – noch heute befindet sich an der Stelle der Schlossteich. Die weitere Nutzung folgte den sich verändernden Aussichten auf Profit, den es zu erwirtschaften galt: Alle Mühlen der Gegend waren landesherrschaftliche Einrichtungen und jeweils verpachtet. 1758 wurde die Papiermühle aufgegeben, an ihre Stelle trat ein Eisenwerk, aus dem 1812 eine Tuchfabrik wurde. Um 1860 schließlich wurde dieser Standort aufgegeben.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich bereits der andere Friedrichsruher Mühlenstandort ebenfalls als unrentabel erwiesen. Er lag flussaufwärts etwas weiter östlich im Sachsenwald, eine Karte aus dem Jahr 1660 verzeichnete eine Untere und eine Obere Kupfermühle, auch Stangenmühle genannt. Zur Unteren Kupfermühle gehörten mehrere Gebäude. Auf der Fotografie, die aus der Richtung des dortigen ehemaligen Bahnübergangs aufgenommen wurde, ist das sogenannte Gesellenhaus sowie rechts eine Scheune zu sehen. Die eigentliche Mühle lag 25 Meter nördlich des Gesellenhauses direkt an der Schwarzen Au, die auch dort gestaut war. In der Mühle wurden wahrscheinlich Kupferbarren zu Blechen gehämmert.

Die Kupferverarbeitung war ein Geschäft, an dem sich einige Mühlen in der Umgebung mit wechselndem Erfolg versuchten: Im kaum zehn Kilometer entfernten Glinde diente die 1129 erstmals urkundlich erwähnte Mühle nacheinander als Korn-, Fell-, Kupfer-, Färbeholz- und dann wieder als Kornmühle. 26 Kilometer nördlich von Friedrichsruh arbeitete die Rohlfshagener Kupfermühle. Von ihr ist überliefert, woher sie ihren Rohstoff erhielt: Unbearbeitetes Kupfer wurde per Schiff aus Schweden bis nach Bad Oldesloe gebracht, von dort mit Pferdefuhrwerken nach Rohlfshagen. Schweden war, vor allem dank des Bergwerks von Falun, bereits im 17. Jahrhundert das Land mit der weltweit größten Kupferproduktion. Andere Vorkommen wurden erst später entdeckt, so beispielsweise um 1850 im heutigen Namibia. Diese Funde lockten weiße Siedler an und beförderten die Absicht, das südwestliche Afrika zu kolonisieren. Das bekannteste Bergwerk in Tsumeb nahm 1907 seinen Betrieb auf.

Zu diesen Zeitpunkt hatte die Friedrichsruher Kupfermühle ihren Betrieb längst eingestellt, schon 1850 wurde sie auf einer Karte als „vormalig“ verzeichnet. Auf einer Postkarte, die im Jahr 1905 verschickt wurde, ist zu sehen, was aus dem Gesellenhaus wurde: Eine Gastwirtschaft mit Biergarten. Zu ihr gehörte auch eine Kegelbahn, die in Richtung des nahegelegenen Sägewerks ausgerichtet war. Dieses kleine Ausflugsidyll ist ebenso verschwunden wie der Kupfermühlenteich – sein Damm brach im Jahr 2000 bei einem Hochwasser.

Einen Einblick in die Arbeit einer Kupfermühle bietet heute am anderen, nördlichen Ende Schleswig-Holsteins das Industriemuseum Kupfermühle in Harrislee.


Vielen Dank an Nikolaj Müller-Wusterwitz für die Hinweise zur Historie der Friedrichsruher Mühlen. Die Geschichte des kleinen Ortes lässt sich zweimal jährlich ausführlich bei einem Rundgang mit ihm entdecken. Wir kündigen die Termine in unserem Veranstaltungskalender an.

Zuvor erschienen: Kalenderblatt: Das Wohnhaus Otto von Bismarcks in Friedrichsruh, 1884