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Solinger Bürger schenkten Otto von Bismarck diesen aufwendig bearbeiteten Offizierspallasch.

Neben den imposanten Stulpenstiefeln und dem namensgebenden Schutzpanzer darf natürlich auch der Pallasch als charakteristische Waffe der Kürassiere in dieser kleinen Kleider- und Ausrüstungs-Trilogie nicht fehlen. Bevor aber einer der beiden Ehrenpallasche, die in derselben Vitrine wie sein Körperpanzer hängen – Otto von Bismarck hatte selbstverständlich nicht nur einen zu seiner Ausrüstung gehörenden Offizierspallasch, sondern mehrere Waffen dieser Art – genauer betrachtet werden soll, wird die Traditionswaffe der schweren Kavallerie vorgestellt.

Der Begriff Pallasch stammt aus dem türkisch-ungarischen Raum, dessen Bedeutung der Duden mit „schwerer (Korb-)Säbel“ angibt. Verwandt ist die Waffe sowohl mit Säbel als auch Degen, wobei auf eine genaue Auflistung der Unterschiede bzw. Darstellung der Entwicklung des Pallaschs verzichtet werden soll.

Hier finden nur die wesentlichen Merkmale des Kürassier-Pallaschs der preußischen Kavallerie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Erwähnung: Zu der beim Pallasch üblichen geraden Klinge mit nur einer Schneide und dementsprechend vorhandenem Rücken kam ein geknicktes Griffstück, das von einem Bügelgefäß als Handschutz umgeben war. Jenes wiederum bestand aus einem Haupt- und drei Nebenbügeln, die am Stichblatt verschmolzen. Zwei Trageringe an der Scheide sorgten dafür, dass der Pallasch an der Uniform befestigt werden konnte. Die Hieb- und Stichwaffe war über einen Meter lang und bis in den Ersten Weltkrieg in diversen Modellreihen und Extrastücken bei Kavallerieregimentern im Einsatz.

Blick ins Bismarck-Museum: Schutzpanzer und Pallasche.

Das zum besonderen Exponat erkorene Exemplar wurde Otto von Bismarck anlässlich seines 80. Geburtstags von einer Delegation aus Solingen überbracht. Dazu reiste die Abordnung der Überlieferung nach mit 25 Personen inklusive des Bürgermeisters nach Friedrichsruh, wo sie laut eines Solinger Stadtchronisten eine „glühende Rede“ hielten und dem Fürsten das prächtige Geschenk überreichten. Dessen Anblick begeisterte ihn angeblich schwer.

Hergestellt wurde der Pallasch nach einem Entwurf des Bildhauers Wilhelm Albermann – besonders geschätzt für seine Bauplastiken, die noch heute in Köln und Umgebung besichtigt werden können – von der in Solingen ansässigen Fabrik Weyersberg-Kirschbaum & Cie., die bis heute für ihre qualitativ hochwertigen Klingen bekannt ist. Angelehnt ist die Waffe an das Modell M1880, das seit 1880 bei Offizieren in Gebrauch war. Trotzdem gibt es einige Abweichungen zu jenem Standardmodell. Auffällig ist erst einmal der komplett vergoldete (üblicherweise nur teilweise) und stark verzierte Korb, der eine Allegorie der Germania mit Pickelhaube zeigt, die dem „preußischen Aar“ die deutsche Kaiserkrone aufzusetzen scheint. Sowohl Haupt- als auch Nebenbügel verschmelzen mit dieser Szenerie, weshalb sie nicht so klar hervortreten wie auf den „gewöhnlichen“ Offizierswaffen. Der Griff ist mit Eichenlaub und dem Wappen(-spruch) Bismarcks verziert, der Knauf als Fürstenkrone gestaltet. Auf der Innenseite des Gefäßes findet sich zudem ein Bildnis Wilhelms I.

Die Ätzungen auf der Klinge sind ebenfalls auffällig. Neben verschiedenen Verzierungen und den an vier unterschiedlichen Positionen gravierten ‚Leistungen‘ Bismarcks (Dreibund, Colonisation, Gemeinsames Recht, Arbeiterschutz) findet sich auf der einen Seite folgender Dankesspruch: „Seiner Durchlaucht dem Fürsten Bismarck ihrem großen Ehrenbürger, der deutschen Einheit mächtiger Waffenschmiede, zum 80ten Geburtstage – Die dankbare Waffenstadt Solingen.“ Auf der anderen Klingenseite findet sich ein Sinnspruch in Reimen:

„Wir recken das Eisen zu mannhafter Wehr,
Wir geben die Waffen dem reisigen Heer –
In der Esse Gluthen, in Feuers Strahl,
Formt Meisterhand schneidig den klingenden Stahl.
Du schweißtest in Wettern Germanias Schwert,
Du schufest das Reich uns im Weltall geehrt,
Du schlangst um Alldeutschland ein ehernes Band.
Willkommen Du Reichsschmied im bergischen Land!“

In diesen Reimen geriert sich Solingen als „Ausrüster“ der deutschen Militärmacht, die, geleitet von Bismarck, die Reichseinigung ermöglichte. Dem greisen Fürsten imponierte der Überlieferung nach die Waffe stark – so stark, dass er der Delegation berichtete, er habe einmal eine arabische Waffe mit der Inschrift: „Diese Klinge ist so schön und gut, dass es eine Lust sei, von ihr erschlagen zu werden“ geschenkt bekommen, was auch auf die Solinger Klinge zutreffe. Wir können an dieser Stelle aber allen Besuchern versichern, dass sie von diesem besonderen Exponat lediglich visuell erschlagen, physisch aber unversehrt bleiben werden.


Objekt: (Ehren-) Pallasch mit Scheide, um 1895
Hersteller: Weyersberg-Kirschbaum & Cie. (Solingen)
Material: Metall, Textil, Emaille, Halbedelstein
Maße: 121 x 14,5 x 12cm
Zustand: Sehr gut erhalten
Ort: Bismarck-Museum, Friedrichsruh
Inventar-Nr.: A 096