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Neben den Stiefeln, die gewissermaßen die Basis für eine jede Uniform bilden und bereits in unserer Reihe Das besondere Exponat ihren „Auf-Tritt“ hatten, darf auch der namensgebende Kürass als Bestandteil der Reitermontur nicht fehlen. Der Begriff selbst geht auf das französische Wort ‚cuirasse‘ für den Lederpanzer zurück. Die Truppengattung der Kürassiere war aus den mittelalterlichen Rittern hervorgegangen und zählte zur schweren Kavallerie. Die Rüstung aber wurde in den folgenden Jahrhunderten zugunsten der Beweglichkeit deutlich abgeschwächt, bis nur noch der traditionelle Kürass – hier in Form eines sowohl Brust als auch Rücken bedeckenden Doppelkürasses – zum Schutz des Brustkorbs in der Reitertruppe verblieb. Ab 1888 wurde er dann nur noch zu Paradezwecken getragen.

Otto von Bismarck war, obwohl er seine kurze „freiwillige“ Zeit beim Militär nur widerwillig erfüllt hatte, wie im Beitrag „Bismarck als Soldat“ zu lesen ist, schon seit dem 18. Oktober 18681 Offizier à la suite2 des Magdeburgischen Kürassier-Regiments Nr. 7 (ab dem 27. Januar 1889 Kürassier-Regiment „von Seydlitz“ [Magdeburgisches] Nr. 7). Nachdem der Ruheständler im Januar 1894 – zu diesem Zeitpunkt schon im Rang eines Generaloberst – anlässlich eines „Versöhnungstreffens“ mit Wilhelm II. per kaiserlicher Ordre zum Chef des Regiments ernannt worden war3, erhielt er von eben diesem zu seinem 80. Geburtstag am 1. April 1895 jenen hier zum besonderen Exponat erkorenen Doppelkürass.

Ein besonderes Merkmal dieses speziellen Paradekürasses ist die versilberte Außenseite der Rüstung. Die für Offiziere übliche Variante bestand lediglich aus einem vernickelten Corpus, während die einfachen Soldaten mit geschwärztem Eisen ausritten. Auch die Einfassungen der Ränder sind statt des üblichen Nickelüberzugs versilbert. Davon abgesehen, unterscheidet sich Bismarcks Geburtstagsgeschenk nicht wesentlich von den an Offiziere ausgegebenen Standardexemplaren: Die Nieten und Schuppenketten sind vergoldet, und die Innenseite des Panzers ist mit gestepptem Seidenfutter ausgekleidet; Bauch- und Bandolierriemen sind identisch.4 Auffällig ist das Eiserne Kreuz I. Klasse an der linken Seite des Brustpanzers, das Bismarck als Weihnachtsgeschenk am 24.12.1870 von Wilhelm I. erhalten hatte5 und an derselben Position angeschraubt ist wie es üblicherweise am Waffenrock getragen wurde.

Trotz der überlieferten Aussage Bismarcks, dass er „überall kneift und zwickt“, ist der Ehrenkürass ein prachtvolles Panzerkleid, das zu Recht an zweiter Stelle der Ausrüstungsgegenstände Bismarcks steht. Die Besucher des Museums, die die Rüstung nicht persönlich anlegen können, bleiben vom Zwicken verschont und dürfen sich ganz der Betrachtung dieses silbernen Blickfangs widmen.

Objekt: Doppelkürass, um 1895
Hersteller: Unbekannt
Material: Metall (versilbert), Messing, Seide, Leder
Besonderheit: montiertes Eisernes Kreuz 1. Klasse auf der linken Seite
Maße: 51 x 41,5 x 47cm
Zustand: stellenweise angelaufen, Innenfutter teilweise löchrig
Ort: Bismarck-Museum, Friedrichsruh
Inventar-Nr.: A 093

 

1. Kohl, Horst: Bismarck-Regesten, Erster Band 1815-1871, Leipzig 1891, S. 354.

2. Die aus dem französischen kommende Wendung à la suite bedeutet sinngemäß so viel wie „im Gefolge von“ oder „zu dem Gefolge“ und bezeichnet im Militärwesen eine Person, die zum Tragen der jeweiligen Uniform des zugeordneten Truppenteils berechtigt ist und speziell im Fall Bismarcks eine „fürstliche Person“, der ehrenhalber eine Verbindung zum Militär gestattet wird.

3. Hank, Manfred: Kanzler ohne Amt. Fürst Bismarck nach seiner Entlassung 1890-1898, München 1977, S. 407.

4. http://www.kuerassierregimenter.de/ausruestung.php?det=&did=52, zuletzt aufgerufen am 10.10.2019.

5. Arndt, Ludwig / Müller-Wusterwitz, Nikolaj: Die Orden und Ehrenzeichen des Reichskanzlers Fürst Otto von Bismarck, Offenbach 2008, S. 155.