Stiftungssitz und Veranstaltungsort: der Historische Bahnhof Friedrichsruh
„Vielfalt und Widersprüchlichkeit“ lautet der Titel eines im März geplanten Vortrags, diese Formel könnte aber auch als Überschrift für die übrigen Veranstaltungen der Otto-von-Bismarck-Stiftung im ersten Halbjahr 2023 dienen. In ihrer Gesamtschau werden sie einen Eindruck der politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen vermitteln, die Deutsche im 19. Jahrhundert vorantrieben, zu verhindern versuchten oder auch nur erduldeten.
Schleswig-Holstein sei ein wirklich winziger Fleck auf der großen Weltkarte, stellt Prof. Dr. Oliver Auge (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel) in seinem Vortrag im Historischen Bahnhof Friedrichsruh fest. Umso erstaunlicher sei es, dass es in der Vergangenheit oftmals Schauplatz oder Objekt und Thema großer Weltpolitik gewesen sei. Der Historiker zeigt, wie sich seit dem Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert hinein Landes- sowie Regionalgeschichte und Weltpolitik immer wieder denkbar nahekamen. Zu den wichtigen Ereignissen und Personen, die er in den Blick rückt, zählen die Schlacht von Bornhöved im Jahr 1227, der „Schwiegervater Europas“, König Christian IX., und die Volksabstimmung über den Verlauf der deutsch-dänischen Grenze 1920.
Titelbild unter Verwendung einer Miniatur aus der Sächsischen Weltchronik, die die Schlacht von Bornhöved im Jahr 1227 zeigt.
Die Toten beherrschen den ersten Eindruck, sie liegen unübersehbar auf Augenhöhe der Betrachter. Neben ihnen leiden Verwundete, wer kann, versucht zu helfen. Im Mittelpunkt der großformatigen Gemälde stehen aber andere: Die Könige, die in ruhmreichen Schlachten das Land zur Grande Nation machten – jedenfalls nach Ansicht von König Louis-Philippe (1773 – 1850), der die Schlachtengalerie im Schloss Versailles, die Galerie des Batailles, in Auftrag gegeben hatte.
In seiner Freizeit tauschte Albert Wande (1862 – 1936) den Alkohol gegen Fotochemikalien, denn der Salzwedeler Brennereibesitzer ging einem nicht alltäglichen und durchaus beschwerlichen Hobby nach: Er fotografierte. Das Johann-Friedrich-Danneil-Museum in Salzwedel, das seinen fotografischen Nachlass verwahrt, zeigt nun in einer Sonderausstellung bis zum 14. Mai 2023 eine Auswahl seiner Aufnahmen.
Mehr als 30 historische Zweiräder sind in der neuen Ausstellung zu entdecken. (Foto: Ulf Morgenstern)
Verkehrspolitisch liegt das Fahrrad im Trend wie lange nicht. Zumindest bei kürzeren städtischen Distanzen soll der Anteil von Fahrradfahrten gegenüber dem Autoverkehr deutlich steigen, weshalb bundesweit in den Ausbau der Radinfrastruktur investiert wird.
Daran, dass vor Jahrzehnten schon einmal deutlich mehr Fahrrad gefahren wurde, erinnert in Radevormwald seit 26. November ein besonderes Zweiradmuseum. In den Werkshallen der Fahrrad- und Motorradfabrik „Bismarck“ eröffnete die IG Bismarck ihre neue Ausstellung. Gezeigt wird eine einzigartige Sammlung von Zweirädern, die ab 1896 dort produziert wurden. Auf dem Höhepunkt des Bismarck-Mythos ließ sich mit dem prominenten Namen offenbar gutes Geld verdienen, denn die Marke änderte das eingängige Signum bis zum Konkurs im Jahr 1957 nicht. Die Motorisierung der Wirtschaftswunder-Bundesrepublik belebte zwar kurzzeitig das Motorrad- und Mopedgeschäft der Firma, aber der Automobilboom brachte auch in den Bismarck-Werken die Produktion zum Erliegen.
Otto von Bismarck hatte es eilig und nun das: Seine Doggen, die neben seiner Kutsche liefen, erspähten ein Reh und setzten diesem nach. Damit war es nicht mehr pünktlich zur Auktion zu schaffen. Und so musste der Reichskanzler im April 1874 sein Vorhaben aufgeben, im einige Kilometer von Friedrichsruh entfernten Reinbek Schlossbesitzer zu werden.
In Uniform mit Pickelhaube: Helmuth Graf von Moltke (1800 – 1891), preußischer Generalfeldmarschall. Gemälde von T. Lange, Deutschland, um 1900, Öl auf Leinwand (Bismarck-Museum Friedrichsruh, Inventar.-Nr.: A 367)
Helmuth Karl Bernhard Graf von Moltke trat 1811 in das dänische Heer als Kadett ein und wechselte 1822 zur preußischen Armee. Von 1823 bis 1826 besuchte der talentierte junge Offizier die Kriegsakademie in Berlin. 1833 erfolgte seine Berufung in den Großen Generalstab. 1836 wurde er als Militärberater für die Reorganisation der türkischen Armee in das Osmanische Reich abkommandiert und nahm an Feldzügen gegen die Kurden sowie in Ägypten teil (1838/39). Ende 1845 wurde Moltke kurzzeitig Adjutant des Prinzen Karl Heinrich von Preußen (1781 – 1846). 1847 zum Generalstab des VII. Armeekorps (Koblenz) versetzt, diente er nach einem kurzen Aufenthalt in Berlin von 1848 bis 1855 als Chef des Generalstabs des IV. Armeekorps (Magdeburg). 1855 ernannte ihn der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm (1831 – 1888) zum Adjutanten, 1857 zum Generalmajor befördert, übernahm Moltke die Leitung des Großen Generalstabs, zu dessen Chef er offiziell 1858 avancierte. 1866 wurde Moltke zum General ernannt und erhielt als Generalstabschef die Kompetenz, dem Heer im Namen des Königs ohne vorherige Konsultation des Kriegsministers Befehle zu erteilen. Das ermöglichte Moltke, im Gefecht militärische Operationen unmittelbar zu leiten.
Seitdem der Bundestag und die Hamburgische Bürgerschaft 2014 beschlossen haben, das Bismarck-Denkmal im Alten Elbpark zu sanieren, wird in Hamburg intensiv über einen zeitgemäßen Umgang mit dieser Rolandsfigur diskutiert. Weniger öffentlichkeitswirksam, aber nicht minder kontrovers hatte bereits Jahrzehnte zuvor in Aumühle eine ähnliche Diskussion über gleich zwei ‚Steine des Anstoßes‘ eingesetzt, die mit dem Namen des ersten Reichskanzlers verbunden sind: ein Bismarck-Denkmal, das sein österreichischer Verehrer Georg von Schönerer 1921 gestiftet hatte, sowie dessen Grabstätte, die ein Jahr später auf dem Aumühler Friedhof eingerichtet worden war.
Großes Fest im Schloss Versailles, das seit 1837 Nationalmuseum ist. Kolorierter Stahlstich von Charles Rolls (1799 –1885), nach Eugene Louis Lami (1800 –1890), Großbritannien, 1843 (Otto-von-Bismarck-Stiftung, Inventar-Nr.: ZSg 2751)
Auf diesem Fest in Versailles war die feminine „Stundenglas-Silhouette“ unverkennbar angesagt. Der 1843 gedruckte Stich verrät aber nicht nur etwas über Stoffe und Schnitte, sondern vermittelt mit der Mode seiner Zeit auch Hinweise auf die Rolle, die den Damen der Gesellschaft zugewiesen wurde.
Die deutsch-polnische Konferenz problematisierte wichtige Stationen der deutschen Russlandpolitik. Foto: Bundeskanzler Konrad Adenauer (winkend) kehrt im September 1955 von seiner Moskaureise zurück (Bundesarchiv, Bild 146-2005-0141 / Wolf, Helmut J. / CC-BY-SA 3.0).
„Warschauer Zerrbilder“ betitelte Reinhard Veser jüngst einen Artikel in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ über die politischen Beziehungen zwischen Polen und Deutschland. So lügenhaft und verzerrt das von der Warschauer Regierung gezeichnete Bild von Deutschland auch sei, dürfe dieses Verhalten aber nicht den Blick dafür versperren, „dass es im deutsch-polnischen Verhältnis tiefer liegende Probleme gibt, für die nicht die polnische Seite verantwortlich ist“. Konkret meinte Veser damit eine aus der Geschichte erwachsene „asymmetrische Beziehung“ sowie ein bis in die Gegenwart reichendes „herablassendes Verhalten von Deutschland gegenüber Polen“.
Lebendiges Anschauungsmaterial für die aktuellen Schwierigkeiten im polnisch-deutschen Verhältnis lieferte eine vom West-Institut Poznan in Kooperation mit der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit und der Otto-Bismarck-Stiftung organisierte Konferenz über „Deutsche Russlandpolitik: Geschichte – Gegenwart – Perspektiven“, die am 25. Oktober im Centrum Zielna, Warschau, stattfand. Dass die durch den völkerrechtswidrigen Angriff Russlands auf die Ukraine ausgelösten politischen Verwerfungen in Europa die wissenschaftliche Sphäre nicht unberührt lassen würden, konnte kaum überraschen. Doch auch ohne sie wären die Diskussionen in Warschau wohl kaum weniger kontrovers verlaufen. Zu tief saß das Unverständnis so manches polnischen Teilnehmers für die preußische bzw. deutsche Russlandpolitik der vergangenen 300 Jahre.
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