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Friedrichsruh ist bis heute untrennbar mit Otto von Bismarck verbunden. Er hatte 1871 Teile des Sachsenwaldes von Kaiser Wilhelm I. als Dank für seine Verdienste um die Reichsgründung erhalten und sich in dem beschaulichen Ort an der Bahnlinie Hamburg – Berlin niedergelassen. Mit der Ruhe war es dort dann allerdings bald vorbei.

Wir zeigen im letzten Video unserer Reihe „Bismarck und seine Zeit“, dass Friedrichsruh nach dem Zuzug des ersten Reichskanzlers zahlreiche Anhänger anzog – aus einfachen Bevölkerungskreisen bis hin zum Adel. Es reisten außerdem Unternehmer und Politiker an, die aus ganz eigenen Gründen die Nähe Bismarcks suchten.

Viele Exponate im Bismarck-Museum erzählen von diesen zahlreichen Besuchen. Dort vermittelt auch das Arbeitszimmer, das mit originalem Mobiliar ausgestattet ist, einen unmittelbaren Eindruck aus dem Alltag des Staatsmanns.

 

Blick ins Bismarck-Museum und auf das Modell des Panzerkreuzers „Fürst Bismarck“, das 1897 als Geschenk in Friedrichsruh eintraf (Foto: Jürgen Hollweg).

Eine gute Nachricht aus Friedrichsruh: Auch der Eintritt ins Bismarck-Museum ist ab sofort kostenlos. Diese Regelung galt bereits für die Dauerausstellung „Otto von Bismarck und seine Zeit“ im Historischen Bahnhof, ab sofort stehen beide Häuser für einen Besuch bei freiem Eintritt offen. Dies gilt auch für die Sonderausstellung „1870/71. Reichsgründung in Versailles“, die noch bis zum 20. Februar zu sehen ist.

Wir haben von Dienstag bis Sonntag (10 – 16 Uhr) geöffnet, bitte beachten Sie die 2G-Regel und tragen Sie in unseren Räumen einen Mund-Nasen-Schutz.

Deutschland, nach 1820, Haar, Papier, Glas, Metall (Dauerausstellung im Historischen Bahnhof Friedrichsruh, Inventar-Nr.: A 605)

Am 23. März des Jahres 1819 wurde zum ersten Mal in der jüngeren deutschen Geschichte ein politisches Attentat verübt, das die Politik im Zeitalter der Restauration (1815 –1830) sowie des „Vormärz“ (1830 – 1848) nachhaltig bestimmen sollte – an diesem Tag ermordete der 23-jährige Theologiestudent Karl Ludwig Sand einen der wichtigsten Theaterdichter seiner Zeit: August von Kotzebue. An diese Tat wird in der Dauerausstellung der Otto-von-Bismarck-Stiftung im Historischen Bahnhof von Friedrichsruh erinnert. Dort ist eine in ein Medaillon eingelassene Haarlocke des Täters ausgestellt.

Am Mittag jenes 23. März ging Karl Ludwig Sand zum Hause seines Opfers Kotzebue in Mannheim und versuchte, unter einem Vorwand ein Gespräch mit ihm zu führen. Da Kotzebue nicht zu sprechen war, musste er sein Vorhaben zunächst aufgeben, kehrte aber einige Stunden später zurück. Dieses Mal wurde Sand vorgelassen, holte seinen Dolch heraus und stach dem Dichter, den er als „Verräter des Vaterlandes“ betrachtete, mehrfach in die Brust. Plötzlich bemerkte Sand, dass der vierjährige Sohn Kotzebues den Mordanschlag gesehen hatte. In Panik drückte er Kotzebues herbeigeeiltem Diener sein Bekennerschreiben in die Hand, floh aus dem Haus und stieß sich auf offener Straße den Dolch zwei Mal in den eigenen Leib. Schwer verletzt und blutüberströmt wurde er ins Hospital gebracht, überlebte aber seinen Selbstmordversuch. Das Attentat sorgte in der deutschen Öffentlichkeit für einiges Aufsehen und es stellte sich die Frage, wer dieser Sand war und was ihn zu einer solchen Tat bewogen haben mochte?

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