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Entlassungszeugnis Otto Eduard Leopold von Bismarcks vom 3. April 1832 (Reproduktion); Material: Papier, Maße: 210 x 297 mm (DIN A4); Inventarnummer: Altbestand, ausgestellt in der Dauerausstellung der Otto-von-Bismarck-Stiftung, Friedrichsruh

Wenn an Otto von Bismarck erinnert wird, stehen seine großen Erfolge wie auch Misserfolge im Vordergrund: Bismarck der „Reichsgründer“, die von ihm initiierte Sozialgesetzgebung oder seine Rolle im Kulturkampf. Das sind prägende Ergebnisse der Politik des ersten Reichskanzlers, die einen großen Baustein der deutschen Geschichte bilden und noch bis heute Auswirkungen haben. Aber wer hätte gedacht, dass dieser erfolgreiche und einflussreiche Staatsmann in seiner Schulzeit eher durch Fehlzeiten und Arbeitsscheu auffiel als durch großen Fleiß? Dies belegt sein Entlassungszeugnis vom 3. April 1832 zu seinem Abitur im Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin.

Ein Jahr nach Bismarcks Geburt am 1. April 1815 zog seine Familie von Schönhausen auf das ererbte Gut Kniephof in Pommern. Diese sehr ländliche und idyllische Umgebung lag dem jungen Otto sehr am Herzen, weshalb er umso erboster war, als er mit sechs Jahren von seiner Mutter Wilhelmine Mencken in die von ihm als „Zuchthaus“ beschriebene Plamannsche Lehranstalt in Berlin geschickt wurde. Wilhelmine stammte aus dem Bildungsbürgertum und entsandte ihre Kinder deshalb auf ein bürgerliches Internat, statt, wie für aristokratische Verhältnisse üblich, Hausunterricht erteilen zu lassen. Den dadurch entstandenen Umbruch in Ottos Leben beschreibt er selbst mit folgenden Worten: „Ich bin in meinem elterlichen Hause in frühester Kindheit fremd und nie wieder völlig darin heimisch geworden.[1]

Die Plamannsche Lehranstalt war renommiert, ihr Lehrkörper bestand überwiegend aus Mitgliedern der liberalen und nationalen Turnerbewegung. Dazu zählte auch der berühmte „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn. Die Lehrer und deren Erziehungsweise waren Otto von Bismarck zufolge gegen den Adel und dessen geistige Grundlagen ausgerichtet.  Die von ihm verwendete Beschreibung „Zuchthaus“ ist durch die Wahrnehmung der strengen Züchtigung und der schmalen Kost zu erklären. Dadurch kontrastierte die kindliche und ländliche Freiheit auf dem Gut Kniephof mit der von Bismarck gefühlten „Gefangenschaft“ in der Plamannschen Lehranstalt.

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Im Rahmen einer internationalen Konferenz der „Forschungsstelle Hamburgs (post-)koloniales Erbe“ ist auch der vor den Toren der Stadt gelegene Ort Friedrichsruh behandelt worden.

Ende Februar 2018 hielt Dr. Ulf Morgenstern einen Vortrag, der Bismarcks Refugium im Sachsenwald als eine Bühne kolonialer Akteure untersuchte.

Näherers kann in einem Tagungsbericht bei HSozuKult nachgelesen werden.

Wer schon zu Lebzeiten als „eiserner Kanzler“ bezeichnet wird und selbst von „Eisen und Blut“ als jenen Mitteln spricht, mit denen „die großen Fragen der Zeit entschieden“ würden, der muss sich nicht wundern, wenn er posthum zum Namensgeber einer Heavy-Metal-Band wird.

Das haben sich offenbar fünf lärmfreudige Musiker aus dem norwegischen Bergen gedacht. Unter dem Namen  „Bismarck“ schrammeln sie eher gemütlich als laut vor sich hin.

Musikalisch ist das nach Auskunft der Fachpresse eher solide und keine Innovation. Die Einschätzung der textlichen Qualität mag beurteilen, wer hier einen Unterschied zwischen Englisch und irgendeiner anderen Sprache hört.

Aber ungeachtet solcher Finessen ist es amüsant, dass das alte Ehrregime des vormodernen Bismarck-Mythos‘, als alles mögliche nach dem Gründer des deutschen Kaiserreichs benannt wurde, hier einen späten Ausläufer hat. Klar heißt das Album dann auch bedeutungs- und metaphernschwer „Urkaft“. Uns gruselt’s!