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Bismarck sitzt seitlich am Tisch und stützt den rechten Arm auf; in der Hand hält er Papiere, die er liest.

Christian Wilhelm Allers: Bismarck bei der Lektüre, Druck, 28. März 1892 (Bismarck-Museum Friedrichsruh / Fotograf: Jürgen Hollweg)

Presseartikel, Schreiben an Monarchen, eine rege Korrespondenz mit adligen wie bürgerlichen Bekannten und Bewunderern sowie die Abfassung der „Gedanken und Erinnerungen“ – aus den letzten acht Lebensjahren Otto von Bismarcks liegt eine Fülle von Schriften vor. Sie geben über zweierlei Auskunft: Wie der Reichskanzler a. D. trotz zunehmender Isolation und nachlassender Arbeitskraft vorging, um weiterhin auf die Tagespolitik Einfluss zu nehmen und um sich – möglichst über seinen Tod hinaus – die erinnerungsstrategische Deutungshoheit über sein Lebenswerk zu sichern.

Nach seiner Entlassung aus allen Ämtern beflügelte es Bismarcks Popularität, dass er jedem Wunsch nach einer persönlichen Zuschrift nachkam. In Friedrichsruh trafen bald körbeweise Broschüren, Petitionen, Gedichte aus dem In- und Ausland, Kompositionen, Traktate, Fotografien und neueste Arbeiten von Wissenschaftlern ein. Der Jurist Paul Laband schickte ihm seine mehrbändige Abhandlung zum deutschen Staatsrecht, Ernst Bötticher, ein Kontrahent Heinrich Schliemanns, berichtete von seinen Ausgrabungen in Troja, der Historiker Heinrich von Treitschke und später seine Witwe Emma sandten Treitschkes neueste Publikationen. Bismarck gab zu erkennen, dass er alles las und zu schätzen wusste, auch den Gruß eines Radfahrerclubs.

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Historische Ansichtskarte aus Posen mit Blick auf das Gebäude der Königlich Preußischen Ansiedlungskommission (heute das Hauptgebäude der Adam-Mickiewicz-Universität Posen) und die St.-Pauli-Kirche (heute: Kirche des Heiligen Erlösers).

Ob es um die Begrenzung der Einfuhr billiger Heringe aus Skandinavien oder den Ausbau von Eisenbahnlinien ging, auf dem Schreibtisch Otto von Bismarcks, der zugleich deutscher Reichskanzler sowie preußischer Ministerpräsident und Handelsminister war, landeten wie in den Jahren zuvor die verschiedensten Aufgaben. Die mehr als 2000 Dokumente aus den Jahren 1886 und 1887 lassen allerdings erkennen, dass ihn dennoch nur die Spitze des Eisbergs politischer Angelegenheiten erreichte. Aus diesem Konvolut hat Dr. Ulf Morgenstern, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Otto-von-Bismarck-Stiftung, für diesen siebten Band der Gesammelten Werke, Abteilung III 548 Schriften ausgewählt, 410 davon bisher ungedruckt. In ihnen spiegelt sich nicht nur die hohe Arbeitsbelastung, sondern auch der Gesundheitszustand des über Siebzigjährigen: Nur zwanzig der abgedruckten Dokumente verfasste Bismarck eigenhändig, andere wurden ihm vorgefertigt zur Unterschrift vorlegt und eine große Anzahl „auf seine ‚Weisung‘ hin bzw. in seinem Namen zu Papier gebracht“ (XII). Dazu zählten auch acht Absagen auf Einladungen der Kaiserfamilie.

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