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Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Freitag, den 22. Januar 2016 um 12:23 Uhr

In den Straßen Moskaus ist gegenwärtig etwas zu bestaunen, das in Deutschland selbst im letzten Jahr, als an Bismarcks 200. Geburtstag erinnert wurde, nicht passierte. Auf Plakaten kann man Bismarck dort an Haltstellen begegnen. Auf einem bekannten Gemälde Lenbachs sitzt der greise Kanzler in Kürassieruniform, Pour le merite und mit Pickelhaube auf dem Kopf.

In den städtischen Alltag der Russen des 21. Jahrhundert wird Bismarck aber nicht zu Werbezwecken einer Bank geholt, wie es bei dem für seine Lebensfreude bekannten Neu-Russen Gerard Depardieu der Fall ist, der dem schnellen Kredit für das spontane Konsumbedürfnis sein Gesicht leiht. Bismarck wird für höhere Zwecke eingesetzt, es geht um seine politische Kernkompetenz. Deshalb erkennt man hinter den Kanzler auch einr Europakarte. Die fehlt im Original, verleiht dem Staatsmann aber die Autorität, die Historiker durch Bücherregale oder Ärzte durch um den Hals gehängte Stetoskope zu gewinnen meinen.

Die Moskauer Stadtverwaltung ist auf den wortmächtigen Reichsgründer gekommen, um für ein patriotisches Geschichtsportal zu werben. Passt das zu Bismarck? Auf den ersten Blick schon, denn unter der großen Überschrift „Russland. Meine Geschichte“ wird der Deutsche folgendermaßen zitiert:

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