Napoleon I., Kaiser der Franzosen und König von Italien

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Napoleon Bonaparte, aus korsischem Kleinadel stammend, trat mit zehn Jahren als Kadett in die königliche Armee ein. Aufgrund seiner besonderen Fähigkeiten erhielt er mit 16 Jahren bereits das Patent als Artillerieoffizier. Die Französische Revolution begrüßte er, verurteilte zunächst jedoch die damit verbundenen gewalttätigen Ausschreitungen. Dennoch stellte er sich der neuen Regierung vorbehaltlos zur Verfügung.

Die auf seinen Plänen beruhende Eroberung des von Royalisten gehaltenen Toulon durch die Revolutionsarmee begründete den Beginn der militärischen Karriere Bonapartes. In den Koalitionskriegen zeichnete er sich aus, gleichzeitig verfolgte er aber auch politische Ziele. 1799 wurde er Erster Konsul der Französischen Republik (seit 1802 auf Lebenszeit) und erklärte die Revolution für beendet.

In der Folgezeit errichtete Bonaparte eine Militärautokratie, die ganz auf seine Person zugeschnitten war. Das Erstarken royalistischer Strömungen ließ Bonaparte den finalen Schritt beim inneren Umbau der Republik wagen. Seine ohnehin monarchengleiche Position als Staatschef sollte formell der Stellung und Würde eines „echten“ Monarchen angeglichen werden. Nac dem sich das französische Volk in einem Plebiszit mit überwältigender Mehrheit für die Errichtung eines Kaisertums ausgesprochen hatte, beschloss der Senat am 18. Mai 1804 eine neue Verfassung, die die Republik in ein Kaiserreich (Empire français) umwandelte und den Ersten Konsul der bisherigen Republik zum Kaiser der Franzosen proklamierte. Am 2. Dezember fand in der Kathedrale von Nôtre-Dame die Krönung Napoleons I. statt. Im Jahr darauf nahm er den Titel eines Königs von Italien an.

Die Napoleonischen Kriege führten zu einer Veränderung der europäischen Staatenwelt: alte Reiche gingen unter, neue Staaten entstanden. Die Katastrophe des Russlandfeldzuges (1812) sowie die Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig (1813) läuteten den Niedergang seiner Herrschaft ein. 1814 rückten seine Feinde in Paris ein, und der Kaiser sah sich zur Abdankung gezwungen. Sein Exil auf der Insel Elba währte aber nur kurz – im März 1815 kehrte Napoleon nach Frankreich zurück und begründete seine „Herrschaft der 100 Tage“. Die europäischen Großmächte erklärten ihm den Krieg und besiegten ihn endgültig in der Schlacht bei Waterloo am 18. Juni 1815. Seiner zweiten Abdankung folgte die Verbannung auf die im Atlantik liegende britische Insel St. Helena, wo Napoleon I. 1821 starb.

Napoleon I. (1769 – 1821), Kaiser der Franzosen und König von Italien. Stich, Auguste Gaspard Louis Boucher-Desnoyers (1779 – 1857), nach François Pascal Simon Gérard (1770 – 1837), Frankreich, um 1808, Papier, Pappe, Holz, Glas (© Otto-von-Bismarck-Stiftung, Inventar-Nr.: O 2021/005)

 

Der Druck nach einem Staatsporträt von François Gérard zeigt den Kaiser der Franzosen im Krönungsornat mit Spitzenkrawatte, Hermelinmantel und der Kollane des Ordens der Ehrenlegion um den Hals. Er steht vor einem Thronsessel unter einem Baldachin. Die Bildsymbolik verbindet Napoleons Kaisertum mit der europäischen und französischen Geschichte. Der Lorbeerkranz auf Napoleons Haupt und das Adlerzepter verweisen auf die römischen Imperatoren, die Bienen auf dem Krönungsmantel und dem Teppich auf die fränkischen Merowinger, der Reichsapfel sowie die Form des Thrones auf den fränkischen Karolinger Karl den Großen (747/748 – 814). Schwert und „Hand der Gerechtigkeit“ verweisen auf die Rolle der französischen Könige als Inhaber der höchsten Gerichtsbarkeit. Das Bild ist von einer verzierten Bordüre umgeben, am unteren Rand ist es mit „NAPOLEON LE GRAND“ (Napoleon der Große) betitelt. Die Darstellung vereint Elemente absolutistischer Herrscherporträts mit Merkmalen griechisch-römischer Kunstformen, die dem Zeitalter des „Empire“ ihr Gepräge gaben.


Dieses besondere Exponat wurde in der Sonderausstellung „1870/71. Reichsgründung in Versailles“ gezeigt, der Katalog ist im Online-Shop und in unseren Ausstellungshäusern in Friedrichsruh erhältlich.

Zuvor erschienen: Das besondere Exponat: Anne Louise Germaine Baronin de Staël-Holstein