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Mit dem Eiffelturm schrieb die Dritte Französische Republik in moderner Form die Erzählung Frankreichs als Grande Nation fort. Abbildung: La Tour Eiffel et le Champ-de-Mars, Gemälde von Paul Louis Delance, 1889 (Quelle: Artvee / gemeinfrei)

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts zeigte die Dritte Französische Republik auch mit ihrer Baupolitik die Vorzüge einer demokratischen Ordnung auf: Statt strikter Vorgaben schuf sie den Rahmen für eine sich weiterentwickelnde Architektur und förderte auch das Kunsthandwerk.

PD Dr. Markus Dauss (Goethe-Universität Frankfurt am Main) stellt in seinem Vortrag „Architektur für die Nation?“ diese politische Flexibilität vor, die sich für die Stadtentwicklung in Paris bald als Vorzug erweisen sollte: Das bauliche Erbe der gestürzten Monarchie von Napoléon III. wurde zum größten Teil erhalten und damit auch das vom Pariser Präfekten Georges-Eugène Haussmann durchgesetzte Stadtbild – im Laufe der folgenden Jahre allerdings immer weiter angepasst an die Bedürfnisse von Gesellschaft und Wirtschaft. Zugleich wurden architektonische Innovationen möglich, die die Erzählung Frankreichs als Grande Nation fortschrieben und an die Moderne anpassten. Prominentestes Beispiel ist der Eiffelturm, errichtet 1889 im Rahmen der Weltausstellung, mit der das Land das 100. Jubiläum der Französischen Revolution feierte.

Der Vortrag gehört zum Rahmenprogramm der Sonderausstellung „1870/71. Reichsgründung in Versailles“, die bis zum 20. Februar 2022 im Bismarck-Museum und im Historischen Bahnhof Friedrichsruh zu sehen ist. Wir dokumentieren ihn auf unserem YouTube-Kanal, eine ausführliche Fassung zum Nachlesen findet sich in der Online-Zeitschrift Kunstgeschichte, die von der Universität Regensburg herausgegeben wird.