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Der Historikertag fand in diesem Jahr Anfang Oktober in München unter dem Titel „Deutungskämpfe“ statt. Die Politikergedenkstiftungen des Bundes haben sich mit der Diskussionsveranstaltung „Deutsche Staatsmänner postkolonial – eine geschichtspolitische Herausforderung“ beteiligt, moderiert wurde diese von Prof. Dr. Gabriele Metzler (Humboldt-Universität zu Berlin).

An der Diskussion nahmen teil: Mathilde Ackermann, Doktorandin, Universität Bielefeld; Dr. Thomas Hertfelder, Geschäftsführer der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus; Prof. Dr. Angelika Epple, Universität Bielefeld;
Prof. Dr. Ulrich Lappenküper, Geschäftsführer der Otto-von-Bismarck-Stiftung, und Dr. Wolfgang Schmidt, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung.

Ausgangspunkt der Debatte war die Kritik, die zivilgesellschaftliche Initiativen im bundesweiten Decolonize-Bündnis gegenüber Prof. Monika Grütters, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, an dem Projekt „100 Köpfe der Demokratie“ geübt haben. Das Projekt wird von ihr gefördert und unter dem Dach der Arbeitsgemeinschaft Orte der Demokratiegeschichte von der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus betreut. Die Kritik lautete sinngemäß unter anderem, wie Dr. Thomas Hertfelder rekapitulierte, es würden nur „weiße Köpfe“ sowie nur eine nationale Geschichtsschreibung präsentiert. Einen zweiten Ausgangpunkt bildeten die Auseinandersetzungen, die in Hamburg über den Fortbestand des Bismarck-Denkmals im Alten Elbpark geführt werden. Verschiedene Aktivistengruppen konzentrieren sich dabei mit ihrer Kritik am Kolonialismus und an dessen ihrer Ansicht nach ungenügender Aufarbeitung auf die Person des ersten Reichskanzlers und damit auch auf sein Denkmal.

Die Vertreter der Politikergedenkstiftungen nutzten die Diskussion zunächst für eine Selbstbefragung; sie zeigten die Rolle ihrer Namensgeber im kolonialen bzw. dekolonialen Kontext sowie die Beiträge ihrer Institutionen zum wissenschaftlichen Diskurs über Demokratie und Kolonialismus auf. Im weiteren Verlauf entspann sich eine lebhafte Debatte über die Schwierigkeiten, die wichtigen Referenzpunkte der Demokratiegeschichte – Nationalsozialismus und Kolonialismus – ohne Gleichsetzung in die wissenschaftliche Analyse zu integrieren. Die Veranstaltung war von dem Plädoyer geprägt, die Debatte über die Demokratiegeschichte, den Kolonialismus und die historischen Bezugsrahmen offen zu führen und in den Begrifflichkeiten weiterzuentwickeln. Betont wurde dabei die Notwendigkeit, politischen Aktivismus und Wissenschaft voneinander zu trennen.

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