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Diese Aufnahme von der westafrikanischen Küste gehört zu einer Bilderreihe, die das Hamburger Kolonialunternehmen Jantzen & Thormählen aufnehmen ließ. Gezeigt wird vor allem der eigene wirtschaftliche Erfolg (Archiv der Otto-von-Bismarck-Stiftung).

Ein besonderer fotografischer Fundus, der in unserem Archiv verwahrt wird, bebildert das fünfte Video der Reihe „Bismarck und seine Zeit“ über die Anfänge der deutschen Kolonialpolitik unter Reichskanzler Otto von Bismarck. Zu sehen sind Fotografien von der westafrikanischen Küste, die das Hamburger Kolonialunternehmen Jantzen & Thormählen aufnehmen ließ.

Wilhelm Jantzen (1839 – 1917) sammelte wie sein späterer Geschäftspartner Johann Thormählen (1842 – 1909) zunächst als Mitarbeiter der Firma C. Woermann erste Erfahrungen im afrikanischen Küstenhandel. 1866 ließ er sich zudem zum Konsul in Monrovia bestellen, zunächst für seine Heimatstadt Hamburg, dann für den neugegründeten Norddeutschen Bund. Ebenso wie Adolph Woermann, der seit 1874 Teilhaber der Firma C. Woermann war, trat Jantzen für die Gründung deutscher Kolonien ein – die Kolonialunternehmer sahen darin die beste Möglichkeit, ihre Geschäfte für sie selbst möglichst gewinnbringend abzusichern. Auf welche Resonanz sie damit bei Bismarck stießen, ist auch ein Thema des Videos.

Im November 1874 gründeten Jantzen und Thormählen ihr eigenes Unternehmen und etablierten an der westafrikanischen Küste mehrere Niederlassungen, sogenannte Faktoreien. Die Firma spezialisierte sich auf den Export von Palmöl und -kernen und bestritt in Laufe der 1870er-Jahren ein Viertel der Ein- und Ausfuhren Kameruns. Ein Kassenbuch, das diesen Handel belegt, wird in unserer Dauerausstellung „Otto von Bismarck und seine Zeit“ und ebenfalls im Video präsentiert.

Die Fotos bilden eine – vermeintlich – heile Welt ab; Jantzen & Thormählen zeigen vor allem ihre neuen Gebäude in ihren Niederlassungen und ein geschäftiges Treiben an der westafrikanischen Küste. Diese Aufnahmen werden um weitere aus dem tropischen Regenwald ergänzt, der vielen der zeitgenössischen Betrachter in Deutschland exotisch vorgekommen sein dürfte. Dieser einseitige Blick der Kaufleute vermittelt keinen Eindruck von den Lebensverhältnissen und der Unterdrückung der einheimischen Bevölkerung, die mit der Ansiedlung von Handelsunternehmen und der folgenden Umwandlung in Kolonialgebiete einherging.

Jantzen & Thormählen sollte trotz des zunächst florierenden Geschäftes aber noch vor dem Ende des Ersten Weltkriegs, das das Ende Deutschlands als Kolonialmacht bedeutete, aufgegeben werden. Johann Thormählen zog sich 1907 in den Ruhestand zurück, das Unternehmen wurde aufgelöst und Wilhelm Jantzen gründete noch einmal eine eigene Firma, der er bis zu seinem Tod 1917 fortführte.

 

 

Die biografischen Angaben über Wilhelm Jantzen sind seinem Eintrag in der Deutschen Biografie entnommen. Unsere Videoreihe finden Sie hier.