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130 gut gelaunte Gäste sind am vergangenen Freitag der gemeinsamen Einladung der Otto-von-Bismarck-Stiftung und ihres Fördervereins zum Neujahrsempfang gefolgt. Bevor sich alle zu anregenden Gesprächen in den Räumen unserer Dauerausstellung bei Häppchen und Getränken trafen, bot das Festprogramm in unserem Veranstaltungsraum im ersten Stock gute Nachrichten, Nachdenkliches und Musik, die für einen Augenblick besonders zu Herzen ging.

Weihbischof em. Dr. Hans-Jochen Jaschke, Norbert Brackmann und Dr. Rüdiger Kass (v.l.)

In seiner Begrüßung ließ Dr. Rüdiger Kass, Vorsitzender des Vorstands der Otto-von-Bismarck-Stiftung, das insgesamt für die Stiftung erfolgreiche Jahr Revue passieren. So erinnerte er an die wissenschaftliche Konferenz „1918 – Das Ende des Bismarck-Reiches?“, die im April 2019 in Kooperation mit der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München veranstaltet wurde. Insbesondere die Abschlussdiskussion mit dem Bismarck-Kenner Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, sei sehr anregend gewesen. Dr. Kass hob außerdem die jüngsten wissenschaftlichen Publikationen hervor, die 2019 unter dem Dach der Stiftung entstanden sind – die Monografie „Bismarck und Frankreich“ sowie den Sammelband „Staatsverständnisse“.

Prof. Dr. Ulrich Lappenküper (m.) im Gespräch mit Hans-Jürgen Reul (li) und Gerd Jülich.

Auch freute er sich über die große Resonanz auf die Vorträge und weiteren Veranstaltungen, die nicht nur in Friedrichsruh, sondern unter anderem auch in Schleswig, Lauenburg, Bad Kissingen, Bad Tölz und Bamberg angeboten wurden. Insgesamt konnten im vergangenen Jahr 20.000 Besucherinnen und Besucher begrüßt werden.

Hans-Jürgen Otto, Dirk Hansen und Dr. Ulf Morgenstern

Der Rückblick enthielt leider auch einen Wermutstropfen: Dr. Kass berichtete von dem „schwierigen Bemühen um eine gedeihliche Zusammenarbeit mit der Familie von Bismarck“. Bedauerlicherweise werde von dieser nach wie vor der Neubau eines Multifunktionsgebäudes am Sitz der Otto-von-Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh verhindert. Dadurch sei es unmöglich, die Räumlichkeiten neu zu organisieren und die längst eingeplante neue Dauerausstellung zu realisieren. Dr. Kass betonte nachdrücklich, dass die Familie von Bismarck damit die Zukunftsfähigkeit der Stiftung gefährde, obwohl sie doch an dem Erhalt des Gedenkens an Otto von Bismarck interessiert sein sollte.

Empfang in den Räumen der Dauerausstellung (1)

Der Vorstandvorsitzende rundete seine Worte mit einem Ausblick nicht nur auf das Jahr 2020, sondern auf das ganze kommende Jahrzehnt ab: Er wünsche sich angesichts der großen Herausforderungen etwa durch den Klimawandel, die Migrationsbewegungen und die Digitalisierung politische Vernunft und warne davor, „den falschen Propheten zu folgen“. Für unsere Gesellschaft sei es derzeit die vielleicht größte

Herausforderung, unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung zu schützen und zu verteidigen. Dr. Kass betonte, dass selbstverständlich auch die Otto-von-Bismarck-Stiftung mit ihrer politisch-historischen Bildungsarbeit dazu ihren Beitrag leiste.

Der Vorsitzende des Fördervereins, der Bundestagsabgeordnete Norbert Brackmann, nahm die Überlegungen über die Rolle der Otto-von-Bismarck-Stiftung auf und fragte dabei zunächst nach der Bedeutung des ersten Reichskanzlers für die Politik der Gegenwart. Zwar ließen sich Zitate finden, die wenig von ihrer Gültigkeit verloren hätten – so zum Beispiel „Die Fähigkeit zu warten, während die Verhältnisse sich entwickeln, ist eine Vorbedingung practischer Politik“ aus dem Jahr 1869. Für ein Deutschland, das fest in Europa integriert sei, könnten aber keine direkten Handlungsanweisungen aus der Politik Bismarcks mehr abgeleitet werden. Mit der

Empfang in den Räumen der Dauerausstellung (2)

Erforschung und Vermittlung der historischen Erfahrungen seiner Zeit, in denen in Räumen der Macht und in Einflusssphären gedacht worden sei, helfe die Otto-von-Bismarck-Stiftung dennoch dabei, mit heutigen Problemen „ein Stück weit weiser“ umgehen zu können.

Den Festvortrag hielt im Anschluss Weihbischof em. Dr. Hans-Jochen Jaschke (Hamburg), der sich lange Jahre intensiv für einen interreligiösen Dialog eingesetzt hat. Zu Beginn seiner Ausführungen über eine „Religion mit Zukunft – im Raum der Freiheit, im Dialog der Religionen“ berichtete er von seinen persönlichen Gesprächen mit jungen Imamen und deren Schwierigkeiten, die Rolle der Religion in einem säkularen Staat zu verstehen. Der interreligiöse Dialog solle, so Dr. Jaschke, den Frieden und „die Leidenschaft für Gott“ fördern. In seinen weiteren Ausführungen zeigte er entlang einiger Zitate verschiedener Philosophen und

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Theologen die Bedeutung der Religion in der modernen Gesellschaft auf. Dabei verwies er auch auf ein Wort seines Doktorvaters Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI.: Die Vernunft müsse als Korrektiv der Religion dienen, damit diese eine humane Gestalt gewinne.

Mathis und Jonna Simon gestalteten das musikalische
Rahmenprogramm.

Musikalisch begleitet wurden die Reden und Vorträge von den Reinbeker Geschwistern Mathis (Gesang) und Jonna Simon (Gitarre). Der 14jährige Mathis besucht das Gymnasium Wentorf und singt im Kinder- und Jugendchor der Staatsoper Hamburg, im vergangenen Jahr gewann er im Landeswettbewerb von „Jugend musiziert“ einen ersten Platz, im Bundeswettbewerb einen dritten. Seine 16jährige Schwester Jonna besucht das Musikprofil der Gemeinschaftsschule Glinde. Gemeinsam trugen sie moderne Klassiker wie „What a wonderful world“ vor. Bei „Auld Lang Syne“ begannen die Gäste mitzusummen und als Mathis kurz stockte, freuten sich alle, ihn unterstützen zu können und sangen fröhlich mit.