Schlagwortarchiv für: Frankfurt am Main

Von 1815 bis 1866 trafen in Frankfurt am Main wie in keiner anderen Stadt deutsche und europäische Diplomaten aufeinander. Sie waren bei der Bundesversammlung, dem ständig tagenden Gesandtenkongress des Deutschen Bundes, akkreditiert, wohnten oftmals nur wenige Gehminuten voneinander entfernt und feierten zusammen auf Bällen. Unsere wissenschaftliche Mitarbeiterin Luisa Götz erläutert in ihrem Vortrag zunächst die außenpolitische Bedeutung des Deutschen Bundes und die Zusammensetzung der Bundesversammlung. Die Nachbarschaften der Diplomaten werden dann auf historischen Stadtplänen veranschaulicht. Deutlich wird, dass insbesondere kleine Fürstentümer, die sich keine eigenen Gesandten in anderen Ländern leisten konnten, von dieser räumlichen Nähe politisch profitierten.

Startbild unter Verwendung von: „Ansicht des Römerbergs, um 1840“, in: Historische Ortsansichten, Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0

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Drei Briefe mit Blickfang

„Heute umarme ich mein geliebtes Marien Kind speziell innig u herzlich u sende durch Ihre weichen Ärmchen die anderen Umarmungen rundumher […]. Sie sind ja Alle mein Herzens Geliebtes u so viel, wie ich, denkt kein Mensch an Sie.“ So schreibt Johanna von Bismarck überaus reizend in einem Brief aus dem Jahr 1859 an die 19-jährige Marie Becker.

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Luisa Götz nahm ihr Publikum mit in das historische Frankfurt am Main, in dem Bismarck mit seiner Familie als Diplomat lebte.

1851 wurde Otto von Bismarck zunächst als Legationsrat, bald darauf als preußischer Bundestagsgesandter nach Frankfurt am Main entsandt. Die Satirezeitschrift Kladderadatsch witzelte am 18. Mai des Jahres: „Herr von Bismarck-Schönhausen an den Bundestag geschickt. Sofern er wirklich geschickt ist, wird dort Herr von Bismarck schön hausen!“ Aber wo „hauste“ Bismarck in seiner Frankfurter Zeit? Dieser Frage ging Luisa Götz, unsere neue wissenschaftliche Mitarbeiterin am Standort Schönhausen, in ihrem Vortrag am Internationalen Museumstag 2025 nach.

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Die Mitglieder der AG Orte der Demokratiegeschichte haben sich in diesem Jahr in Frankfurt am Main getroffen (Foto: GEDG)

Die Mitglieder der AG Orte der Demokratiegeschichte haben sich in der vergangenen Woche zu ihrer Jahrestagung im Historischen Museum Frankfurt am Main getroffen. Für die Otto-von-Bismarck-Stiftung hat ihr wissenschaftlicher Mitarbeiter Dr. Ulf Morgenstern teilgenommen.

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Schlagwortarchiv für: Frankfurt am Main

Bis heute gilt die 1848er-Revolution als ein Meilenstein der deutschen Demokratiegeschichte. Vielerorts wurde die Unzufriedenheit mit dem repressiven, restaurativen und staatenbündischen System des Deutschen Bundes laut. Frankfurt am Main, der bisherige Sitz der Bundesversammlung, nahm nicht nur im Hinblick auf die erste deutsche Nationalversammlung eine zentrale Rolle in der Revolutionsgeschichte ein. Vielmehr verdichteten sich dort seit Februar 1848 alle Nachrichten aus dem In- und Ausland über die verschiedenen Revolutionsereignisse.

Die Herausforderung bestand darin, den Überblick über die zahlreichen gleichzeitig aufflammenden Unruheherde zu behalten – eine Aufgabe, die nun ausgerechnet den Bundestagsgesandten zufiel. Über Reisende und Presse, über Kollegen und andere Frankfurter Bekannte sowie nicht zuletzt durch ihre Fürsten waren die Diplomaten bestens über alle regionalen, deutschen und internationalen Entwicklungen informiert. Inwiefern Frankfurt damit zu einem Nachrichtenzentrum der Revolution wurde, zeigt unsere wissenschaftliche Mitarbeiterin Luisa Götz in ihrem Vortrag anlässlich des Tags der Demokratiegeschichte.

Der bundesweite Tag der Demokratiegeschichte findet am 18. März 2026 erstmals bundesweit statt, die Schirmherrschaft hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übernommen. In dem Aufruf der Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte und der AG heißt es:
Der 18. März ist ein bedeutendes Datum der deutschen Demokratiegeschichte. Am 18. März 1793 erklärte der rheinisch-deutsche Nationalkonvent die Volkssouveränität und gründete die Mainzer Republik, ein frühes Beispiel teil-demokratischer, parlamentarischer Selbstverwaltung. 55 Jahre später, am 18. März 1848, führten die Barrikadenkämpfe in Berlin zur Märzrevolution, einem zentralen Moment des Kampfes für politische Mitbestimmung. Am 18. März 1920 ist nach einem reichsweiten Generalstreik der Kapp-Putsch gegen die junge Weimarer Republik endgültig gescheitert und der 18. März 1990 markiert im Zuge der Friedlichen Revolution die erste und einzige freie Wahl zur Volkskammer der DDR. Der 18. März eignet sich daher wohl wie kein anderer Tag, um an die wechselvolle Demokratiegeschichte Deutschlands zu erinnern.


Abb.: Das Taxis’sche Palais, Stahlstich von Wilhelm Lang, 1845, in: Jakob Fürchtegott Dielmann, Album der interessantesten und schönsten Ansichten alter und neuer Zeit. 2. Auflage. Verlag Carl Jügel, Frankfurt am Main 1848. – Das Palais diente als Sitz der Bundesversammlung.

Der Eintritt ist frei.