Im geruhsamen Zweibrücken (s. unser Bild) hat man ein entspanntes Verhältnis zum Bismarckdenkmal. Es wurde 1894 errichtet, steht also schon mehr als 120 Jahre ohne großes Aufsehen im Zentrum der einst bayerischen Stadt. Es hat aber auch turbulente Zeiten erlebt.

An seinem Standort am Herzogsplatz, in Sichtweite des Rathauses und des Landgerichts, zog es Anfang der 1970er-Jahre den Zorn von angereisten Protestlern auf sich. Diese kamen aus der 68er-Hochburg Frankfurt, um lautstark gegen einen Prozess am Landgericht zu demonstrieren, der dort gegen zwei Mitglieder der Black-Panther-Bewegung geführt wurde. Am Rande der Demonstrationen wurde die Bismarck-Statue erstiegen und mit Farbe beschmiert.

Zusätzlich wurde Bismarck ein Plakat mit der Aufschrift „100 Jahre Bismarck, hundert Jahre Ausbeutung, 100 Jahre Scheißdreck“ umgehängt – immerhin, das Datum der Reichsgründung war den Bürgersöhnen noch bekannt. Beherzte Zweibrückener nahmen es dann ab, der Prozess ging zu Ende, die Frankfurter Spontis fuhren heim und der Pulverdampf verzog sich.*

Nun erfährt der Zweibrückener Bismarck wieder eine Aneignung ganz eigener Art. Friedlich und ohne Schaum vor dem Mund wird er seit einer Woche von Abiturienten des Zweibrückener Helmholtz-Gymnasiums täglich neu eingekleidet. Die Kleider-Wahl ist, nun ja, gewagt. Und eine Kollektion verschwand auch schon über Nacht. Ob sich wie vor 50 Jahren ein empörter Bürger der Stadt an dem Anblick gestört hat?

Wir empfehlen: Locker bleiben und die Kunstaktion als solche betrachten. Und im Anschluss vielleicht ein wenig über Bismarck und die Verwerfungen des 20. Jahrhunderts nachdenken.

*Siehe zu den linksradikalen Hintergründen und Verbindungen zur ostdeutschen Staatssicherheit: Jochen Staadt, Die Flucht des Schwarzen Panthers. Im Kofferraum von Frankfurt via GÜST-Marienborn nach Afrika, in: Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat 24 (2008), S. 86-95, Zitat S. 93.

Endlich sind sie da: 94 neu erworbene Ehrenbürgerbriefe für Bismarck! Einst sind sie Bismarck von Städten und Gemeinden aus ganz Deutschland als kunstvoll gestaltete Urkunden der verliehenen Ehrenbürgerwürden geschenkt worden. Nun kehren sie nach Friedrichsruh zurück.

Nach Bismarcks Tod 1898 wurden der Großteil der Ehrenbürgerbriefe im Bismarck-Museum in Schönhausen ausgestellt bzw. magaziniert. Während der sowjetischen Besatzung wurden sie wie viele andere Objekte verstreut. Ein Teil blieb im Besitz der Familie und gelangte ins Bismarck-Museum in Friedrichsruh, ein anderer Teil wurde in Wernigerode im „Feudalmuseum“ der DDR aufbewahrt.

Diese 94 Objekte sind nach ihrer Restitution an den Familienverband der Nachkommen Otto von Bismarcks durch Mittel der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien für die Otto-von-Bismarck-Stiftung angekauft worden und heute hier eingetroffen. Der Bestand ist nach Jahrzehnten wieder zusammengeführt.

Wir freuen uns über diese Rückkehr nach Friedrichsruh, die einen bedeutenden Zuwachs unserer Bestände bedeutet. Wen stört da der graue Himmel über dem Sachsenwald?!

In der beliebten Sendung „Bares für Rares“ wird so ziemlich alles verkauft, was alt und vermeintlich wertvoll ist.

In der letzten Ausgabe wechselte eine Bismarck-Büste den (historisch nicht übermäßig informierten) Besitzer.

Wer Näheres über das Objekt und den Preis wissen möchte, kann in der ZDF-Mediathek den Beitrag nachschauen.

Kleiner Tipp: Das Objekt ist seit mehr als 100 Jahren wertstabil.

Unsere Abbildung zeigt natürlich nicht Bismarck, sondern einen anderen Bartträger mit hohem Wiedererkennungswert, den Moderator der Sendung Horst Lichter. Auch ihn könnte man als Büste verewigen ….

 

Was bei vielen den Geruch von Staub und das Gefühl von Langeweile aufkommen lässt, bedeutet für Verwaltungsbeamte, Archivare und vor allem für Historiker das höchste Lob: „intime Vertrautheit mit den Akten“!

Diese bescheinigt eine Rezension unserem wissenschaftlichen Beirat und Herausgeber der Neuen Friedrichsruher Ausgabe Konrad Canis für sein neues Buch über Österreich-Ungarn nach 1867.

Obwohl nicht unkritisch und auf Schwächen hinweisend, ist die Besprechung voller Anerkennung für die auf enormer Quellenarbeit  basierende Syntheseleistung.

Wir finden: Eine lesenswerte Rezension eines lesenswerten Buches.

Auch nach knapp einer Woche freuen wir uns sehr über ein außergewöhnliches Geschenk. Ernst von Bismarck (links), der Vorsitzende des Familienverbandes, händigte die Spende an den Vorsitzenden des Vorstands der Otto-von-Bismarck-Stiftung, Dr. Rüdiger Kass, aus.

Ernst von Bismarck überbrachte die Briefe im Namen des mit ihm befreundeten großzügigen Spenders Jost Reinhold. Dieser hatte die Briefe ersteigert und nun der Bismarck-Stiftung übereignet, wo sie Archiv und Sammlung bereichern. Selbstverständlich werden die Dokumente in unsere Bismarck-Edition, die Neue Friedrichsruher Ausgabe, einbezogen.

Zunächst: Herzlichen Dank!!!!

Im Einzelnen handelt es sich im 13 Stücke. Zwölf Briefe an seinen Jugendfreund Scharlach zeigen einen Blick in die Gedankenwelt und Schreibpraxis des jungen Bismarck. Ein Geburtstagsbrief an die Kaiserwitwe aus dem Jahr 1888 offenbart den diplomatischen Routinier im Alter.

Während die Jugendbriefe am Beginn des 20. Jahrhunderts einmal in gedruckter Form in die Öffentlichkeit kamen und dann für mehr als ein Jahrhundert in wechselndem Privatbesitz verschwanden, ist der ebenfalls eigenhändige Brief an Augusta bisher unbekannt.

Allesamt also Leckerbissen für die Bismarck-Forschung! Daher nochmals: Herzlichen Dank!

In einem freundlichen Beitrag, weist die Magdeburger Volksstimme auf die Umgestaltung eines Ausstellungsraums des Bismarck-Museums in Schönhausen hin.

Dort wurden Leerstellen im Abschnitt zur Reichskanzlerschaft geschlossen, die nach einer Restitution entstanden waren. Zu sehen sind nun historische Fotografien, auf denen Bismarck und andere Parlamentarier abgebildet sind.

Wir finden: Ein Grund mehr, eine Reise in Altmark zu machen!