Was bei vielen den Geruch von Staub und das Gefühl von Langeweile aufkommen lässt, bedeutet für Verwaltungsbeamte, Archivare und vor allem für Historiker das höchste Lob: „intime Vertrautheit mit den Akten“!

Diese bescheinigt eine Rezension unserem wissenschaftlichen Beirat und Herausgeber der Neuen Friedrichsruher Ausgabe Konrad Canis für sein neues Buch über Österreich-Ungarn nach 1867.

Obwohl nicht unkritisch und auf Schwächen hinweisend, ist die Besprechung voller Anerkennung für die auf enormer Quellenarbeit  basierende Syntheseleistung.

Wir finden: Eine lesenswerte Rezension eines lesenswerten Buches.

Auch nach knapp einer Woche freuen wir uns sehr über ein außergewöhnliches Geschenk. Ernst von Bismarck (links), der Vorsitzende des Familienverbandes, händigte die Spende an den Vorsitzenden des Vorstands der Otto-von-Bismarck-Stiftung, Dr. Rüdiger Kass, aus.

Ernst von Bismarck überbrachte die Briefe im Namen des mit ihm befreundeten großzügigen Spenders Jost Reinhold. Dieser hatte die Briefe ersteigert und nun der Bismarck-Stiftung übereignet, wo sie Archiv und Sammlung bereichern. Selbstverständlich werden die Dokumente in unsere Bismarck-Edition, die Neue Friedrichsruher Ausgabe, einbezogen.

Zunächst: Herzlichen Dank!!!!

Im Einzelnen handelt es sich im 13 Stücke. Zwölf Briefe an seinen Jugendfreund Scharlach zeigen einen Blick in die Gedankenwelt und Schreibpraxis des jungen Bismarck. Ein Geburtstagsbrief an die Kaiserwitwe aus dem Jahr 1888 offenbart den diplomatischen Routinier im Alter.

Während die Jugendbriefe am Beginn des 20. Jahrhunderts einmal in gedruckter Form in die Öffentlichkeit kamen und dann für mehr als ein Jahrhundert in wechselndem Privatbesitz verschwanden, ist der ebenfalls eigenhändige Brief an Augusta bisher unbekannt.

Allesamt also Leckerbissen für die Bismarck-Forschung! Daher nochmals: Herzlichen Dank!

In einem freundlichen Beitrag, weist die Magdeburger Volksstimme auf die Umgestaltung eines Ausstellungsraums des Bismarck-Museums in Schönhausen hin.

Dort wurden Leerstellen im Abschnitt zur Reichskanzlerschaft geschlossen, die nach einer Restitution entstanden waren. Zu sehen sind nun historische Fotografien, auf denen Bismarck und andere Parlamentarier abgebildet sind.

Wir finden: Ein Grund mehr, eine Reise in Altmark zu machen!

Wer schon zu Lebzeiten als „eiserner Kanzler“ bezeichnet wird und selbst von „Eisen und Blut“ als jenen Mitteln spricht, mit denen „die großen Fragen der Zeit entschieden“ würden, der muss sich nicht wundern, wenn er posthum zum Namensgeber einer Heavy-Metal-Band wird.

Das haben sich offenbar fünf lärmfreudige Musiker aus dem norwegischen Bergen gedacht. Unter dem Namen  „Bismarck“ schrammeln sie eher gemütlich als laut vor sich hin.

Musikalisch ist das nach Auskunft der Fachpresse eher solide und keine Innovation. Die Einschätzung der textlichen Qualität mag beurteilen, wer hier einen Unterschied zwischen Englisch und irgendeiner anderen Sprache hört.

Aber ungeachtet solcher Finessen ist es amüsant, dass das alte Ehrregime des vormodernen Bismarck-Mythos‘, als alles mögliche nach dem Gründer des deutschen Kaiserreichs benannt wurde, hier einen späten Ausläufer hat. Klar heißt das Album dann auch bedeutungs- und metaphernschwer „Urkaft“. Uns gruselt’s!

„Geschichte wird gemacht“: Musikhistorisch Interessierte kennen diesen indikativen Dreiwortsatz aus einem Ohrwurm der frühen 1980er Jahre. „Fehlfarben“ hieß die Band, „Ein Jahr (es geht voran)“ der Song und „Monarchie und Alltag“ das Album.

„Monarchie und Alltag“, ausgerechnet! Denn das tagtägliche „Machen von Geschichte“, das hier als die Arbeit eines Historikers vorgestellt werden soll, ist zufällig ein Stück Forschung über das deutsche Kaiserreich. Und zwar ein ganz besonderes. Aber der Reihenfolge nach ….

Wie alle fertigen Produkte stehen Bücher irgendwann im Laden. Das ist bei wissenschaftlichen Werken nicht anders, auch wenn sich deren Verkaufszahlen in engen Grenzen halten. Der Forscher hat sein Manuskript abgeschlossen, der Verlag mehr oder weniger kritische Blicke darauf geworfen, die Druckerei hat den Auftrag erledigt und die Kritiker wetzen die Messer. Wie ein Buch entstanden ist, unter welchen Bedingungen recherchiert wurde, wo und wie schnell geschrieben, verworfen und wieder neu geschrieben wurde, das ist für die spätere Rezeption meist uninteressant. Allenfalls bei zu Klassikern gewordenen Büchern schaut die Historiographie-Geschichte im Abstand von Jahrzehnten nach den Entstehungsbedingungen, wobei damit eher die intellektuellen Einflüsse auf den Autor als dessen tagesaktuelle Befindlichkeiten gemeint sind.

Und doch weiß jeder, wie wichtig die Tagesform, das private Umfeld, die Gesundheit und sogar das Wetter für den Fortgang eines Forschungsprozesses sind. Sich selbst kann man nicht objektiv über die Schulter schauen, bei befreundeten Kollegen will man das mitunter gar nicht so genau. Oder doch?

Eine wunderbare Möglichkeit, einem Historiker beim „Machen von Geschichte“, sprich bei seiner Arbeit zu zuschauen, bietet der Blog des Australiers Matthew Fitzpatrick. Der ausgewiesene Experte für die deutsche Geschichte des 19. Jahrhunderts in ihren weltweiten Vernetzungen lehrt an der Flinders Universiät im südaustralischen Adelaide. Immer wieder kommt er für seine Forschungen nach Deutschland, da ein Gutteil der Quellen für seine Studien in deutschen Archiven liegen.  Im Moment lebt er (mit seiner Familie!, ja auch die entsagungsvollen Schreibtischarbeiter haben gelegentlich Familie) in Münster.

In einem work-in-progress-Blog kann man ihm und dem Entstehen seiner Gedanken zu seinem neuen Buch folgen und in kurzweiligen Einträgen sehen, wie das Projekt eines Australiers in Deutschland wächst und wächst. Er schreibt darin über Bahnfahrten, Archivrecherchen, das Grübeln über längst vergangene Ordensverleihungen, aber auch über Spaziergänge zu Denkmälern: Solche und andere scheinbare Banalitäten fügen sich zu einem spannenden wissenschaftlichen Itinerar zusammen. An dessen Ende soll ein Buch über „Wilhelm II. und die Kolonien“ stehen, zumindest ist das bislang der Arbeitstitel.

Ist ein solcher Blog nun Geschichtswissenschaft 2.0? Oder sogar 3.0.? Und schlicht „Public Historiography“? Oder als Meta-Geschichtsschreibung eine Art Selbstbespiegelung? Am ehesten ist es eine Mischung aus allem, und zwar im positivsten Sinne. Im Zeitalter von geistlosen Influencern, die Handtaschen und Peeling-Cremes empfehlen, tut diese Baustellenkamera an der Werkbank eines Wissenschaftlers unheimlich gut. Sie fängt seriöses Arbeiten ein. Im Zeitraffer entsteht hier ein Buch, „Geschichte wird gemacht“.

Bei den Fehlfarben war der Präsident an allem schuld. Ob das bei Fitzpatrick nach einigen Monaten „Monarchie und Alltag“ der Kaiser sein wird? Wir dürfen gespannt sein ….