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Vor 200 Jahren wurde ein Monarchenpaar geboren, das eine Schlüsselrolle beim Überleben und bei der Neuerfindung der europäischen Monachie spielen sollte. Im Mai 1819 kam die spätere Königin des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland (und Kaiserin von Indien) zur Welt, im August 1819 ihr späterer Ehemann Albert von Sachsen-Coburg und Gotha.

Einerseits inszenierten sich die seit 1840 Verheirateten als monarchische Familie. Anderseits knüpfte das öffentliche Rollenmodell des Paars an bürgerliche Sehgewohnheiten an und prägte diese tiefgreifend. Vor allem die trauernde Witwe drückte einer ganzen Epoche den Stempel auf: Dem victorianischen Zeitalter.

Vom Regierungsatritt der jungen Victoria 1837 bis zu ihrem Tod 1901 sah sie die Premierminister kommen und gehen, das Empire wachsen und die sozialen Spannungen steigen. Auf dem Kontinent konnten nur der österreichische Kaiser Franz Joseph (reg. 1848 bis 1916) und Otto von Bismarck (reg. 1862/1871 bis 1890) auf ähnlich lange Zeiten an der Staatsspitze zurückschauen.

Victoria und Albert waren in vielfacher Hinsicht ein britisch-deutsches Paar (auf unserem Bild ist Victoria 1844 mit ihrer gleichnamigen Tochter, der späteren Mutter Kaiser Wilhelms II. zu sehen). Daher sammelt die deutsche Botschaft in London die zahlreichen Aktivitäten, mit denen gegenwärtig an Victoria und Albert erinnert wird. Wer also eine Reise ins politisch gebeutelte UK plant, kann sich hier über Ausstellungen und vieles mehr informieren.  Es gibt tatsächlich Neues, Privates zu entdecken.

Wir sagen: Alles Gute zum 200. – whatever the weather!

Im Rahmen des London Review of Books Winters hat unser wissenschaftlicher Beirat Christopher Clark einen Vortrag über die 1848er-Revolutionen gehalten.

Einen Mitschnitt gibt es bei youtube. Wir empfehlen diese lehrreiche und rhetorisch brillante Stunde mit Sir Christopher.

Es müssen ja nicht immer Tatorte aus Münster oder Miniserien bei Netflix sein!

Meist habe „Bismarck“ nur faul in der Sonne gelegen und stellte eher für Schildkröten als für Menschen eine Gefahr dar: Die Rede ist nicht vom einstigen Reichskanzler, sondern von einem australischen Salzwasserkrokodil, das nach Otto von Bismarck benannt wurde. Das Tier fiel nun Wilderern zum Opfer, wie der Bayerische Rundfunk berichtet.

Umbenennungen von Verkehrsflächen im öffentlichen Raum sind nichts Neues. Nach Systemwechseln werden sie im großen Stil durchgeführt. Man denke nur an den Personenkult im Dritten Reich und  in der DDR und sein jeweiliges Verschwinden nach dem Ende der Diktaturen.

In unaufgeregteren Zeiten wird über Umbenennungen immer dann in Gemeindegremien diskutiert, wenn nach dem Tod einer ehrenwerten Person der Ort gesucht wird, der den Verdiensten gerecht wird. Im SPD-regierten Leipzig der 1990-ger Jahre bekam Willy Brandt auf diese Weise einen Platz in der Innenstadt, Konrad Adenauer wurde hingegen an die Peripherie verwiesen. In München heißt der Flughafen nach dem legendären CSU-Landesvater, Hamburg hat an gleicher Stelle für Helmut Schmidt nachgezogen, nur die Berliner Namensweihe für den Bürgermeister Brandt lässt auf sich warten. Darüber könnte man sich aufregen.

Aufregungen gibt es aber auch auf anderen Feldern. In die Kritik geraten sind nämlich etliche Benennungen nach Figuren aus dem Kaiserreich. Anlass ist die Verstrickung in koloniale Verbrechen bei einst als Forscher, Entdecker oder Kriegsherren geschätzten Personen. In etlichen deutschen Städten sind Paul von Lettow-Vorbeck und Lothar von Trotha verschwunden, weil man ihre Taten heute als Untaten bewertet. Etliche andere Namen sind in der Diskussion.

Zuletzt ist auch der vermeintliche Weltkriegsheld Hindenburg ins Zentrum einer solchen Kritik geraten. Seine unheilvolle Rolle als Reichspräsident am Ende der ersten deutschen Republik wird vielerorts als unverträglich mit dem demokratischen Grundverständnis der Gegenwart empfunden.

Münster und Kiel haben sich Hindenburgs entledigt. Bad Tölz ist einen anderen, deutlich differenzierteren Weg gegangen. Dort hat man Hindenburg die Ehrenbürgerwürde aberkannt, seinen Namen hingegen nicht von der prominent gelegenen Straße in der Innenstadt getilgt. Wer sich anschauen möchte, wie mit historischem Sachverstand und politischem Augenmaß mit dem problematischen General umgegangen wird, kann das auf der dazugehörigen Projektseite tun. Oder den Koffer packen und sich die Dinge vor Ort anschauen. Die Vorteile eines Kurorts gibt’s zur historischen Bildung gratis dazu.

Im geruhsamen Zweibrücken (s. unser Bild) hat man ein entspanntes Verhältnis zum Bismarckdenkmal. Es wurde 1894 errichtet, steht also schon mehr als 120 Jahre ohne großes Aufsehen im Zentrum der einst bayerischen Stadt. Es hat aber auch turbulente Zeiten erlebt.

An seinem Standort am Herzogsplatz, in Sichtweite des Rathauses und des Landgerichts, zog es Anfang der 1970-ger Jahre den Zorn von angereisten Protestlern auf sich. Diese kamen aus der 68-ger-Hochburg Frankfurt, um lautstark gegen einen Prozess am Landgericht zu demonstrieren, der dort gegen zwei Mitglieder der Black-Panther-Bewegung geführt wurde. Am Rande der Demonstrationen wurde die Bismarck-Statue erstiegen und mit Farbe beschmiert.

Zusätzlich wurde Bismarck ein Plakat mit der Aufschrift „100 Jahre Bismarck, hundert Jahre Ausbeutung, 100 Jahre Scheißdreck“ umgehängt – immerhin, das Datum der Reichsgründung war den Bürgersöhnen noch bekannt. Beherzte Zweibrückener nahmen es dann ab, der Prozess ging zu Ende, die Frankfurter Spontis fuhren heim und der Pulverdampf verzog sich.*

Nun erfährt der Zweibrückener Bismarck wieder eine Aneignung ganz eigener Art. Friedlich und ohne Schaum vor dem Mund wird er seit einer Woche von Abiturienten des Zweibrückener Helmholtz-Gymnasiums täglich neu eingekleidet. Die Kleider-Wahl ist, nun ja, gewagt. Und eine Kollektion verschwand auch schon über Nacht. Ob sich wie vor 50 Jahren ein empörter Bürger der Stadt an dem Anblick gestört hat?

Wir empfehlen: Locker bleiben und die Kunstaktion als solche betrachten. Und im Anschluss vielleicht ein wenig über Bismarck und die Verwerfungen des 20. Jahrhunderts nachdenken.

*Siehe zu den linksradikalen Hintergründen und Verbindungen zur ostdeutschen Staatssicherheit: Jochen Staadt, Die Flucht des Schwarzen Panthers. Im Kofferraum von Frankfurt via GÜST-Marienborn nach Afrika, in: Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat 24 (2008), S. 86-95, Zitat S. 93.

Endlich sind sie da: 94 neu erworbene Ehrenbürgerbriefe für Bismarck! Einst sind sie Bismarck von Städten und Gemeinden aus ganz Deutschland als kunstvoll gestaltete Urkunden der verliehenen Ehrenbürgerwürden geschenkt worden. Nun kehren sie nach Friedrichsruh zurück.

Nach Bismarcks Tod 1898 wurden der Großteil der Ehrenbürgerbriefe im Bismarck-Museum in Schönhausen ausgestellt bzw. magaziniert. Während der sowjetischen Besatzung wurden sie wie viele andere Objekte verstreut. Ein Teil blieb im Besitz der Familie und gelangte ins Bismarck-Museum in Friedrichsruh, ein anderer Teil wurde in Wernigerode im „Feudalmuseum“ der DDR aufbewahrt.

Diese 94 Objekte sind nach ihrer Restitution an den Familienverband der Nachkommen Otto von Bismarcks durch Mittel der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien für die Otto-von-Bismarck-Stiftung angekauft worden und heute hier eingetroffen. Der Bestand ist nach Jahrzehnten wieder zusammengeführt.

Wir freuen uns über diese Rückkehr nach Friedrichsruh, die einen bedeutenden Zuwachs unserer Bestände bedeutet. Wen stört da der graue Himmel über dem Sachsenwald?!

Objekt: Christus-Orden, mit Brillanten Material: Gold, Email, Steine, Textil Kleinod (98x43x11), Schulterband (107×830), Inventar-Nr.: O 022 (258)

Text: Maximilian Schiermoch

Der dem reichen Inventar des Bismarck-Museums zugehörige Orden der Christusritter, lat. Ordo Supremus Militia Domini Nostri Iesu Christi, ist ein einklassiger Ritterorden des Heiligen Stuhls und der höchste päpstliche Orden für Zivil- und Militärverdienste. Papst Leo XIII. verlieh am 31. Dezember 1885 den Christus-Orden Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck, dem bis dato einzigen protestantischen Träger dieses Ordens.

Der Christus-Orden entstand aus dem ehemaligen portugiesischen Tempelherren-Orden. Dieser wurde nach der Verfolgung der Tempelherren-Ordensmitglieder durch König Philipp den Schönen von Frankreich von Papst Clemens V. im Jahre 1312 aufgehoben. 1317 stiftete König Dionysius von Portugal den Tempelherren-Orden als „Christus-Orden“ neu. Unter der Bedingung, dass neben dem portugiesischen König der Papst ebenfalls das Recht habe, den Orden zu verleihen[1], bestätigte Papst Johannes XXII. die Neustiftung des Ordens am 14. März 1319.[2] Die von Portugal gänzlich unabhängige Existenz des päpstlichen Zweiges begann mit der Gründung einer branca genannten und auch Nichtadelige aufnehmenden Künstlergemeinschaft unter den Päpsten Paul V. (Pontifikat 1605-1621) und Gregor XV. (Pontifikat 1621-1623).[3] Im Zuge einer am 7. Februar 1905 vollzogenen Reorganisation des gesamten päpstlichen Ordenswesens bestätigte Pius X. (Pontifikat 1903-1914) den Orden als – bereits von Leo XIII. (Pontifikat 1878-1903) anerkannten – höchsten päpstlichen Orden. Seitdem ist eine Verleihung für Staatsoberhäupter, hervorragende Staatsmänner und höchste päpstliche Würdenträger vorgesehen.[4] Nach einer weiteren Reform im Jahre 1966 unter Paul VI. (Pontifikat 1963-1978) wird der Orden ausschließlich an Staatsoberhäupter christlichen Glaubens während einer vom Papst persönlich beigewohnten Investitur-Zeremoniale verliehen. In dieser legt der Ordensritter das ausführliche Glaubensbekenntnis ab und verspricht, ein tugend- und beispielhaftes Leben zu führen.[5]

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In der beliebten Sendung „Bares für Rares“ wird so ziemlich alles verkauft, was alt und vermeintlich wertvoll ist.

In der letzten Ausgabe wechselte eine Bismarck-Büste den (historisch nicht übermäßig informierten) Besitzer.

Wer Näheres über das Objekt und den Preis wissen möchte, kann in der ZDF-Mediathek den Beitrag nachschauen.

Kleiner Tipp: Das Objekt ist seit mehr als 100 Jahren wertstabil.

Unsere Abbildung zeigt natürlich nicht Bismarck, sondern einen anderen Bartträger mit hohem Wiedererkennungswert, den Moderator der Sendung Horst Lichter. Auch ihn könnte man als Büste verewigen ….

 

Das zumindest beabsichtigte 1866 ein junger Mann, der ein Attentat auf Otto von Bismarck verübte.

Was seine Gründe und Ziele waren, wie der Anschlag verlief und welchen Stellenwert die Erinnerung an die Tat bei dem überlebenden Opfer hatte, das ist das Thema eines kurzweiligen NDR-Zeitreise-Beitrags vom 25. November 2018.

Viel Spaß bei Nachschauen!

Das Kulturportal der Stiftung Herzogtum Lauenburg bringt ein aktuelles Interview mit Prof. Dr. Ulrich Lappenküper, Geschäftsführer und Vorstand der Otto-von-Bismarck-Stiftung. Lesenswert!