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Die Juristin Dr. Helga Stödter engagierte sich seit den 1960er-Jahren für die Gleichberechtigung der Frau in Ehe und Beruf, für alleinerziehende Mütter und für die Rechte unehelicher Kinder. (Foto: © Helga-Stödter-Stiftung)

Mit der Gründung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins (ADF) durch Louise Otto-Peters und Auguste Schmidt gewann die Frauenbewegung in Deutschland 1865 zwar eine organisierte Form, aber keine Einheit. Während der ADF sich besonders für das Recht der Frauen auf Bildung und Erwerbsarbeit einsetzte, kämpften andere Zweige der Frauenbewegung für den Aufbruch gesellschaftlicher Normen oder die politische Partizipation. Dank des kontinuierlichen Ausbaus der Industrialisierung gerieten seit der Errichtung des Deutschen Reiches 1871 die Verbesserung der Arbeitsbedingungen sowie Arbeiterinnen- und Mutterschutz in den Fokus der Vereine. Im wilhelminischen Deutschland fächerten sie sich so weit auf, dass eine Vernetzung dringend geboten schien. Doch auch unter dem Dach des 1894 geschaffenen Bundes Deutscher Frauenvereine (BDF) gab es Kontroversen und Konflikte – etwa über die bürgerliche Ehe- und Familienform, die Stellung lediger Mütter oder die politische Gleichberechtigung. Während das Frauenwahlrecht nach dem Ende des Kaiserreichs tatsächlich umgesetzt wurde, blieben die Forderungen nach der Gleichberechtigung von Frauen im Berufsleben oder der finanziellen Absicherung lediger Mütter bis in die Bonner Republik hinein virulent.

Besonders aktiv wirkte auf diesen beiden Feldern die Juristin Dr. Helga Stödter, die einer breiteren Öffentlichkeit jüngst durch die Presseberichterstattung über ihre Teilnahme an den Rastatter Kriegsverbrecherprozessen nach dem Zweiten Weltkrieg bekannt geworden ist.

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Wilhelm „Bill“ von Bismarck (Bismarck-Museum Friedrichsruh)

Die Biografen seines Vaters und seiner Familie haben ihn meist nur mit wenigen Zeilen bedacht. Im Vergleich zu seinem Bruder Herbert wird er als der zwar klügere, aber weniger ambitionierte Sohn charakterisiert. Dennoch hat Wilhelm von Bismarck, genannt „Bill“, es vermocht, seinen eigenen Platz im Leben zu finden und zugleich mit seiner Familie eng verbunden zu bleiben, wie die erhaltenen Briefe seines Vaters an ihn bezeugen. Vor 120 Jahren, am 30. Mai 1901, starb das jüngste der drei Kinder Otto von Bismarcks im pommerschen Varzin.

Berlin, 1. August 1859 – Mein liebes Billchen, […] da heut Dein Geburtstag ist, will ich Dir doch meinen Glückwunsch schicken, schwarz auf weiß. […] Die liebe Mama pflegt mich Tag und Nacht und wir sind beide recht traurig, daß wir nach Wiesbaden ins warme Wasser gehen sollen, anstatt bei Euch in Reinfeld zu sein. […] Dein treuer Vater

Es war eine behütete Kindheit, die Wilhelm von Bismarck erlebte. Geboren wurde er am 1. August 1852 in Frankfurt, im damaligen Zuhause der Familie in der Bockenheimer Landstraße 40 (später 104). Sie waren im Jahr zuvor an den Main gezogen, weil sein Vater Otto preußischer Gesandter am Bundestag geworden war. Seine Mutter Johanna bezeichnete die Frankfurter Jahre später als die glücklichste Zeit in ihrem Leben. Den ersten Schulunterricht Wilhelms und seines zweieinhalb Jahren älteren Bruders Herbert übernahm ein Hauslehrer. 1859 wurde der Vater zum preußischen Gesandten am Hof des Zaren ernannt. Otto von Bismarck reiste Ende März zunächst allein nach St. Petersburg, Mitte Juli trat er seinen Heimaturlaub an. Eine schwere Erkrankung und lange Phase der Erholung ließen ihn dann erst im Juni 1860 auf seinen Posten zurückkehren und dieses Mal reiste er mit seiner Familie. Dort und für die längeren Aufenthalte mit der Mutter und den Geschwistern bei den Großeltern im pommerschen Reinfeld wurde wieder ein Hauslehrer engagiert, damit die Diplomatenkinder nicht nur die Welt kennenlernten, sondern auch Bildung erwarben.

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Unser Wandkalender zeigt in diesem Jahr das historische Friedrichsruh. Im Mai ist der kolorierte Druck „Friedrichsruh im Sachsenwald um 1850“ nach einer Lithographie von Wilhelm Heuer zu sehen.

Der renommierte Hamburger Lithograph Wilhelm Heuer (1813 – 1890) schuf Mitte des 19. Jahrhunderts diese Ansicht eines sehr belebten und modernen Friedrichsruhs – von rechts fährt gerade die Eisenbahn ins Bild. Im Mittelpunkt steht das Hotel-Restaurant „Frascati“. Zu jenem Zeitpunkt wies es bereits eine bemerkenswerte Geschichte auf. Sie begann einige Jahre zuvor im nahegelegenen, heute zu Hamburg gehörenden Bergedorf.

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Christian Morgenstern im Alter von 18 Jahren.

Während die Gründung des Kaiserreichs vor 150 Jahren seit einigen Monaten für publizistischen Wirbel und wissenschaftliche Debatten sorgt, ziehen die Geburtstage anderer Kinder des Jahrgangs 1871 vergleichsweise geräuscharm vorüber. So ist zu Ehren Friedrich Eberts, des sozialdemokratischen Konkursverwalters des Deutschen Reiches am Ende des Ersten Weltkriegs und ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik, am 4. Februar zwar eine Briefmarke erschienen. Und auch die Pädagogin Hildegard Wegscheider wird im September aus Anlass ihres 150. Geburtstages durch das Bundesfinanzministerium geehrt (und einer breiteren Öffentlichkeit damit überhaupt erst bekannt) werden.

Von diesen Beispielen abgesehen, bleiben die im Jahr Eins des Kaiserreichs geborenen Bürger hinter den Strukturgeschichten über ihren Staat eigentümlich verborgen – und zwar nicht nur als Gegenstand von Postwertzeichen, sondern auch in den meisten Podiumsgesprächen und historischen Neuerscheinungen, die vorrangig um Kaiser und Kanzler, Parlament und Verfassung, Emanzipation und Beharrung sowie Demokratie und Antiparlamentarismus kreisen.

Wer den Vorteil biografischer Zugänge für das Verständnis historischer Entwicklungen kennt, begibt sich eher auf die Suche nach Personen und wählt den Blickwinkel von „Arbeitswelt und Bürgergeist“ (Thomas Nipperdey) auf die zwei Jahrhundertschwellen zurückliegende Epoche. Durch den Reiz der Jahreszahlen drängt sich dabei – ganz gegen sein Naturell – ein stiller Zeitgenosse auf, den noch heute fast jeder kennt, zumindest ein wenig: Christian Morgenstern.

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Friedrichsruh ist seit dem 19. Jahrhundert ein Ausflugsziel, jetzt ist die Anreise auch via Internet lohnenswert: Wir freuen uns, ab sofort hier auf unserer Website einen virtuellen Rundgang durch unsere Dauerausstellung „Otto von Bismarck und seine Zeit“ anbieten zu können. Damit ist nun ein unmittelbarer Blick in die Räume im Historischen Bahnhof Friedrichsruh möglich, um sich über den Lebensweg des preußisch-deutschen Staatsmannes sowie seine politischen Erfolge und Misserfolge zu informieren. Diese werden im Kontext der politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umbrüche präsentiert, sodass ein eindrucksvolles Bild der deutschen Geschichte im 19. Jahrhundert entsteht. Der letzte Raum ist dem schon zu Lebzeiten einsetzenden Bismarck-Mythos gewidmet.

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Mutsuhito (1852 – 1912) leitete als Tenno grundlegende Reformen ein, die heute mit seinem posthum gebräuchlichen Name Meiji verknüpft sind. Er war der erste Tenno, der fotografiert wurde. Für diese Aufgabe wurde 1872 und 1873 der renommierte Fotograf Uchida Kuichi ausgewählt. (Foto: The Metropolitan Museum of Art)

Trotz mannigfacher nationaler Eigenarten wird man das Verhältnis zwischen Deutschland und Japan heute nicht anders denn als freundschaftlich nennen können. Jüngst wurde die Kooperation mit einem Geheimschutzabkommen beider Regierungen über die Zusammenarbeit im Bereich von Rüstung, Technologie und Cybersicherheit um eine gänzlich neue Facette erweitert. Bei einer Doppelkonsultation lobten die japanischen und deutschen Außen- und Verteidigungsminister resp. Ministerinnen die beiderseitige Wertepartnerschaft etwa im Multilateralismus und der Rechtsstaatlichkeit.

Historisch betrachtet, kann der Weg dorthin allerdings als steinig bezeichnet werden. Unter den seit dem 17. Jahrhundert herrschenden Shogunen der Tokugawa-Dynastie frönte Japan einer Abschottungspolitik und pflegte Außenbeziehungen allein zu den Niederlanden. Erst 1853 und nur unter militärischem Zwang öffnete sich das Land der aufgehenden Sonne ein Stück weit der Außenwelt, indem es den USA, dann auch Russland, Großbritannien und Frankreich freien Handel gewährte.

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Bei einem Besuch in Friedrichsruh gelang es Carl Roese, die Wohnräume der Familie von Bismarck zu besuchen. Zu seiner großen Freude konnte er mit einem Spazierstock des ersten Reichskanzlers durch die Flure flanieren. Abbildung: Bismarcks Garderobenständer, wie er heute im Bismarck-Museum zu sehen ist.

Bereits zu Lebzeiten Otto von Bismarcks begann sich in weiten Teilen des Bürgertums eine beinahe kultische Verehrung des „Reichsgründers“ auszubreiten. Diese fand ihren Ausdruck nicht nur in Türmen und Denkmälern, die ihm gewidmet wurden, sondern auch in Pilgerfahrten nach Friedrichsruh, dem Alterswohnsitz des ersten Reichskanzlers. Zu diesem Verehrern zählte auch der in Hamburg ansässige Arzt Carl August Roese, der Tagebuchaufzeichnungen im Umfang von ungefähr 8.000 Seiten hinterlassen hat. Diese bieten zusammen mit einem Essay seiner Tochter Astrid Isey und den von seiner Schwester Ida Roese aufgezeichneten Familienerinnerungen einen lebendigen Einblick in sein Leben und seine Bismarck-Verehrung.

Biografisches

Carl August Roese, geboren am 23.12.1849 in Erfurt, war der Spross einer weitverzweigten, wirtschaftlich und politisch erfolgreichen Familie und Neffe des hochangesehenen, langjährigen Eisenacher Oberbürgermeisters August Julius Roese. Als Schüler kümmerte er sich in einem Erfurter Lazarett um Verwundete des Krieges 1866 gegen Österreich und legte das Abitur mit Verspätung ab. 1870 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger. Er studierte Medizin und wurde in Leipzig mit einer Arbeit „Über Supraorbitalneuralgie“ promoviert, lebte einige Zeit auf Rügen und zog 1883 nach Hamburg, wo er seine spätere Ehefrau kennenlernte. In jenem Jahr erlebte er als Arzt einen kleinen Erfolg, denn seine Abhandlung über die improvisierte Verwundetenhilfe, namentlich der Teil zum Krankentransport im Feld, wurde vom Internationalen Roten Kreuz mit 500 Francs prämiert.

Carl August Roese

Seine beruflichen Aufgaben als niedergelassener Arzt und in der Armen-Anstalt sowie als Gutachter für die Leipziger Teutonia Lebensversicherung ließen ihm wenig Zeit zum Tagebuchschreiben. Entsprechend fallen nur seine Aufzeichnungen auf Reisen umfangreicher aus. Lediglich Familienfeste beschrieb er, wenn auch manchmal kurz, über die Jahre hinweg kontinuierlich und ohne Lücken.

Roese war nationalliberal bis zutiefst konservativ in einigen Belangen, fortschrittlich denkend in anderen. Norwegisch sprach er fließend und war mit einer Norwegerin verheiratet. Er verehrte das „Nordland“, den Polarforscher Fridtjof Nansen und eine mythisierte germanische Vergangenheit. Er reiste noch vor Kaiser Wilhelm II. im Sommerurlaub in die Fjorde Norwegens. Dort wanderte er ausgiebig, um sich vom laut beklagten und stressigen Arbeitsleben in der naturfernen Großstadt zu erholen.

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Blick auf das Bismarck-Museum und die Taufkirche Otto von Bismarcks in Schönhausen. Die auf der Freifläche ausgestellten Kanonen erinnern an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71.

In Friedrichsruh ist erfreuliche Post eingetroffen: der neue Kooperationsvertrag, mit dem die nächste Zukunft des Bismarck-Museums in Schönhausen (Elbe) finanziell abgesichert wird. Die Otto-von-Bismarck-Stiftung kann damit ihre historisch-politische Bildungsarbeit am Geburtsort des ersten Reichskanzlers fortsetzen.

Mit dem Bismarck-Museum in Schönhausen unterhält die Otto-von-Bismarck-Stiftung als einzige Politikergedenkstiftung des Bundes einen Standort in den neuen Ländern. Das Museum befindet sich in einem Seitenflügel des Herrenhauses von Gut Schönhausen, in dem Otto von Bismarck am 1. April 1815 geboren wurde. Die DDR ließ das Haupthaus zwar sprengen, der Seitenflügel aber blieb erhalten und wurde mit Fördermitteln des Landes Sachsen-Anhalt aufwendig saniert und als Museum ausgebaut. Zu besichtigen sind dort vor allem viele der Geschenke, mit denen Bismarck für seinen maßgeblichen Beitrag zur Gründung des deutschen Nationalstaates 1871 gewürdigt wurde. Der überwiegende Teil dieser Exponate besteht aus Leihgaben des Landes, die für das Museum von der Erbengemeinschaft von Bismarck angekauft wurden.

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Schachspiel, Indien, zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts: Das Spielbrett besteht aus Sandelholz mit Schnitzereien, Elfenbein und einem Metallband-Zierat. Die Figuren aus Elfenbein wurden in Lucknow (Lakhnau) hergestellt, die Stadt liegt 415 Kilometer südöstlich von Delhi. Die Parteien, Hindus gegen Moslems, unterscheiden sich durch ihre Turbane und Bärte. Der König sitzt auf einem Thron, neben ihm steht auf der heutigen Position der Dame der Wesir (Berater). Die Läufer werden als Kamelreiter gezeigt, die Springer als berittenes Pferd und der Turm als Elefantenreiter. Die Bauern treten als bewaffnete Krieger auf. (©Otto-von-Bismarck-Stiftung / Fotograf: Jürgen Hollweg)

Die schwarzen Felder sind kunstvoll geschnitzt, bieten aber keine sichere Standfläche; die größeren Elfenbein-Figuren überragen ihren Platz und drohen überdies leicht umzukippen – für eine wohlüberlegte Partie ist dieses Schachspiel eher untauglich. Angefertigt wurde es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Indien und war wohl ohnehin nur als repräsentatives Geschenk gedacht. Otto von Bismarck erhielt es zu seinem 70. Geburtstag im Jahr 1885 von Konsul William Schönlank (1816 – 1897). Ausführlich vorgestellt wird es jetzt in dem Band „Kanzlergeschenke. Kulturgeschichte(n) des Schenkens“, den Fridrun Freise, Thorsten Logge und Ulf Morgenstern, wissenschaftlicher Mitarbeiter unserer Stiftung, herausgegeben haben.

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Unser Wandkalender zeigt in diesem Jahr das historische Friedrichsruh. Im April ist der alte Pferdestall zu sehen, der zum Anwesen Otto von Bismarcks gehörte. Die Fotografie wurde um 1900 von der Wilhelm Hoffmann AG, Dresden, aufgenommen.

Schlachtross, Ackergaul oder Transportmittel – über Jahrhunderte hatte sich das Pferd für den Menschen vor allem nützlich zu machen. Auch im Sachsenwald wurde es zur Arbeit eingesetzt. Aber es verhalf Erholungssuchenden auch zur Anreise nach Friedrichsruh. Dort lockten schon im 18. Jahrhundert ein Wirtshaus und ein Badehaus, um sich im Wasser der Schwarzen Au die Beine zu vertreten. Zum Hotel-Restaurant „Frascati“, das dort 1847 eröffnete, gehörte daher bald ein Stall, um Pferde und Kutschen der Gäste unterzubringen.

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