Blog

Objekt: Grenzkolorierter Stahlstich, gestochen von W. Kratz und F. Kern (Terrain), nach Heinrich Johann Samuel Kiepert und Adolf Gräf (Kartographen), Geographisches Institut Weimar, Deutschland, um 1870 – Maße (Blatt): Höhe: 56 cm, Breite: 70,7 cm Material: Papier – Herkunft: Leihgabe aus Privatbesitz

2020/21 jähren sich zum 150. Mal der Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges im Sommer 1870 sowie die Gründung des Deutschen Kaiserreichs zu Beginn des Jahres 1871. Die Otto-von-Bismarck-Stiftung nimmt diese Ereignisse zum Anlass, mit diversen Veranstaltungen und Bildungsangeboten an die Errichtung des kleindeutschen Nationalstaates zu erinnern. Hierzu gehört auch die Präsentation von Exponaten mit Bezug zum Deutsch-Französischen Krieg und zur Reichsgründung unter der Rubrik „Das besondere Exponat“. Die an dieser Stelle in loser Abfolge vorgestellten Objekte bieten einen Überblick über zentrale Ereignisse des Konfliktes zwischen Frankreich und Preußen-Deutschland, während dessen Verlauf sich das Deutsche Kaiserreich als von vielen Deutschen langersehnter kleindeutscher Nationalstaat konstituierte.

Weiterlesen

„Wir Deutsche fürchten Gott, sonst nichts auf der Welt…“ (1886) – dieses berühmte (unvollständige) Zitat zierte als Ausdruck nationaler Stärke zahlreiche Postkarten und Schmuckteller. 1

So ambivalent auch bisweilen das Urteil über Otto von Bismarck ausfallen mag, so einmütig wird doch seine Sprachgewalt gerühmt. Seine Memoiren, die „Gedanken und Erinnerungen“, gehören für nicht wenige Leser zur Weltliteratur.

Spannende Einblicke in Bismarcks „sprichwörtliche Rhetorik“ liefert nun das Buch zweier in den USA lehrender Germanisten: Wolfgang Mieder, Professor für Germanistik und Volkskunde an der University of Vermont, und Andreas Nolte, Lehrer in Burlington. In einer stupenden Fleißarbeit haben sie Bismarcks Werke auf ihre Redensarten durchleuchtet und präsentieren ihre reiche Ernte in zwei Teilen.

Nach einem luziden Überblick über die wenigen Spezialstudien analysieren Mieder und Nolte in einem ersten Abschnitt Bismarcks sprichwörtliche Rhetorik sowohl in Bezug auf „den effektiven Gebrauch“ als auch auf „die persönliche und politische Bedeutung“ (S. 9). Konkret geht es ihnen um Ausdrücke Bismarcks, die zu „geflügelten Worten“ wurden (S. 23), um die von ihm „im persönlichen wie politischen Diskurs“ benutzten Sprichwörter (S. 35), um „Bibelsprichwörter im Dienste der Politik“ (S. 50), um anderen Sprachen entnommene „Lehnsprichwörter“ (S. 60), um Sprichwörter als „treffsichere Metaphern“ (S. 71), um „somatische Redensarten“ (S. 89), um „redensartliche Tiermetaphern“ (S. 101), um „bildhafte Redensarten aus der Seemannssprache“ (S.112) und um „Sprichwörtliches aus dem Waffen- und Kriegswesen“ (S. 124).

Weiterlesen

Die Arbeiten am Bismarck-Denkmal in Hamburg haben begonnen, der Sockel ist bereits eingerüstet.

Mit der Reinigung hat die Sanierung begonnen. Seit einigen Jahren wird die Instandsetzung eines der größten Denkmäler in Deutschland vorbereitet, nun geht es los. Seit 1906 steht eine Rolandfigur Bismarcks mit Blick auf die Elbe zwischen Michel und Heiliggeistfeld in Hamburg. Trotz solider Bauweise ist das Denkmal inzwischen so sehr in die Jahre gekommen, dass es grundlegend saniert werden muss. Dazu haben sich die Stadt Hamburg und der Bund entschlossen, auch wenn das zu rettende Objekt nicht unumstritten ist.

Die martialische Erscheinung, die unguten, wenn auch gelegentlich etwas ungenauen historischen Assoziationen, der längst verblasste Imperialismus des späten Kaiserreichs, all das hat zu einer gewissen Entfremdung zwischen einem Teil der Hamburger und der von ihren Vorfahren gestifteten Riesenfigur geführt. Über Jahrzehnte hat man sie von Bäumen und Sträuchern einwachsen lassen und lebte ganz gut mit ihrer „Renaturierung“. Für andere Hamburger gehört das Denkmal aber bis heute zur historischen Identität der Stadt – unabhängig von heutigen Distanzierungen gegenüber dem Bismarck-Kult und dem Streben nach Weltgeltung in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg.

Weiterlesen