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Doris Schlegel, Chris Schlegel und Winfried Werner arbeiten an einem Bismarck-Film, der im Schulunterricht gezeigt werden soll. Am gestrigen Montag drehten sie in Friedrichsruh.

Für einen kurzen Moment scheint es beinahe, als ob ein sehr nachdenklicher Otto von Bismarck noch einmal an seinem Schreibtisch Platz nimmt. Tatsächlich ist es Winfried Werner, der sich für einen Tag in den „Alten aus dem Sachsenwald“ verwandelt und diese Rolle mit würdevoller Haltung ausfüllt. Um ihn herum werden eine Kamera aufgebaut und die Beleuchtung angepasst: Im Arbeitszimmer des ersten Reichskanzlers, das im Bismarck-Museum mit Originalmöbeln eingerichtet ist, beginnen die Dreharbeiten zu einem neuen Bildungsfilm über Otto von Bismarck, der bundesweit seinen Weg in die Schulen finden soll.

Produziert wird dieser Film vom Team der Knowledge Productions in Kooperation mit MedienLB – Medien für Lehrpläne und Bildungsstandards GmbH. Beide Unternehmen sind auf die Herstellung didaktisch aufbereiteter Filme für die verschiedenen Unterrichtsfächer spezialisiert. „Im vergangenen Jahr haben wir beispielsweise Filme über die Hanse und über die Kelten gedreht“, erzählt Doris Schlegel, die die Dreharbeiten in Friedrichsruh organisiert und inhaltlich vorbereitet hat. Die Unterrichtsfilme sind meist um die zwanzig Minuten lang; Außenaufnahmen mit einem Erzähler, Spielszenen und Interviews wechseln sich ab. Nach ihrer Fertigstellung werden sie den Landesmedienanstalten angeboten, die sie dann den Schulen anbieten. Geeignet sind sie ab den Klassenstufen 7 und 8.

Wesentlicher Bestandteil des Films ist ein Interview mit Prof. Dr. Ulrich Lappenküper über das politische Wirken des ersten Reichskanzlers.

Für die nächste Einstellung bringt Chris Schlegel, Chef von Knowledge Productions und zugleich Aufnahmeleiter, Kameramann, Beleuchter und Tontechniker in einer Person, die Kamera in dem Raum mit den Porträtmalereien in Position. Nun antwortet Prof. Dr. Ulrich Lappenküper, Geschäftsführer der Otto-von-Bismarck-Stiftung, auf Fragen, die bei der Beschäftigung mit Otto von Bismarck im Unterricht im Mittelpunkt stehen können. So erläutert er unter anderem in kurzen Worten den preußischen Verfassungskonflikt, Bismarcks Verhältnis zum Liberalismus, die Hintergründe des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71 und die Grundgedanken, die den ersten Reichskanzler bei der Sozialgesetzgebung leiteten. Abgerundet wird das Bild durch eine historische Einordnung des Bismarck-Mythos. Abschließend zeigt Prof. Dr. Lappenküper auf, wie sehr sich die Art und Weise, Politik zu gestalten hat, gewandelt hat: Bismarck habe Politik als Kampf verstanden und mit Strategien der Ausgrenzung gearbeitet, während es heute der Anspruch sei, integrierend zu wirken und Probleme erfolgreich im Diskurs zu lösen.

Die Aufnahme gelingt im ersten Anlauf, sodass Winfried Werner nur kurz Zeit hat, die Exponate des Bismarck-Museums auf sich wirken zu lassen. Weiter geht es zu einigen Außenaufnahmen und schon bald ist der Drehtag in Friedrichsruh vorüber – nächste Station ist Schönhausen, wo das Filmteam der Kindheit Bismarcks auf der Spur sein wird.