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Der Otto-von-Bismarck-Stiftung steht bei ihrer Arbeit ein Wissenschaftlicher Beirat zur Seite, dem namhafte Historikerinnen und Historiker angehören. Ihre Expertise bereichert die interdisziplinär und methodisch vielfältige Bismarck-Forschung, die eine zentrale Aufgabe dieser Politikergedenkstiftung ist.

In loser Reihenfolge möchten wir die Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats mit einem kurzen Fragebogen vorstellen. In dieser Folge antwortet Prof. Dr. Burhop.

 

Zur Person

Prof. Dr. Carsten Burhop (geb. 1973) studierte an der Universität Bonn Volkswirtschaftslehre, Verfassungs-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte sowie Rechtswissenschaften und wurde dort im Jahre 2002 mit einer Schrift über „Die Kreditbanken in der Gründerzeit“ promoviert. Nach seiner Habilitation im Jahre 2005 an der Universität Münster und folgende Forschungstätigkeit am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern in Bonn lehrte er in Köln und Wien. Seit 2016 ist er Professor für Verfassungs-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Universität Bonn.

 

Zehn Fragen

Was hat Ihre Leidenschaft für Geschichte geweckt?

Der Klassiker: Es war schon in der Schule mein Lieblingsfach. Beim Studium der Volkswirtschaftslehre fiel mir dann auf, dass man zahlreiche wirtschaftswissenschaftliche Theorien auch auf historische Gegebenheiten anwenden kann, und dies habe ich dann in meiner Dissertation ausprobiert.

 

Mit seinem Titelblatt vom 20. September 1982 spielte der Spiegel darauf an, dass Helmut Schmidt sein Amt ebenso wie Bismarck fast einhundert Jahre zuvor nur unfreiwillig aufgab. Beide wären interessante Gesprächspartner.

In welches Jahrhundert würden Sie gerne eine Zeitreise unternehmen?

Das deutsche Kaiserreich würde ich mir gerne ansehen.

 

Mit welchen drei historischen Persönlichkeiten würden Sie gerne zu Abend essen?

Helmut Schmidt, Karl Helfferich und Otto von Bismarck.

 

Welche Frage würden Sie gerne Otto von Bismarck stellen?

Ob er mit der Entwicklung des Deutschen Reiches zufrieden ist.

 

An welche Erfahrungen, die die Deutschen im 19. Jahrhundert gesammelt haben, sollte heute erinnert werden?

An die Demokratisierung, die Überwindung weitverbreiteter Armut und die großen Fortschritte in Naturwissenschaft, Medizin und Technik.

 

Welcher Ort der Erinnerung (Museum, Gedenkstätte, historischer Schauplatz) hat Sie besonders beeindruckt?

Der Petersdom.

 

Moderne Fabrikgebäude wurden im 19. Jahrhundert zu einem sichtbaren Zeichen des Fortschritts. Abbildung: Borsig-Fabrik in Berlin-Moabit (1855)

Was ist Ihnen als Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Otto-von-Bismarck-Stiftung wichtig?

Ein positives Bild von Bismarck und dem Deutschen Reich vor 1914 zur vermitteln.

 

Welches Buch / welche Bücher zur deutschen Geschichte insbesondere des 19. Jahrhunderts empfehlen Sie?

In den letzten Jahren: Christopher Clark, Die Schlafwandler.

 

Welches Buch lesen Sie zurzeit?

Immer mehrere gleichzeitig, derzeit „Money changes everything“ von William Goetzmann und „Institutional and organizational analysis“ von einem Autorenkollektiv rund um Lee Alston.

 

Welches Ihrer eigenen Bücher ist Ihnen besonders wichtig?

Meine Dissertation, weil ich damit den Einstieg in den Wissenschaftsbetrieb geschafft habe.

 

In der vorherigen Folge antwortete Prof. Dr. Joachim Scholtyseck.


Nachweise:

„Dropping the Pilot“, 29. März 1890, Punch / „Der Lotse geht von Bord”, 20. September 1982 © Der Spiegel / DGDB

Die Borsig-Fabrik in Berlin-Moabit fotografierte Joseph Maximilian Kolb 1855 (gemeinfrei)

Christopher Clark, Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog, München 2013

William N. Goetzmann, Money Changes Everything: How Finance Made Civilization Possible, Princeton 2016

Lee J. Alston et. al., Institutional and Organizational Analysis. Concepts and Applications, Cambridge 2018

Carsten Burhop, Die Kreditbanken in der Gründerzeit, Stuttgart 2004