Erinnern und Demokratie fördern – Otto-von-Bismarck-Stiftung feierte ihr 25-jähriges Jubiläum

Das Quartett „Saitenwechsel“ mit Peter Schober (Kontrabass), Katrin Schober (Saxophon), Eleonora von Bergen (Violine) und Rolf von Bergen (Gitarre) sorgte auf dem Sommerempfang mit leichter Jazzmusik für eine schöne Atmosphäre.

Etwa 100 veröffentlichte Bücher und Schriften, 1.000 Veranstaltungen und ca. 400.000 Besucherinnen und Besucher – mit diesen Zahlen hat das Team der Otto-von-Bismarck-Stiftung am vergangenen Freitag gut gelaunt auf die ersten 25 Jahre seiner Arbeit zurückgeblickt. Vorgestellt wurden sie von Nobert Brackmann, der seit Kurzem den Vorstand die Stiftung leitet. Er begrüßte auf dem Sommerempfang zur Feier des Jubiläums im und vor dem Historischen Bahnhof Friedrichsruh die Gäste. In seiner kurzen Rede zeigte er auf, dass die Stiftung ihre Tätigkeiten seit ihrer Gründung 1997 kontinuierlich ausgebaut hat, und dankte unter anderem auch dem Förderverein, der mit einer erfreulich stabilen Anzahl an Mitgliedern der Stiftung zur Seite steht.

Vorstellung der Online-Biografie

Das Team der Stiftung hatte für diese Feier auch ein Geschenk für ihre (anwesenden und zukünftigen) Gäste vorbereitet: eine Online-Biografie, die Leben und Politik Otto von Bismarcks erfahrbar macht. Geschäftsführer Prof. Dr. Ulrich Lappenküper stellte das Projekt vor, das am Jubiläumstag freigeschaltet wurde und ab sofort kostenfrei erkundet werden kann.


„Vom würdigen Erinnern zum Erinnerungs-Bingo?“ – Festvortrag von Dr. Anja Kruke

Die aktuelle Diskussion um die Gedenkkultur in Deutschland stand im Mittelpunkt des spannenden Festvortrags, den Dr. Anja Kruke, Leiterin des Archivs der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung, hielt. Sie setzte sich mit den Herausforderungen auseinander, vor denen die deutsche(n) Erinnerungskultur(en) durch Äußerungen auf Social Media stehen, die ihre Erstarrung behaupten oder gar begrifflich abqualifizieren. Kruke untersuchte Form und Intention dieses „Erinnerungs-Bingos“ daraufhin, ob es den „Spielern“ (also denjenigen, die sich auf Social Media einseitig äußern) um die Weiterentwicklung eines würdigen Gedenkens geht oder vielmehr um seine spezifische Interpretation.

Die Historikerin zeigte auf, dass diese Auseinandersetzungen über Erinnerungskultur und Geschichtspolitik zugleich Selbstverständigungsdiskurse sind, in denen über Anerkennung, gesellschaftliche Integration und Macht verhandelt werde. Zwar sei es nur eine „Erzähltrope“, dass zuvor eine stärker gemeinsame, einheitliche nationale Erinnerung existiert habe. Aber die Bedingungen dieser Diskurse hätten sich tatsächlich verändert: Die längerfristige Erinnerung in ihrer institutionalisierten Form (zum Beispiel durch die Arbeit der Politikergedenkstiftungen) und die zivilgesellschaftliche Erinnerung, verstanden als ein kommunikatives Gedächtnis, „das ca. drei Generationen bzw. 80 Jahre umfasst“, würden nun von einer Gesellschaft verhandelt, die sich immer weiter ausdifferenziere oder auch fragmentiere und sich über Social Media Gehör verschaffe.

Dr. Anja Kruke diskutierte in ihrem Festvortrag den Einfluss von Äußerungen auf Social Media auf aktuelle Debatten über die deutsche Erinnerungskultur.

Kruke skizzierte die Konsequenzen dieser Entwicklung und trat dafür ein, die auf Social Media erhobenen Vorwürfe an Formen und Inhalte der Erinnerungskultur durchaus ernst zu nehmen. Für Erinnerungsorte bedeute dies, dass sie ihrer künftigen Bedeutungslosigkeit nur entgingen, wenn es gelinge, sie in ihrer gesellschaftlichen Wahrnehmung zu aktualisieren. Die mit der Debatte angesprochenen Institutionen sollten dennoch – frei nach Michael Ende – „keinem Scheinriesen auf den Leim gehen“, sei doch ihre Pflege der und Arbeit an der Erinnerungskultur keineswegs erstarrt. Die Politikergedenkstiftungen beispielsweise hätten sich „als erste Institutionen offensiv mit einer ‚Demokratiegeschichte‘ beschäftigt“, der Bund fördere außerdem die in Gründung befindliche Stiftung „Orte der Demokratiegeschichte“. Gerade die Otto-von-Bismarck-Stiftung, „die sich je nach Lesart auf einen Vor- oder Anti-Demokraten bezieht“, sei „ein gutes Vorbild im Rahmen einer Demokratiegeschichte als offenem Konzept“, weil sie Forschung mit historisch-politischer Bildung verbinde und sich in verschiedenen Formaten der Diskussion stelle. Ein wichtiges Ziel der Arbeit der Otto-von-Bismarck-Stiftung und ihrer Schwesterinstitutionen an und mit der Erinnerung ist – so lässt es sich zusammenfassen – die Förderung der Demokratie


Sommerabend im Park des Historischen Bahnhofs

An den Festvortrag schloss sich in den sommerlich-schönen Abendstunden ein geselliges Zusammensein vor dem Historischen Bahnhof Friedrichsruh an, musikalisch begleitet von dem Quartett „Saitenwechsel“ aus dem nahegelegenen Trittau. Neben Mitgliedern des Fördervereins konnten wir unter anderem den ersten Geschäftsführer unser Stiftung Prof. Dr. Michael Epkenhans begrüßen, unsere stellvertretende Kuratoriumsvorsitzende Dr. Herlind Gundelach MdB a.D., die stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Andrea Tschacher, MdL, den Aumühler Bürgermeister Knut Suhk und seinen Stellvertreter Alexander Bargon. Es freute uns, dass viele Gäste sich die Zeit nahmen, unser Jubiläumsvideo anzusehen.

Die „guten Geister“ im Getränkeausschank waren an diesem Abend unsere studentischen Hilfskräfte und unser Praktikant, v.l.n.r.: Dorothee Cordes, Henri Hausig, Tom Ahlgrimm, Justin Reimers und Valentin Boehm.


Rückblende und Ausblick – das Video zum 25-jährigen Jubiläum der Otto-von-Bismarck-Stiftung: