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Blick in den ersten Raum der Sonderausstellung im Bismarck-Museum.

Die Otto-von-Bismarck-Stiftung hat am gestrigen Sonntag vor einem sehr großen virtuellen Publikum ihre Sonderausstellung „1870/71. Reichsgründung in Versailles“ eröffnet. Diese ist bis zum 14. November 2021 in einigen Räumen des Bismarck-Museums und im Veranstaltungsraum im ersten Stock des Historischen Bahnhofs zu sehen.

Norbert Brackmann, Vorsitzender des Kuratoriums, begrüßte das virtuelle Publikum.

Die Ausstellungsräume in Friedrichsruh stehen zwar wieder unkompliziert und ohne Anmeldung für einen Besuch offen. Aufgrund der Corona-Maßnahmen dürfen sich aber nur wenige Menschen gleichzeitig in den Räumen aufhalten. Um dennoch allen Interessierten eine Teilnahme an der Eröffnungsveranstaltung zu ermöglichen, wurde diese auf dem YouTube-Kanal der Stiftung, auf dem YouTube-Kanal Abendblatt TV und auf der Facebook-Seite der Bergedorfer Zeitung live gestreamt. Die Aufzeichnungen können auf YouTube weiterhin aufgerufen werden.

Eröffnet wurde die Veranstaltung mit Blick auf das Herzstück des Museums und dieser Sonderausstellung, das Gemälde „Die Proklamierung des deutschen Kaiserreiches (18. Januar 1871)“ des Malers Anton von Werner aus dem Jahr 1885. Diese Bildikone ist zum Sinnbild der Gründung des deutschen Nationalstaates geworden und steht damit optisch im Mittelpunkt. Die Ausstellung zeigt aber auf, dass diese Gründung das Ergebnis eines längeren Prozesses war, an dem viele Akteure beteiligt werden – Bürger und Soldaten ebenso wie Politiker und gekrönte Häupter. In Friedrichsruh werden nun die Ereignisse in der Phase von 1867 – Gründung des Norddeutschen Bundes – bis 1871 – Verabschiedung der Reichsverfassung – ausführlich dargestellt.

Prof. Dr. Hans-Christof Kraus hielt den Festvortrag „Die deutsche Reichsgründung von 1871 im Kontext der europäischen Geschichte“.

Wesentlich tiefer in der europäischen und globalen Geschichte verankerte Prof. Dr. Hans-Christof Kraus (Universität Passau) die Reichsgründung gestern in seinem Festvortrag. Er erläuterte die zunächst typisch europäische Entwicklung, die im 16. Jahrhundert langsam einsetzte: Menschen, die eine gemeinsame Sprache hatten und ihre Kultur teilten, fanden in Nationalstaaten zusammen, förderten damit ihr wirtschaftliches Fortkommen und sicherten ihre Grenzen. Kraus zeigte auf, dass die Reichsgründung damit kein Einzelphänomen und auch nicht die letzte dieser Art war: In Europa beispielsweise gründeten sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Anfang der 1990er-Jahre neue Nationalstaaten.

Eingerahmt wurde der Festvortrag von einer Begrüßung durch Norbert Brackmann, dem Vorsitzenden des Kuratoriums der Otto-von-Bismarck-Stiftung, sowie einer Einführung in die Ausstellung, die Dr. Maik Ohnezeit als Kurator übernahm. Seine Erläuterungen wurden begleitet von einigen Videoaufnahmen aus der Ausstellung, die einen guten ersten Einblick vermittelten.


Die Eröffnungsveranstaltung im Video:

„1870/71. Reichsgründung in Versailles“ – Sonderausstellung im Bismarck-Museum und im Historischen Bahnhof Friedrichsruh, 22. Juni bis 14. November 2021

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 – 18 Uhr (ab Oktober 10 – 16 Uhr)
Eintritt: 4 Euro oder ermäßigt, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben freien Eintritt