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Kolorierte Lithografie, Spanien, 1867 – Maße: 31,3 cm x 20,4 cm, Material: Papier – Herkunft: Otto-von-Bismarck-Stiftung Friedrichsruh, Inventar-Nr.: ZSg 2396

Das Königreich Spanien war im 19. Jahrhundert nur noch eine europäische Macht zweiten Ranges. Der politische, ökonomische und kulturelle Niedergang der einstigen Weltmacht samt der Erstarrung der sozialen Verhältnisse hatte bereits in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts eingesetzt. Dennoch strahlte die altehrwürdige spanische Krone auch zweihundert Jahre später noch immer etwas von dem einstigen Glanz aus.

Seit 1833 herrschte Isabella II. aus dem Haus der Bourbonen als Königin über Spanien. Am 10. Oktober 1830 in Madrid geboren, bestieg sie bereits als dreijähriges Kind den Thron. 1843 wurde die junge Monarchin vom Parlament, den Cortes, für mündig erklärt; sie stand aber unter dem Einfluss von Personen aus Adel, Klerus, Militär und Politik. Insgesamt war die Regierungszeit Isabellas II. von politischen und sozialen Spannungen gekennzeichnet. So wechselten zwischen 1834 und 1868 insgesamt 55 weitgehend autoritär regierende Kabinette einander ab. Forderungen der Opposition nach einer liberalen Verfassung wurden seitens der Regierung bekämpft. 1868 griff diese sogar zu diktatorischen Mitteln, um die Widersacher zur Räson zu bringen. Durch die chronische Staatsverschuldung wurden die politischen und wirtschaftlichen Probleme des Landes noch verschärft. Zunehmend richtete sich die Kritik an der Regierung auch gegen die trotz ihres ausschweifenden Lebenswandels nicht unpopuläre Königin. Dies führte zu einer schleichenden Delegitimierung der Bourbonendynastie.

Am 17. September 1868 kam es zu einem Putsch der Streitkräfte (Pronunciamento). Der weitgehend unblutige Aufstand von Teilen des Militärs, der von zivilen Revolutionsausschüssen (Juntas Revolucionarias) unterstützt wurde, endete mit dem Sieg der Aufständischen über die Regierungstruppen. Isabella II. und ihren Nachkommen wurden die Thronrechte entzogen, woraufhin sich die Königin und ihre Familie nach Frankreich ins Exil begaben. Ihre Hoffnung, mithilfe des Volkes auf den Thron zurückzukehren, zerschlug sich, nachdem ein im Februar 1869 an die spanische Nation gerichteter Appell folgenlos geblieben war. Nach längerem Zögern verzichtete Isabella II. schließlich am 25. Juni 1870 auf ihre Thronansprüche.

Spanien blieb eine konstitutionelle Monarchie, allerdings mit vakantem Thron, für den ein neuer Herrscher gefunden werden musste. Die Suche nach einem Nachfolger Isabellas führte zur Thronkandidatur des Erbprinzen Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen (1835 – 1905). Diese wiederum löste einen diplomatischen Konflikt zwischen Frankreich und Preußen aus, der in den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 mündete.

Es waren weniger liberale, demokratische oder gar republikanische Ideen, die den Ausschlag zum Sturz Isabellas gegeben hatten. Vielmehr war die Unzufriedenheit mit dem autoritären Regime der Königin, das der politischen und wirtschaftlichen Krisen nicht Herr wurde, eines der Hauptmotive für die Rebellion. Am 9. April 1904 starb Isabella II. in Paris. Mit ihrem Sohn Alfons XII. war die Bourbonendynastie aber bereits 1874 auf den spanischen Thron zurückgekehrt.


Zu dieser Reihe: 2020/21 jähren sich zum 150. Mal der Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges im Sommer 1870 sowie die Gründung des Deutschen Kaiserreichs zu Beginn des Jahres 1871. Die Otto-von-Bismarck-Stiftung nimmt diese Ereignisse zum Anlass, mit diversen Veranstaltungen und Bildungsangeboten an die Errichtung des kleindeutschen Nationalstaates zu erinnern. Hierzu gehört auch die Präsentation von Exponaten mit Bezug zum Deutsch-Französischen Krieg und zur Reichsgründung unter der Rubrik „Das besondere Exponat“. Die an dieser Stelle in loser Abfolge vorgestellten Objekte bieten einen Überblick über zentrale Ereignisse des Konfliktes zwischen Frankreich und Preußen-Deutschland, während dessen Verlauf sich das Deutsche Kaiserreich als von vielen Deutschen langersehnter kleindeutscher Nationalstaat konstituierte.

Bisher erschienen:

Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 (I): „Der Preussische Staat, die Staaten des Norddeutschen Bundes und die übrigen Zollvereinsstaaten“

Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 (II): „Napoleon III, Emperor of the French.”