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„Durch das Wissen um die schwierigen Wege zu Freiheit und Demokratie kann die Sensibilität entwickelt werden, Gefährdungen des demokratischen Grundkonsenses zu erkennen.“ Dieses Wissen zu vermitteln, zählt zu den wichtigen Zielen der Arbeitsgemeinschaft Orte der Demokratiegeschichte, der auch die Otto-von-Bismarck-Stiftung angehört.

Die Arbeitsgemeinschaft Orte der Demokratiegeschichte wurde im Juni 2017 in Berlin von 34 Organisationen und Institutionen aus ganz Deutschland im Beisein von Prof. Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, gegründet; ihre Mitgliederzahl ist mittlerweile auf fast 50 angestiegen. Ein SprecherInnenrat, der alle zwei Jahre neu gewählt wird, organisiert und vertritt die AG nach innen und außen.
Das gemeinsame Ziel der Mitglieder ist es, „die Wahrnehmung der deutschen Demokratie- und Freiheitsgeschichte lokal, regional und deutschlandweit zu fördern“, wie es in dem Gründungsdokument Hambacher Manifest heißt. „Der zeitliche Bogen reicht dabei von der Französischen Revolution bis in die Gegenwart und schließt u.a. solche historischen Ereignisse ein wie das Hambacher Fest, die Revolution von 1848/49, die Weimarer Republik, die Gründung der Bundesrepublik oder die Friedliche Revolution im Jahr 1989.“

Diese Lithografie, die wir auch in unserer Dauerausstellung im Historischen Bahnhof Friedrichsruh abbilden, zeigt die Eröffnung des Reichstages des Norddeutschen Bundes am 24. Februar 1867. Bereits an dessen Gründung und rechtlicher Ausgestaltung war Otto von Bismarck als Bundeskanzler (in der rechten Bildhälfte, den Helm in der Hand) maßgeblich beteiligt.

Die Otto-von-Bismarck-Stiftung wird mit ihrer historischen Expertise die Gesamtdarstellung der deutschen Freiheits- und Demokratiegeschichte bereichern. Ihr Schwerpunkt liegt dabei auf dem politischen Wandel Deutschlands im 19. Jahrhundert. Mit der durch Otto von Bismarck maßgeblich mitgestalteten Gründung des Deutschen Reiches sah die liberale und nationale Bewegung ihr zentrales Anliegen – die Errichtung eines Nationalstaates – weitgehend als erfüllt an. Im Bündnis mit dem ersten Reichskanzler gelang es den liberalen Kräften, das junge Kaiserreich zu einem modernen Staatswesen zu formen, in dem es neben überkommenen obrigkeitsstaatlichen Verfahren auch demokratische Entwicklungen gab; der Reichstag wandelte sich von einem Honoratioren- zu einem selbstbewussten Arbeitsparlament. Untrennbar verbunden mit dem Namen Bismarcks, der zeitlebens ein Monarchist war und blieb, sind der Aufbau eines Verfassungs- und Rechtsstaates sowie die Einführung eines allgemeinen und gleichen Männerwahlrechts auf nationaler Ebene.

Der erste Reichskanzler verlebte in Friedrichsruh nicht nur seinen Ruhestand, sondern empfing auch zahlreiche Gäste. Diese historische Fotografie zeigt die Ankunft des eher liberal gesinnten Großherzogs Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach am 1. Juli 1897. Es sollte der letzte Besuch eines deutschen Bundesfürsten bei Otto von Bismarck sein.

Das Anliegen der Arbeitsgemeinschaft, durch politisch-historische Bildungsarbeit Freiheit und Demokratie zu stärken, hat im Oktober 2019 bedeutende Unterstützung durch den Deutschen Bundestag erfahren. In dem von den Abgeordneten verabschiedeten Antrag „Orte der Freiheit und Demokratie: 100 Jahre Weimarer Reichsverfassung – Demokratischer Aufbruch und Scheitern der ersten deutschen parlamentarischen Republik“ wird die Bundesregierung aufgefordert, ein Förderkonzept für die Orte der Freiheit und der Demokratie in Deutschland vorzulegen sowie jährlich Haushaltsmittel in Höhe von zehn Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Damit soll ausdrücklich keine Konkurrenz zum zentralen Bestandteil der Erinnerungskultur, der Gedenkstättenkonzeption des Bundes, entstehen, sondern die Demokratiegeschichte Deutschlands intensiver als bisher gewürdigt werden.

Zwar wurde die vom Bundestag in Aussicht gestellte Summe in diesem Jahr noch nicht im Bundeshaushalt eingeplant. Im Etat der Staatsministerin für Kultur und Medien stehen allerdings Mittel bereit, für die vier Institutionen erfolgreich Einzelanträge vorgelegt haben. Mit dabei ist auch eine der Politikergedenkstiftungen: Die Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus hat eine Förderzusage für das Projekt „100 Köpfe der Demokratie. Biographische Zugänge zur Demokratiegeschichte in Deutschland“ erhalten. Die Otto-von-Bismarck-Stiftung wird sie zusammen mit den anderen Schwesterinstitutionen bei dieser wissenschaftlichen Grundlagenarbeit aktiv unterstützen.