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Unser Kalender zeigt für den April den Druck „Die Kapitulation von Sedan. Die Verhandlungen in Donchery vom 1. zum 2. September 1870“, nach einer Farbskizze Anton von Werners (um 1895), Archiv der Otto-von-Bismarck-Stiftung, Inventar-Nr.: ZSg 689.

Nach dem Sieg der deutschen Truppen in der größten Schlacht dieses Krieges bei Gravelotte am 18. August 1870 zogen sich starke französische Verbände in die Festung Metz zurück. Zwei französische Armeen scheiterten nahe der Grenze zu Belgien mit dem Versuch, die Eingeschlossenen zu entsetzen. Der 3. und der 4. Armee gelang es in der Folge, rund 130.000 auf Metz vorrückende französische Soldaten bei Sedan einzukesseln. Die Schlacht von Sedan am 1./2. September 1870 endete mit einer vollständigen Niederlage der Franzosen.

Im Schloss Bellevue in Donchery bei Sedan begannen am Abend des 1. Septembers die Verhandlungen über die Kapitulationsbedingungen. Der preußische Generalstabschef Helmuth von Moltke verlangte die Übergabe der eingeschlossenen französischen Armeen einschließlich aller Waffen und Marschgepäck. Die gegnerische Delegation unter Führung von General Emmanuel Félix de Wimpffen versuchte, die harten Kapitulationsbedingungen abzumildern, doch Moltke beharrte auf seinen Forderungen und drohte mit der Wiederaufnahme des Kampfes.

Die Verhandlungen wurden von Anton von Werner in einer 1885 entstandenen Farbskizze festgehalten, die einem im selben Jahr vollendeten Diorama für das monumentale Sedan-Panorama-Gebäude am Berliner Alexanderplatz weitgehend glich. Der hier gezeigte Druck basiert auf seiner Farbskizze und zeigt die Bevollmächtigten beider Seiten. Auf der linken Seite sind laut Bildbeschreibung die Franzosen unter anderem mit Capitaine D’Orcy, General Faure, General Castelnau und General de Wimpffen, auf der rechten Seite die Deutschen mit General von Podbielski, General von Moltke, Bundeskanzler von Bismarck, Hauptmann von Winterfeld, Rittmeister Graf Nostiz, Major Krause, Oberstleutnant Bronsart von Schellendorff, Oberstleutnant von Verdy du Vernois, Major Blume und Major de Claer abgebildet.

Petroleumlampe sowie Kerzen auf dem Tisch in der Mitte beleuchten die Gesichter der in dem einfach eingerichteten Raum versammelten Personen. Vor dem Tisch steht ein Stuhl, auf dem Bismarcks Kopfbedeckung ruht (ein Detail, das auf der erwähnten Farbskizze fehlt). Jeden Moment könnte der Bundeskanzler diese ergreifen und den Raum verlassen, um so den Abbruch der Verhandlungen einzuleiten. An der Wand hängt ein Porträt Kaiser Napoleons I., der mit spöttischem Gesichtsausdruck auf die Szenerie herabzublicken scheint. Die französischen Bevollmächtigten, insbesondere General de Wimpffen, nehmen eine abwehrende Haltung ein, während ihre deutschen Gegenspieler, besonders Moltke und Bismarck, ruhig und selbstsicher die Franzosen fixieren und Graf Nostiz die Verhandlungen protokolliert. Eine Einigung über die Kapitulationsbedingungen erscheint aussichtslos. Um ein Uhr nachts wurden die Verhandlungen schließlich ergebnislos abgebrochen, weil die widerstrebenden Franzosen um Bedenkzeit baten.