Printer Icon

Unser Kalender zeigt für den Februar einen Druck nach einem Gemälde von Anton von Werner (um 1900), „Kaiser Friedrich als Kronprinz an der Leiche des Generals Abel Douay am Abend des 4. August 1870“, Archiv der Otto-von-Bismarck-Stiftung, Inventar-Nr.: Altbestand.

Am Abend des 3. August 1870 erreichte die 2. Division des 1. Französischen Armeekorps unter dem Kommando des Generals Charles-Abel Douay die unmittelbare Umgebung der Festungs- und Grenzstadt Weißenburg (Wissembourg) im Elsass. Am folgenden Tag trafen die Franzosen auf vorrückende Einheiten der 3. Armee, die erstmalig aus preußischen und süddeutschen Einheiten zusammengesetzt war und dem Kommando des Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen unterstand. Die Schlacht von Weißenburg endete mit einer Niederlage der Franzosen. General Douay fiel am späten Vormittag des 4. August in seiner Stellung auf dem Geisberg beim Ausrichten einer Mitrailleuse durch deutschen Artilleriebeschuss. Der Leichnam des Generals wurde geborgen und in das Gehöft Schafbusch verbracht, das als Notlazarett diente.

Allgemein bekannt wurde der Tod Douays durch ein 1890 entstandenes Gemälde Anton von Werners, das heute in der Burg Hohenzollern bei Hechingen aufbewahrt wird. Es zeigt den preußischen Kronprinzen mit Offizieren seines Stabes bei dem Leichnam des französischen Generals, der provisorisch aufgebahrt worden war. Wie andere Gemälde von Werners auch, fand die Szene durch Drucke wie diesen eine weite Verbreitung. Er zeigt hochaufgereckt den Kronprinzen von Preußen, der das Bild in zwei Hälften teilt und andächtig auf den Leichnam Douays schaut. Dieser ruht auf einer Matratze, ein umgestürzter Stuhl dient als Kopfstütze. Das Hündchen des Generals, das der Szene zusammen mit dem Jesusbildchen an der Wand einen sentimentalen Charakter verleiht, liegt auf einer Decke, welche die Beine des Toten bedeckt. Ein geflochtener Kranz aus Blättern schmückt die Brust des Gefallenen. In der linken Bildhälfte sind die Begleitung des Kronprinzen sowie ein französischer Militärarzt abgebildet, der sich am Tisch abstützt. Es handelt sich gemäß der Bildbeschreibung dabei um (von links nach rechts) Oberst von Gottberg, Major Mischke, Major von Winterfeldt, den französischen Militärarzt, General von Blumenthal sowie Hauptmann Graf zu Eulenburg. Die Gruppe verharrt schweigend beim Leichnam. Die Möblierung des Zimmers ist einfach gehalten, auf dem Tisch sind die Reste einer Mahlzeit und unterhalb des Fensters eine Nähmaschine zu sehen, daneben befindet sich ein Stuhl, auf dem eine nicht zu Ende genähte Rote-Kreuz-Fahne liegt.

Anton von Werner zog genaue Erkundigungen über Ort und Ereignis ein, fertigte Skizzen an und holte Aussagen damals anwesender Personen wie des preußischen Kronprinzen und des Pächters des Gehöftes ein. Die Familie des gefallenen Generals stellte sogar ein Porträt Douays zur Verfügung. Auch der französische Militärarzt sandte von Werner später ein Foto aus dem Jahr 1870 zum Vergleich zu. Bemerkenswert ist die akribische Darstellung von äußeren Details. Gleichzeitig wird das Bild des Kronprinzen als siegreicher und ritterlicher Feldherr vermittelt, der dem toten Feind die letzte Ehre erweist und ihm damit Respekt zollt. Der Leichnam Douays wurde später ehrenvoll bestattet, seine Uniform wird im Pariser Armeemuseum aufbewahrt.