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Otto von Bismarck am 6. Juli 1891 mit Hut auf der Terrasse seines Friedrichsruher Schlosses, in den Garten blickend, zu seinen Füßen die beiden Doggen Tyras II und die zweite Rebekka, „Beckchen“ genannt, die aufmerksam den Fotografen ansehen: Es handelt sich um eines der bekanntesten Bilder des Alt-Reichskanzlers. Bis zum 19. April 2020 ist es aus dem Archiv der Otto-von-Bismarck-Stiftung an das Bayerische Nationalmuseum in München verliehen und wird in der Ausstellung „Treue Freunde. Hunde und Menschen“ gezeigt.

Otto von Bismarck ließ sich sein Leben lang von Hunden begleiten. Schon als Student in Göttingen hielt er sich eine Dogge namens Ariel und die Vorliebe für diese großen Tiere hielt an, auch in seiner Zeit als Reichskanzler – sie firmierten schließlich im öffentlichen Sprachgebrauch sogar als „Reichshunde“. Auf vielen Fotografien und Zeichnungen, die ihn vor allem privat zeigen, ist einer seiner Hunde abgebildet, und in zahlreichen Büchern, die Bismarck gewidmet sind, finden sich Aufzählungen seiner vierbeinigen Begleiter und Anekdoten über deren Klugheit. Ein Beispiel:

Der Student Bismarck mit seiner Dogge Ariel.

„Auf einer anderen, in die Mitte der siebziger Jahre fallenden Soirée, auf der sich auch der Reichshund herumtrieb, kam nach Tisch das Gespräch auf ihn, und der Fürst meinte, man solle nur nicht an der Intelligenz der Hunde zweifeln. So sei jüngst, als er durch seinen Garten ging, um denselben durch das nach der Königgrätzer Straße führende Thor zu verlassen, unvermutet mitten im Garten der Reichshund auf ihn zugesprungen, in der Absicht, ihn zu begleiten. Bei dem Gartenthor habe sich der Hund dicht an die Öffnung gedrängt, um womöglich noch vor seinem Herrn das Freie zu gewinnen. Zurücktreiben habe er sich nicht lassen. Da habe er, Bismarck, nur die Worte gesagt: ‚In den Reichstag‘, worauf der Hund den Schweif eingezogen und schleunigst nach Hause gerannt sei.“ 1

In der Ausstellung „Treue Freunde“ hängt unsere Leihgabe in der Abteilung „Hundefreundschaft – Prominente mit Hund“ neben Fotos von Kaiserin Sisi und David Bowie. Zu den weiteren namhaften Monarchen und Politikern, die mit ihren Hunden gezeigt werden, zählen Wladimir Putin, die Queen, Barack Obama, Friedrich der Große, Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz und Albrecht V. von Bayern. Der erste Reichskanzler ist nicht zufällig in diese prominente Gesellschaft geraten, wie uns Dr. Helga Puhlmann vom Bayerischen Nationalmuseum erklärte: „Er zählte zweifellos zu den berühmtesten deutschen Hundebesitzern des 19. Jahrhunderts.“ Mit seinen Doggen habe Bismarck sich nicht nur privat umgeben, sondern sei auch bei politischen Veranstaltungen mit ihnen aufgetreten und habe sich so durchaus auch als Gegensatz zum Dackel-Liebhaber Kaiser Wilhelm II. inszeniert.

Die Ausstellung nimmt ihren Ausgangspunkt bei Thomas Mann und seinem Hühnerhund-Mischling „Buschan“, dem er sogar ein Buch widmete. Thematisiert werden in den Räumen neben der Freundschaft mit dem Hund auch „Befremdlichkeiten“ vor allem in außereuropäischen Kulturen, außerdem werden diese Tiere unter anderem als Partner, Helfer und Statussymbole vorgestellt. „Treue Hunde“ wird, so hat Dr. Puhlmann beobachtet, von einem breiteren Publikum als im Bayerischen Nationalmuseum üblich besucht; neben dem kunst- und museumsaffinen Publikum seien auch zahlreiche Hundebesitzerinnen und -besitzer aus dem Raum München anzutreffen.

 

Die Ausstellung:

Treue Freunde. Hunde und Menschen
28. November 2019 bis 19. April 2020
Bayerisches Nationalmuseum
Prinzregentenstraße 3
80538 München

Medienschau:

Hunde im Bayerischen Nationalmuseum: Treue Freunde
BR Fernsehen, 23. November 2019

Die ganze Pracht der Zamperlstadt
Süddeutsche Zeitung, 28. November 2019

Wie Thomas Mann, Bismarck und Loriot auf den Hund kamen
Deutschlandfunk, 28. November 2019

Vier Beine für ein Halleluja
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. Dezember 2019, S. 13


1. Heinrich von Poschinger (Hrsg.), Fürst Bismarck. Neue Tafelgespräche und Interviews, Stuttgart und Leipzig 1899, Seite 78

Bildnachweis Bismarck mit Ariel: Die Abbildung ist entnommen aus Walter Stein (Hrsg.): Bismarck. Des eisernen Kanzlers Leben in annähernd 200 Bildern nebst einer Einführung, Siegen und Leipzig, 1915, S. 32