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Mit einem Videoprojekt feiert die Otto-von-Bismarck-Stiftung in diesem Jahr zusammen mit den anderen fünf Politikergedenkstiftungen des Bundes den Tag der Deutschen Einheit. Entwickelt wurde diese Idee, nachdem sich vor einigen Wochen vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie abzeichnete, dass sich das diesjährige Motto „Wir miteinander“ nicht bei persönlichen Begegnungen in Potsdam erleben lässt. Die Gespräche über die historischen Ereignisse vor 30 Jahren und die aktuellen Herausforderungen, unsere Demokratie lebendig zu erhalten und weiter zu gestalten, sollten dennoch stattfinden.

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Dr. Rudolf Seiters erzählte anschaulich und spannend von seiner politischen Tätigkeit im geschichtsmächtigen Jahr 1989.

Mit einem herzlichen Applaus ist gestern Abend Dr. Rudolf Seiters im sehr gut besuchten Theatersaal des Augustinum Aumühle empfangen worden. Der Förderverein der Otto-von-Bismarck-Stiftung e.V. hatte ihn eingeladen, den Jahresvortrag über „30 Jahre Mauerfall“ zu halten. Dr. Seiters sprach als Zeitzeuge und als einer der damaligen politischen Akteure, denn 1989 war er „Chef im Maschinenraum“ der Politik, wie es Norbert Brackmann, Vorsitzender des Fördervereins, treffend formulierte.

Nach einer kurzen historischen Einordnung der deutschen Teilung nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erzählte Dr. Seiters, heute Vorsitzender des Kuratoriums der Otto-von-Bismarck-Stiftung, wie ruhig das Revolutionsjahr 1989 für ihn begonnen hatte: Als er im April Wolfgang Schäuble als Chef des Bundeskanzleramtes nachgefolgt sei, habe dieser ihm wichtige Akten übergeben – keine davon habe die DDR betroffen. Innerhalb weniger Wochen sollte sich die Lage dramatisch ändern. Als die Zahl der Flüchtlinge in der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin und in der Botschaft in Prag rasant gestiegen sei, habe man mit der DDR-Regierung zu verhandeln begonnen – dieser hätten aber die eigenen Bürger nicht mehr vertraut. Deshalb seien Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher und er am 30. September 1989 zusammen nach Prag geflogen, um den 5.000 Botschaftsflüchtlingen dort nicht nur die Zustimmung Ost-Berlins zu ihrer Ausreise mitzuteilen, sondern ihnen auch die Sicherheit zu vermitteln, dass sie keinen Wortbruch zu befürchten hätten – Genscher sprach damals auf dem Balkon den sicher berühmtesten Halbsatz der jüngeren deutschen Geschichte: „Liebe Landsleute, wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise …“. Dies sei auch für ihn ein sehr emotionaler Moment gewesen, sagte Dr. Seiters und berichtete bewegt, dass er im September dieses Jahres wieder die Prager Botschaft besucht und bei einer Feier 400 der ehemaligen Flüchtlinge getroffen habe, die alle immer noch sehr glücklich über ihre Freiheit seien.

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Veranstaltungen

Der Förderverein der Otto-von-Bismarck-Stiftung hat für seinen Jahresvortrag 2019 Bundesminister a.D. Dr. Rudolf Seiters gewonnen. Es ist uns eine Freude, dass damit der Vorsitzende unseres Kuratoriums sprechen wird. Er wird auf den Mauerfall vor 30 Jahren auch ganz persönlich zurückblicken: Dr. Seiters war als Chef des Bundeskanzleramtes im Rang eines Ministers für besondere Aufgaben am 30. September 1989 zusammen mit Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher nach Prag gereist, um den DDR-Flüchtlingen, die dort in prekärer Lage im Garten und im Gebäude der bundesdeutschen Botschaft ausharrten, eine gute Nachricht zu überbringen – Genscher sprach damals auf dem Balkon den sicher berühmtesten Halbsatz der jüngeren deutschen Geschichte: „Liebe Landsleute, wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise …“. Dr. Seiters hat anschließend an den Staatsverträgen zur Deutschen Einheit mitgewirkt und diese auch als Bundesinnenminister von 1991 bis 1993 mitgestaltet.

Wir bitten um Anmeldung unter Telefon 0 41 04 / 97 71-0 oder per Email an info@bismarck-stiftung.de.

Dr. Rudolf Seiters hat als Chef des Bundeskanzleramtes wichtige Stationen von Mauerfall und Deutscher Einheit miterlebt und mitgestaltet. Das Foto zeigt ihn (erste Reihe, 3.v.l.) bei der Eröffnung des Brandenburger Tores am 22. Dezember 1989 (aufgenommen von SSgt. F. Lee Corkran, U.S. Defense Imagery photo VIRIN: DF-ST-91-03540, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Politicians_at_Brandenburg_Gate_opening_1989.JPEG).