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ein niedriges Haus, das mit Reet gedeckt ist, steht an einem Waldweg. Auf dem Weg blickt ein Hund zum Fotografen.

Unser Wandkalender zeigt in diesem Jahr das historische Friedrichsruh. Im September ist auf einer Fotografie von Richard Linde aus dem Jahr 1896 ein Waldwärterhaus zu sehen (Archiv der Otto-von-Bismarck-Stiftung). Über dieses Haus sind keine weiteren Aufzeichnungen aufzufinden.

Der Sachsenwald wurde seit Menschengedenken wirtschaftlich genutzt – zur Weide von Pferden und Kühen, bei der Eichenmast zur Fütterung von Schweinen, als Fleischlieferant sowie Quelle für Baumaterial und Brennstoff. Und auch nachdem im Mittelalter der Wald zum Forst einer Grundherrschaft wurde, fanden viele weiterhin ihr Auskommen – nicht nur die Bauern der Walddörfer, sondern auch Tagelöhner, Waldarbeiter und Köhler, die in bescheidenen Häusern lebten.

Ein Mann steht auf einem kleinen Hügel, aus dem es qualmt

Der letzte Köhler im Sachsenwald, 1940 (Archiv der Otto-von-Bismarck-Stiftung).

Die Köhler des Sachsenwaldes haben nur wenige Spuren in Büchern und auf Fotografien hinterlassen. Dabei bot ihre Arbeit einige Vorteile: Der wichtigste Rohstoff des Waldes, das Holz, war nach seiner Verwandlung zur Holzkohle nicht nur leichter und damit einfacher zu transportieren. Auch bietet dieses Brennmaterial über einen längeren Zeitraum eine konstant hohe Hitze. Damit war Holzkohle ein geeigneter Energielieferant für die ersten Eisenwerke, auch in Friedrichsruh: 1758 wurde die bisherige Papiermühle am westlichen Ende des Fabrikteichs (heute: Schlossteich) an die Brüder Engelbert und Daniel Wuppermann verkauft, die diese in eine Eisenfabrik umwandelten. Die Fabrik blieb in Familienbesitz, um 1800 arbeiteten dort sieben Meister, zehn Gesellen, drei Tagelöhner und zwei Kohlenbrenner, wie Alfred Korn in seinem Buch „Der Sachsenwald“ (1923) notierte. Das rohe Eisen stammte aus England und Schweden und wurde in diesem kleinen frühindustriellen Betrieb unter anderem zu Ankern, Ambossen, Eisenteilen für Schleusen und Mühlen und Sägen verarbeitet. Die Beschäftigung der beiden Köhler verrät, dass das gestaute Flüsschen Schwarze Au dabei nicht der einzige Energielieferant war.

1812 fand die Eisenverarbeitung in Friedrichsruh ihr Ende, der Betrieb wurde zu einer Tuchfabrik, die bis um das Jahr 1860 wirtschaftete. Holzkohle aber wurde in einem überschaubaren Umfang noch einige Jahrzehnte lang hergestellt. Ein Foto aus dem Jahr 1940 zeigt den letzten Köhler des Sachsenwaldes.

 

Dieser Beitrag basiert auf folgender Literatur aus unserer Bibliothek:

Rolf Hennig: Der Sachsenwald, Neumünster 1983
Alfred Korn: Der Sachsenwald. Geschichte und Erlebnis, Bielefeld und Leipzig 1923
Hansjörg Küster: Geschichte des Waldes, München 1998
Richard Linde: Aus dem Sachsenwalde, Hamburg 1896


Zuvor erschienen: Kalenderblatt: Landhaus Friedrichsruh, um 1900