
Im Frühjahr 1848 entstand mit der Frankfurter Nationalversammlung das erste gesamtdeutsche Parlament. Das Mandat brachte für die gewählten Abgeordneten einen grundlegend neuen Alltag mit sich. Viele hatten zuvor noch kein politisches Amt auf überregionaler Ebene ausgeübt und mussten für eine unbestimmte Zeit nach Frankfurt umziehen. Feste Routinen und Tagesabläufe gab es daher zunächst nicht und entwickelten sich erst im Laufe des einjährigen Bestehens der Versammlung.
Isabel Heide nimmt das tägliche Leben der Abgeordneten in den Blick und fragt, an welchen Orten parlamentarische Arbeit stattfand. Neben dem Plenarsaal spielten u.a. Wohnungen, Gasthäuser und Vereinslokale eine wichtige Rolle.
Ein besonderer Blick gilt auch dem Familienalltag, der sich mit dem Mandat ebenfalls veränderte. Briefe zwischen Abgeordneten und ihren Ehefrauen zeigen, wie Aufgaben über die Entfernung hinweg organisiert wurden. Ehefrauen wirkten dabei häufig an der politischen Arbeit ihrer Männer als Beraterinnen, Korrekturleserinnen und Ansprechpartnerinnen für die Bürger des Wahlkreises mit. Zugleich ging es um alltägliche Fragen: um Geld, die Wohnungssuche, Kinderbetreuung und Planung von gemeinsamer Zeit. So wird sichtbar, in welchem Maße die Arbeit der Abgeordneten durch ihre Familien gestützt, organisiert und mitgestaltet wurde.
Isabel Heide, M. A., ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Graduiertenkolleg „Politik der Aufklärung“ an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Abb.: Mitglieder der Linken des ersten deutschen Reichstags in Frankfurt a.M., Lithografie von Wilhelm Völker, 1849, © Wien-Museum (CC0)




