
Ein Vortrag von Lukas Yavari, Berlin, am bundesweiten Tag der Demokratiegeschichte
Was bedeutete es, im 19. Jahrhundert Abgeordneter zu sein? Die Ausübung eines Mandats beschränkte sich nicht nur auf das Halten von Reden im Parlament. Es veränderte den gesamten Alltag der Parlamentarier: Sie pendelten zwischen Heimat und Hauptstadt, verbrachten während der Sitzungszeiten oft Wochen fern von ihren Familien, pflegten politische Kontakte und mussten ihre beruflichen Verpflichtungen mit den wachsenden Anforderungen parlamentarischer Arbeit vereinbaren.
Mit der zunehmenden Bedeutung der Parlamente seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wandelte sich dabei der politische Alltag grundlegend. Was zunächst häufig als nebenberufliche Aufgabe von Honoratioren verstanden wurde, entwickelte sich im Deutschen Kaiserreich zunehmend zu einer zeitaufwendigen politischen Tätigkeit. Sitzungen, Ausschussarbeit, Fraktionsberatungen, Wahlkreisbesuche und eine stetig wachsende Korrespondenz machten das Abgeordnetenmandat zu einer anspruchsvollen Aufgabe, die neue Formen politischer Arbeit und Organisation erforderte.
Lukas Yavari eröffnet in seinem Vortrag einen Blick auf diese bislang wenig sichtbare Seite der Politik- und Parlamentsgeschichte. Anhand persönlicher Briefe und Tagebücher wird gezeigt, wie Abgeordnete ihren Alltag organisierten und mit den wachsenden Belastungen politischer Arbeit umgingen. Dabei wird deutlich, dass Politik nicht allein im Parlamentsgebäude stattfand: Ehefrauen, Familien und persönliche Netzwerke waren entscheidende Voraussetzungen für die Ausübung eines parlamentarischen Mandats.
Lukas Yavari, M.A., ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Forschungsprojekts „Abgeordnetenleben 1871 – 1918“ bei der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien e.V., Berlin
Abb.: Die Abgeordneten Dr. Ludwig Windthorst (l.) und Johannes von Miquel, in: Julius Braatz: Der Reichstag und sein Heim, Berlin 1889
Gerne nehmen wir ab dem 4. März Ihre Anmeldung unter der Telefonnummer 04104/97710 oder per E-Mail entgegen. Der Eintritt ist frei.




