Der sterbliche Gott. Macht und Herrschaft in Russland – Hamburger Bismarck-Vortrag 2026 von Prof. Dr. Jörg Baberowski

,

Macht ist eine menschliche Konstante und ohne Machtverhältnisse findet keine Gesellschaft zusammen, lautet in diesem Vortrag die Grundannahme von Prof. Dr. Jörg Baberowski, Lehrstuhlinhaber für die Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität zu Berlin. Verwandelt sich die Macht in Herrschaft, kann sich ein Staatswesen konstituieren. Sind die staatlichen Institutionen stark, verzichtet der Staat weitestgehend auf Zwangsmaßnahmen gegenüber seinen Bürgern; ist er schwach, bleibt er auf die Anwendung von Gewalt angewiesen.

Während im kleinräumigen Europa die Voraussetzungen gegeben waren, so Prof. Dr. Baberwoski, um stabile Staaten mit florierender Wirtschaft zu entwickeln, wurde in Russland den gänzlich anderen Voraussetzungen vor allem gewaltsam begegnet. Seit Iwan der Schreckliche, dem ersten Moskauer Großfürsten, der sich zum Zaren krönte, setzte der Staat bei der Durchsetzung seiner Ziele auf Zwangsmittel – sogar unter Peter dem Großen, der eigentlich die Aufklärung nach Russland bringen wollte und damit den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Anschluss an Europa suchte.

Auch außenpolitisch wurde und wird immer wieder auf Gewalt, auf Krieg gesetzt. Es sei jedes Mal gleich geendet, so die nüchterne Feststellung: „Am Ende ist immer die Staatskasse leer und man steht vor einem Trümmerfeld und muss sich überlegen, wie es weitergehen soll.“

Startbild unter Verwendung von: St. Petersburg. Peterhof-Brücke und Anitschkow-Palais, Fotografie, aufgenommen zwischen 1890 und 1906, veröffentlicht in Zürich (Library of Congress Prints and Photographs Division Washington, D.C. 20540 USA)

– Video –