Das besondere Exponat: Bismarcks Göttinger Fechtausrüstung

Korbschläger in Scheide (Höhe: 105 cm, Breite: 20 cm, Tiefe: 20 cm; Material: Metall, Textil und Leder, Bismarck-Museum Friedrichsruh, Inventar-Nr. A 013). Foto: Otto-von-Bismarck-Stiftung / Jürgen Hollweg
„Baribal“ lautete einer von Bismarcks Spitznamen in Göttingen, der gefürchtete Schwarzbär – diesen Ruf hatte er sich beim Fechten erworben. Außerdem war seine Studentenzeit von Raufereien und Trinkgelagen geprägt. So schrieb er im Januar 1833 an seinen Bruder Bernhard, dass er in seinen bis dahin 14 Mensuren nur einmal „einen kleinen Blutigen“ auf der Nasenspitze erhalten habe.
Die Mensur ist ein studentischer Fechtkampf mit strengen Regularien. Dabei ist der „Korbschläger“ eine Waffe, die für die Mensuren zwischen Studenten genutzt wurde und wird. Namensgebend ist der „Korb“, der die Hand des Paukanten schützt – Paukant wird der Fechter genannt, der die Mensur schlägt. Der Korb besteht aus mehreren waagerecht laufenden Parierstangen. An der Außenseite sind die Farben Rot, Blau und Gold zu sehen. Dies sind die Farben des Corps Hannovera Göttingen, dem Bismarck während seiner Studienzeit in Göttingen angehörte.
Im Korb befinden sich eine Schlaufe, die für den Zeigefinger gedacht ist, sowie der Griff, durch den das Ende der Klinge führt und der mit einer Mutter festgeschraubt ist. Auf der Innenseite des Korbes befindet sich eine Beschriftung, die allerdings nicht mehr eindeutig zu entziffern ist. Die Klinge steckt in einer metallenen Scheide und weist eine Länge von ca. 88 Zentimetern auf.

Bismarck immatrikulierte sich am 10. Mai 1832 an der Universität in Göttingen, um Rechtswissenschaften zu studieren. In die Studentenverbindung Corps Hannovera trat er am 7. Dezember 1832 ein. Am 11. September 1833 verließ er die Stadt und setzte sein Studium in Berlin fort. Abb.: Göttingen, um 1858
Bismarck hat insgesamt 26 Schlägerpartien gefochten, 25 davon 1832 und 1833 in Göttingen. Karl Strecker sprach 1898 von 28 Mensuren, jedoch lässt sich diese Zahl nicht beweisen (1). Eine weitere schlug er in Eldena bei Greifswald. Neben dem Korbschläger gehörten für eine Schlägerpartie zur damaligen Ausrüstung eine dicke Halsbinde, ein Paukärmel, welcher den Schlagarm schützte, sowie eine Mütze, um die Stirn und den Kopf zu schützen (nicht erhalten). Das Gesicht, bis auf die Stirn, und die Brust waren ungeschützt.
Das Paukbuch der Hannovera, in dem die 25 Partien von Bismarck dokumentiert wurden, zeigt, dass Bismarck gut fechten konnte. Er hat in seinen Partien in Göttingen 25 Treffer ausgeteilt und nur acht hinnehmen müssen. 1867 – Jahrzehnte später also – traf er einen seiner Paukgegner wieder. Bismarck war nach dem gewonnenen Krieg gegen Österreich auf dem vorläufigen Höhepunkt der Macht, als es zu einem überraschenden Wiedersehen kam. Sein einstiger Gegner Wilhelm Bode (1812 – 1883) war gerade als nationalliberaler Abgeordneter in den konstituierenden Reichstag des Norddeutschen Bundes gewählt worden. Auf die ungläubige Frage Bismarcks, ob er derjenige gewesen sei, der ihm damals den Schmiss auf der linken Wange zugefügt habe, bestätigte er dies. „Aber das war doch ein Sauhieb!“, entfuhr es Bismarck, also ein regelwidriger Hieb mit der Waffe. Bismarck war, alle Contenance fallen lassend, sofort wieder gedanklich im Gefechtszustand seiner Studentenzeit.
Die Schläger sind heute im Bismarck-Museum in Friedrichsruh zu sehen.



