Kalenderblatt: Das Landeshaus in Budapest

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Landeshaus (Országház), Budapest, von der Donau aus gesehen; Fotografie, Ungarn, vermutlich um 1910, Abzug auf Papier (Reproduktion), Otto-von-Bismarck-Stiftung, Friedrichsruh, Inventar-Nr.: F 2024/086

Die gegenwärtig 199 Abgeordneten der Nationalversammlung (Országgyűlés) tagen im drittgrößten Parlamentsgebäude der Welt. Dieses Landeshaus (Országház) liegt direkt an der Ostseite der Donau. Es ist ein Wahrzeichen der ungarischen Hauptstadt Budapest und das größte Gebäude der Republik Ungarn. Die historische Fotografie zeigt den imposanten Bau mit seiner zentralen Kuppel vom westlichen Donauufer aus.Bereits in den 1830er-Jahren gab es Überlegungen, die ungarische Ständeversammlung, die zumeist in Preßburg (heute Bratislava) zusammenkam, in die Stadt Pest (heute Teil von Budapest) zu verlegen. Dies wurde jedoch erst während der Revolution von 1848/49 umgesetzt.

Ab 1861 wurden ältere Pläne zum Bau eines angemessenen Versammlungsortes für das Parlament wieder aufgegriffen. 1865 entstand schließlich ein provisorisches Gebäude, das bis heute erhalten ist. Allerdings wurde es von den Ungarn als nicht angemessen für das Ansehen und das Selbstverständnis ihres Landes betrachtet. Zu Beginn der 1880er-Jahre wurde daher ein Wettbewerb für ein neues, repräsentatives Parlamentsgebäude als nationales Symbol ausgelobt. Der ungarische Architekt Imre Steidl (1839 – 1902) konnte sich durchsetzen. Er plante ein Gebäude im neugotischen Stil mit symmetrischer Fassade, aber barockem Grundriss, das sich unter anderem am Wiener Rathaus und dem Westminster-Palast in London orientierte.

Treppenhaus im Landeshaus. Foto: Nan Palmero (CC BY-SA 2.0)

Die Bauarbeiten begannen 1885 und dauerten bis 1904. Dabei sollen rund 40 Millionen Steine verbaut sowie rund 40 Kilogramm Gold und eine halbe Million Ziersteine verwendet worden sein. Obwohl das Gebäude noch nicht fertiggestellt war, fand anlässlich des 1000-jährigen Bestehens des Königreichs Ungarn am 8. Juni 1896 die erste Parlamentssitzung statt. 1902 zog der aus dem Magnatenhaus (Oberhaus) und dem Abgeordnetenhaus (Unterhaus) bestehende Reichstag, so die amtliche Bezeichnung seit 1867, endgültig ein. Die gleichartigen Plenarsäle beider Parlamentskammern wurden links und rechts der zentralen Kuppel angeordnet. Der Haupteingang befindet sich an der Ostseite des Baus. Das neue Landeshaus wurde in bewusstem Gegensatz zur Residenz der ungarischen Könige, dem Burgpalast (Budavári Palota), angelegt. Dieser steht auf der gegenüberliegenden Donauseite. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude beschädigt und nach 1945 wiederhergestellt. Die kommunistischen Herrscher ließen 1949 auf der Kuppel einen roten Stern anbringen, der nach dem Sturz der Diktatur wieder entfernt wurde.

Sitzungssaal des Parlaments. Foto: Wei-Te Wong (CC BY-SA 2.0)

Das vierstöckige Parlamentsgebäude hat eine Grundfläche von fast 18.000 Quadratmetern und eine Länge von 268 Metern an der Donauseite sowie eine maximale Breite von 123 Metern. Die Kuppel erreicht eine Höhe von 96 Metern. Im Inneren befinden sich 691 Räume, zehn Innenhöfe, dreizehn Aufzüge und 29 Treppenhäuser, darunter die 32 Meter lange und 20 Meter hohe, goldverzierte Ehrentreppe. Außerdem gibt es 27 Tore. Im zentral angelegten Kuppelsaal wird seit dem Jahr 2000 neben weiteren Krönungsinsignien die Heilige Krone des ehemaligen Königreichs Ungarn (Szent Korona, im Deutschen auch als „Stephanskrone“ bezeichnet) aufbewahrt. Sie gilt als ein zentrales ungarisches Nationalsymbol. Statuen ungarischer Herrscher, siebenbürgischer Fürsten und berühmter Militärs zieren die Fassade. Über den Fenstern sind die Wappen von Königen und Herzögen abgebildet. Im Inneren befinden sich weitere Statuen und Büsten, sodass der Bau mit insgesamt 242 Skulpturen ausgestattet ist. Zur prachtvollen künstlerischen Ausgestaltung der Innenräume gehören zudem zahlreiche Glasmalereien und Mosaike sowie Fresken und Deckengemälde. Die Deckenverzierungen weisen Elemente der Neorenaissance auf.

Das Gebäude ist seit seiner Eröffnung im Jahr 1902 ununterbrochen Sitz des ungarischen Parlaments. Auch der Staatspräsident und der Regierungschef verfügen dort über Arbeitsräume. Das Landeshaus wird jährlich von mehr als einer halben Million Menschen besucht.


Der Kalender begleitet unsere Sonderausstellung „Volkes Stimme! Parlamentarismus und demokratische Kultur im Deutschen Kaiserreich“. Sie ist vom 28. September 2025 bis zum 25. Mai 2026 im Bismarck-Museum Friedrichsruh sowie ab dem 7. Juni 2026 im Bismarck-Museum Schönhausen zu sehen. Erhältlich ist der Kalender im Historischen Bahnhof Friedrichsruh, im Bismarck-Museum Friedrichsruh sowie im Bismarck-Museum Schönhausen, er kostet zehn Euro.