Kalenderblatt: Westminster-Palast

Westminster-Palast (Palace of Westminster/Houses of Parliament), von der Westminster Bridge aus gesehen; Fotografie, Großbritannien, um 1870/80, Abzug auf Papier, Pappe, Otto-von-Bismarck-Stiftung, Friedrichsruh, Inventar-Nr.: F 2024/085
Die Anfänge des heutigen britischen Parlamentsgebäudes reichen bis ins 11. Jahrhundert zurück. Vom ursprünglichen Westminster-Palast, der 1834 durch einen Großbrand weitgehend zerstört wurde, stehen noch die 1097 erbaute Westminster Hall sowie der 1365/66 errichtete Jewel Tower. Verschont blieben zudem die Krypta der St. Stephen’s Chapel und der Kreuzgang. 1295 tagte mit dem Model Parliament das offizielle Parlament Englands in der Westminster Hall, in dem erstmals Vertreter von Adel, Klerus und Bürgern zusammenkamen.
Seither diente der Westminster-Palast auch den nachfolgenden Parlamenten als Sitzungsgebäude. Das House of Commons (Unterhaus) versammelte sich ab 1550 zunächst in der St. Stephen’s Chapel. Der Palast ist bis heute eine offizielle Residenz des britischen Monarchen, wird von diesem jedoch seit 1529 nicht mehr genutzt.

This View of the Remains of St. Stephen’s Chapel on the Morning after the Fire of 16th October 1834, Hand colored lithograph, Andrew Picken (1815–1845), Yale Center for British Art, Paul Mellon Collection, B1977.14.17716
Die Architekten Charles Barry (1795 – 1860) und Augustus Pugin (1812 – 1852) entwarfen den Neubau im neugotischen Stil. Der Grundstein wurde am 27. April 1840 gelegt, vollendet wurde das Parlamentsgebäude aber erst 1870. Es umfasst rund 1.100 Räume auf fünf Stockwerken, darunter die Sitzungssäle des House of Lords (Oberhaus) und des House of Commons, in dem Regierung und Opposition einander gegenübersitzen. Diese Commons Chamber wurde im Zweiten Weltkrieg beim Bombardement des Westminster-Palasts zerstört. Nach 1945 wurde das beschädigte Gebäude wiederhergestellt und modernisiert.

Victoria Tower, Palace of Westminster, Fotografie von Stephen Ayling, 1867 (© Victoria and Albert Museum, London)
Zu den von Barry dem Palast angefügten Türmen gehört unter anderem der mit über 98 Metern höchste Turm, der den Namen Victoria Tower nach der britischen Königin Victoria (1819 – 1901) trägt. Der 96 Meter hohe Clock Tower mit der Glocke Big Ben wurde 2012 anlässlich des 60. Thronjubiläums von Königin Elisabeth II. (1926 – 2022) offiziell in Elizabeth Tower umbenannt.
Der Kalender begleitet unsere Sonderausstellung „Volkes Stimme! Parlamentarismus und demokratische Kultur im Deutschen Kaiserreich“. Sie ist vom 28. September 2025 bis zum 12. April 2026 im Bismarck-Museum Friedrichsruh zu sehen. Erhältlich ist er im Historischen Bahnhof Friedrichsruh, im Bismarck-Museum Friedrichsruh sowie im Bismarck-Museum Schönhausen/Elbe und kostet zehn Euro.




